Respektlos und pointenreich

Fast vier Stunden lang unterhielt Michl Müller (Bild) seine Fans. Er begeisterte, war frech, wurde aber nie verletzend. Frankens Comedian Nummer eins erhält ab April sogar seine eigene Show in der ARD. Bild: jr
Lokales
Mitterteich
16.03.2015
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Der fränkische "Dreggsagg" kommt auch in der Oberpfalz an. Fast vier Stunden lang tritt Michl Müller in der Mitterteicher Mehrzweckhalle auf. Etwa 1100 Besucher applaudieren frenetisch.

Eine Riesenbühne, kaum Dekoration. Ein unscheinbar wirkender Franke stürmt herein. Der 43-jährige Shootingstar der deutschen Kabarett-Szene hat sein Publikum sofort bei sich. Über 1100 Gäste sitzen am Freitagabend in der Mehrzweckhalle und erleben einen Michl Müller, der endlich auch in Mitterteich, "dem Nabel der Welt", zeigen kann, was er drauf hat. Der wortgewaltige fränkische "Dreggsagg" unterhält aufs Beste. Dank gilt der Stadt Waldsassen, die diesen ganz besonderen Abend ausgerichtet hat. Eine Form der interkommunalen Zusammenarbeit: Waldsassen organisiert und Mitterteich stellt seine Halle zur Verfügung.

Loses Mundwerk

Michl Müller hat sich viel vorgenommen, will den Zuhörern die Welt erklären, wie sie aussehen sollte. Nichts und niemanden lässt er aus. Mit seinem erfrischend respektlosen Mundwerk nimmt er pointenreich alle aufs Korn. Michl Müller ist frech, aber nie beleidigend. Jährlich bewältigt er so an die 160 Live-Auftritte. Natürlich bekommen auch die Griechen ihr Fett weg. "Die bringen unseren Schäuble noch zur Weißglut. Jetzt wollen sie, dass wir noch Reparationszahlungen leisten. Aber dann kriegen die auch gleich noch den Costa Cordalis und die Vicky Leandros dazu." Der Kabarettist sinniert an anderer Stelle: "Der Helmut Schmidt hatte eine Geliebte. Was, der ist neben dem Rauchen auch noch zu etwas anderem gekommen? Seine Ehe stand danach auf der Kippe." Müller frotzelt: "Der Putin, dieses kleine russische Freggerle, hat unserem Seehofer zweimal den Aschermittwoch versaut. Da schickt der doch tatsächlich seine Soldaten zum Verwandtenbesuch auf die Krim. Sind wir froh, dass die russischen Soldaten keine Verwandten in Mitterteich haben." Pegida gebe es nicht mehr, meint der Comedian, "viele haben ohnehin gedacht, des is eine Hautcreme für die Frau ab 40, knitterfrei". Andrea Nahles sei die Eiserne Lady der SPD. "Die hat den Mindestlohn eingeführt. Viele wissen gar nicht mehr, wohin mit dem vielen Geld." Seehofer sei das größte Windrad in Bayern. "Den gscheit angeschlossen und wir haben Strom für den ganzen Freistaat."

Gnadenlos zugespitzt

Natürlich weiß Michl Müller auch etwas über Frauen, die rückwärts einparken müssen, oder die Männer, die in einen Stau fahren und dann plötzlich aufs WC müssen. All diese Geschichten, so mitten aus dem Leben gegriffen, erzählt der Kabarettist, überspitzt und mit viel Ironie. Auch wundert er sich: "Heute müssen die Kinder alle in die Kita - wegen der Bildungschancen. Aber i war a net in der Kita und bin koa Volldepp worn."

Nach einer 25-minütigen Pause folgen Flirt-Tipps für die Herren. Von Ärzten weiß Müller: "Die jammern heute mehr als ihre Patienten." Immer wieder bereichert er sein Programm mit sogenannten "Protestliedern", echte Stimmungsknüller. Nicht fehlen darf das Thema Uli Hoeneß. "Jetzt is er Freigänger, so schnell genga dreiahalb Jahr vorbei." Oder aber die Maut von Verkehrsminister Alexander Dobrindt: "A Papperl mit am Bild vom Seehofer wäre einfacher gwesen." Das Publikum johlt. Erst nach vier weiteren gesungenen Zugaben endet kurz vor Mitternacht ein toller Abend. Michl Müller erfüllt dann noch schweißgebadet viele Autogrammwünsche.
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