Sonderausstellung zu Zwangsarbeit im Nationalsozialismus
Dunkle Seite des weißen Goldes

Ina Falkenberg von der Agentur "Freybeuter" aus Potsdam hat mit drei weiteren Helfern die Ausstellung aufgebaut. (Bild: tr)
Lokales
Mitterteich
29.10.2014
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Alles hatte unter dem Größenwahn des Nationalsozialismus zu leiden. Für die keramische Industrie hierzulande, in Thüringen und in Tschechien verpflichtete das Regime zahllose Zwangsarbeiter. In welcher Dimension zeigt eine Sonderausstellung im Museum.

Auch in der Porzellanindustrie machte das Herrenmenschentum mit seiner Idee vom 1000-jährigen Reich nicht Halt. Staat, NS-Organisationen und Unternehmer rekrutierten Zwangsarbeiten für die Keramische Industrie.

Das Zentrum der Produktion befand sich im nordöstlichen Bayern, in Thüringen und im westlichen Grenzgebiet der Tschechoslowakei, die 1938/39 gewaltsam unter deutsche Herrschaft gelangte. Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern wurden zur Herstellung von Zier-, Gebrauchs- und Technik-Porzellan für den militärischen und den zivilen Bedarf zwangsweise eingesetzt. Hiervon erzählt diese Ausstellung in deutscher und tschechischer Sprache.

Schlicht und aussagekräftig

Das Geschichtsbüro "Culture and more" in Berlin unter der Federführung von Dr. Christian Schölzel hat die Hintergründe und Organisation recherchiert und daraus eine Wanderausstellung gemacht. Unter dem Titel: Zwangsarbeit für "Weißes Gold" wird sie am Donnerstagabend um 18 Uhr im Museum für Porzellan, Glas und Handwerk in Mitterteich eröffnet. Die Ausstellung ist eine Kooperation des Museums Mitterteich, des Muzeum Sokolov in Zusammenarbeit mit dem Nationalarchiv Prag und dem Porzellanikon Selb. Minimalistisch hat sich das Gestaltungsbüro für Ausstellungen, "Freybeuter" aus Groß-Kreutz bei Potsdam, bei der Umsetzung genähert. Zwei Kisten, wie sie zum Verpacken von Porzellan genutzt wurden und mit einem Glasdeckel versehen sind, bilden das Zentrum der Präsentation. In ihnen sind die wenigen Porzallanteile, die dabei zu sehen sind, untergebracht.

Zum Beispiel die Tasse, die der französische Zwangsarbeiter Robert Thévenot während seiner Gefangenschaft irgendwann zwischen 1949 und 1945 für seine Tochter gefertigt hat. Dann steht da in einer Vitrine noch eine riesige Vase aus der Mitterteicher Porzellanfabrik. Ein Jubiläumsstück zum 800. Geburtstag im Jahr 1935.

Die Leihgaben in den Vitrinen, darunter der Kopf eines Schäferhundes, der im fraglichen Zeitraum bei Rosenthal gefertigt wurde, oder ein Tablett mit Eierbechern und Salzstreuer aus Mitterteich zwischen 1930 und 1940 sind weitere Exponate. Neben den Teilen, die das Mitterteicher Museum beigesteuert hat, sind auch Leihgaben des Porzillanikons in Selb dabei.

Das Gros der Präsentation sind zehn Schautafeln auf denen die Geschichte der Zwangsarbeit in den Porzellanfabriken beschrieben und bebildert ist. Vorgestellt werden Fabriken, die nachweislich Zwangsarbeiter beschäftigt hatten, zum Beispiel die Behemia AG in Neurohlau (heute Nova Role), "Hescho" in Hermsdorf in Thüringen oder eben auch die Porzellanfabrik Mitterteich.
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