Streit unbedingt vermeiden

Bürgermeister Roland Grillmeier und MGH-Leiterin Gudrun Brill (rechts) bedankten sich bei Referentin Sonja Dobmeier mit einem Präsent. Bild: jr
Lokales
Mitterteich
04.11.2015
3
0

Wie geht man mit Demenzkranken um? Was sollten Angehörige beachten, um nicht überfordert zu werden? Diese und weitere Fragen beantwortete Diplom-Sozialpädagogin Sonja Dobmeier im Mitterteicher Mehrgenerationenhaus.

Zahlreiche Interessierte hatten sich zu dem Vortrag in der Reihe "Seelische Gesundheit im Alter" im Marktcafé eingefunden. Die Referentin informierte eingangs, dass es in Deutschland rund 1,2 Millionen Demenzkranke gebe - Tendenz steigend. Für das Jahr 2050 prognostizierte sie die doppelte Anzahl. Häufigste Form sei die Alzheimer-Demenz, Männer und Frauen seien gleichermaßen betroffen.

Unheilbare Krankheit

Zu erkennen sei die bislang unheilbare Krankheit anfangs durch Störungen beim Denk- und Erinnerungsvermögen, bei der Orientierung und der Sprache. Eingeschränkt würden auch Urteils- und die Entscheidungsfähigkeit sowie Handlungen bei Alltagstätigkeiten. Weitere Anzeichen seien ein Antriebsmangel und Stimmungschwankungen. Hinzu kämen dann Unruhe, Aggressivität, Sinnestäuschungen, Verkennungen und Inkontinenz. Bei einer schweren Demenz sei ein hochgradiger geistiger Abbau erkennbar. "Die Folge ist eine zunehmende Pflegebedürftigkeit", erklärte Sonja Dobmeier.

Wenn ein Mensch im Umfeld der Familie an Demenz erkranke, sei es wichtig, dem Patienten zu vermitteln, dass man für ihn da sei. "Die betreuenden Personen müssen sich auf die Welt des Demenzkranken einstellen, seine Defizite anerkennen und seine noch vorhandenen Fähigkeiten fördern", so Dobmeier. "Vor allem aber sollten sie mit einem Demenzkranken ruhig und freundlich sprechen. Weiter sollten sie ihn nicht korrigieren, wenn er mal einen Fehler macht." Wichtig sei auch, mit dem Kranken nicht zu diskutieren. Streit oder andere Konfrontation sollten unbedingt vermieden werden. "Wenn Sie so wütend sind, dass Sie Regeln nicht mehr beherzigen können, gehen Sie einfach raus aus dem Zimmer", riet Sonja Dobmeier. "Und nehmen Sie das Vergessen nicht persönlich." Gerade als Angehöriger könne man in vielen Situationen durch Körperkontakt angemessen reagieren, worauf wiederum der Kranke zumeist positiv reagiere. Mögliche Beschäftigungsmöglichkeiten im Umgang mit Demenzkranken seien Bewegung und Gymnastik, aber auch Spiele wie "Stadt, Land, Fluss", Brettspiele oder Rateübungen. Weiter könnten altes Bildmaterial betrachtet oder alte Geschichten vorgelesen werden.

Positiv denken

Natürlich habe die Demenz auch Auswirkungen auf die Angehörigen. Oftmals komme es zur Vereinsamung oder zu einem schlechten Gewissen. "Viele der betreuenden Menschen klagen über völlige Erschöpfung oder gar Burn-out", berichtete Sonja Dobmeier. "Geben Sie sich die Erlaubnis, auch Fehler machen zu dürfen. Denken Sie positiv und seien Sie dankbar für Kleinigkeiten." Weiter riet sie dazu, Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe zu suchen oder das Gespräch mit professionellen Helfern zu suchen. "Wenn es nicht mehr anders geht, beantragen Sie eine Kur." Eine Anlaufstelle sei die Caritas-Beratungsstelle für seelische Gesundheit. In Tirschenreuth ist diese unter Telefon 09631/798 950 zu erreichen. Die Beratung ist kostenlos, die auf Wunsch werden auch Hausbesuche gemacht.

Der nächste Vortrag der Reihe findet am Mittwoch, 11. November, statt. AOK-Pflegeberaterin Evelin Schrems stellt im Mehrgenerationenhaus die neuen Leistungen durch das 1. Pflegestärkungsgesetz vor. Beginn ist um 15 Uhr.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.