Stiftlandwerkstätten bieten nach Erweiterung 165 Plätze - Behinderte Menschen brauchen ...
Leben und Arbeiten Grundrecht für alle

Zu den Ehrengästen der Einweihung zählten (von links) Hans Horn, Geschäftsführer der KJF-Werkstätten, KJF-Direktor Michael Eibl, Prälat Dr. Josef Schweiger, Werkstattleiter Josef Fick, Bezirksrat Toni Dutz, Bürgermeister Roland Grillmeier und Landtagsabgeordneter Tobias Reiß. Die Stadt gratulierte zur Einweihung mit einem Glaswappen und einem Porzellanstich der Stadt. Bilder: jr (3)
Lokales
Mitterteich
29.09.2014
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Es sei die ureigenste Aufgabe der Kirche, sich um die Armen und Notleidenden zu kümmern, begründete Prälat Dr. Josef Schweiger das Engagement der Katholischen Jugendfürsorge. Durch den Erweiterungsbau der Stiftlandwerkstätten St. Elisabeth stieg die Zahl der Arbeitsplätze um 45 auf jetzt 165 Mitarbeiter mit Behinderung (wir berichteten).

"The Inclusions"

Musikalisch bestritt die Band "The Inclusions" unter der Leitung von Max Schmid die Einweihungsfeier. Der Festtag begann mit der halbstündigen Segnung. Prälat Dr. Schweiger erinnerte daran, dass aus einem zarten Pflänzchen in Mitterteich mittlerweile ein starker Baum geworden ist. "Vor Gott sind alle Menschen gleich", sprach sich der Geistliche für die Teilhabe aller Menschen am Leben aus. "Wir bilden eine Gemeinschaft. Vor Gott haben wir alle eine Würde, die uns niemand nehmen kann."

Selbstbestimmung

Der Prälat sagte, er staune immer wieder über die Offenheit der Menschen mit Behinderung, wie sie ohne Berührungsängste auf andere Menschen zugingen. "Es gibt ein Grundrecht auf Leben in Würde und auf ein selbstbestimmtes Leben", bekräftigte er. Zum Abschluss der kirchlichen Feier ging Dr. Schweiger durch alle Räume der Einrichtung und spendete den Segen.

"Könnten Sie sich ein Leben ohne Arbeit vorstellen?", fragte KJF-Geschäftsführer Hans Horn in die Runde. "Nein", erschallte sofort der Ruf aus den Reihen der Behinderten. "Arbeit ist wichtig, nicht nur um den Lebensunterhalt zu sichern, sondern auch durch das Gefühl und die Freude, ich werde gebraucht", sagte Horn.

"Unsere Wirtschaft boomt noch immer, doch der Arbeitsmarkt sortiert konsequent jene aus, die nicht die gewünschte Leistung bringen. Die Werkstätten finden deshalb einen immer größeren Zulauf." Für den Geschäftsführer war es eine tolle Geschichte, dass Menschen mit Behinderung arbeiten und dabei ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen können. In der folgenden Gesprächsrunde mit KJF-Direktor Michael Eibl freute sich die lokale Politprominenz über den gelungenen Erweiterungsbau. Landtagsabgeordneter Tobias Reiß berichtete davon, dass die Gemeinschaft eine gelebte Inklusion auf den Weg bringen wolle. "Jeder Mensch mit Behinderung ist ein Gewinn." Die Jugendfürsorge bezeichnete er als einen Segen für die Region.

Geld gut angelegt

Bezirksrat Toni Dutz nannte die Oberpfalz als wichtigen Partner für die Werkstätten. Jährlich unterstütze der Bezirk die Mitterteicher Einrichtung mit 2,2 Millionen Euro. "Es gibt keinen Zweifel, dass diese Hilfe hier gut gebraucht wird", sagte Dutz und hatte noch eine Anmerkung parat: "Mitterteich ist von Regensburg genauso weit weg wie umgekehrt." Bürgermeister Roland Grillmeier sprach von einem langen Prozess, bis dieser Bau endlich verwirklicht werden konnte. "Die Menschen mit Behinderung sind bei uns Zuhause, sie sind Teil unserer Stadt", stellte er heraus. Gleichzeitig bat er die Wirtschaft um weitere Unterstützung, "damit die Arbeit zu den Menschen kommt". Grillmeier dankte für die Investition und überreichte ein Glaswappen sowie einen Porzellanstich von Mitterteich.

Keine Berührungsängste

Das familiäre Miteinander in der Werkstätte wurde auch am Einweihungstag deutlich, Berührungsängste zwischen Behinderten und Nichtbehinderten gibt es hier keine. Mit einem festlichen Mittagessen endete die eindrucksvolle Feier.
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