Symbiose für alle Sinne

Wechselnde Lichteffekte ließen den Innenraum der 125 Jahre alten Stadtpfarrkirche beim Jubiläumskonzert in besonderem Schein erstrahlen. Eindrucksvoll untermalt wurde damit der Gesang des Kirchenchors St. Jakob (vorne). Das Spektrum der Farben reichte von tiefem Blau bis hin zu mystischem Rot. Viele Besucher zeigten sich nach dem Konzert bewegt von dieser akustisch-optischen Symbiose. Bild: Privat
Lokales
Mitterteich
16.10.2015
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Es war ein Konzertabend, wie ihn viele noch nie erlebt hatten: Chorgesang, Orgelspiel, Lesungen, Kinder-Aktionen und Lichtinstallationen verschmolzen in der Mitterteicher Pfarrkirche zu einer Einheit, die alle Sinne stimulierte.

Vor 125 Jahren entstand die Stadtpfarrkirche St. Jakob - und aus diesem Anlass hatte sich der Kirchenchor unter der Leitung von Matthias Schraml ein besonderes Programm überlegt. "Dieser Ort ist von Gott gemacht"- mit diesen Worten eröffnete Bernd Scheltner den Abend, danach folgten Blitz und Donnergrollen.

Zeitreise ins Jahr 1890

Auf dramatische Art begann so das erste Werk: "Locus iste a Deo factus est" für vierstimmig gemischten Chor und Orgel von Philip W. J. Stopford, einem britischen Komponisten. Zur Musik entzündeten die jüngsten Sängerinnen Mia Rasp und Marlene Pöllath die Altarkerzen. Nach einer kurzen Begrüßung durch Pfarrgemeinderatssprecherin Helga Weiß übernahm wieder Bernd Scheltner die Moderation und lud die Besucher zu einer Zeitreise in das Jahr 1890 ein - damals ist die Stadtpfarrkirche in ihrer heutigen Form entstanden.

Im weiteren Konzertverlauf folgten Psalmvertonungen von Michael C. Funke, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Nicolas J. Lemmens und Wolfgang Kreuzhuber, die durch den Kinderchor mit verschiedenen Aktionen untermalt wurden. So trugen sie Symbole zu den sieben Sakramenten auf die Stufen des Altars, rollten beim 100. Psalm eine Weltkugel durch den Raum und zeigten - mit bunten Tüchern durch die Kirche laufend - die Freude an der Schöpfung. Den ersten Teil des Konzerts beschloss das gewaltige "Ecce sacerdos magnus" für achtstimmigen Chor und Orgel von Anton Bruckner. In der Pause hielt der Förderverein für Kirchenmusik für die vielen Besucher des Jubiläumskonzerts exklusive Häppchen und Getränke bereit.

Im zweiten Teil des Programms wechselte der Chor von der Empore in den Altarraum und ließ Anton Bruckners "Locus iste" für vierstimmig gemischten Chor erklingen. Die Kirche war dazu in ein mystisch-tiefes Rot getaucht. In der weiteren Programmfolge waren bekannte und weniger bekannte Werke zu hören, wie etwa das "Ave Maria" von Rachmaninov, Mozarts "Ave verum" und "Lauda anima mea" von Anton Diabelli. Besonders bestach der Chor dabei durch seine Dynamik vom zarten Piano bis zum mächtigem Forte.

Auch im zweiten Teil führte Bernd Scheltner weiter souverän durch das Programm und wies - mal augenzwinkernd, mal nachdenklich - auf einige Besonderheiten der Kirche hin. Mit "Erquicke mich mit deinem Licht" von Albert Becker und einem projizierten Sternenhimmel im Gewölbe der Kirche verabschiedeten sich die Sängerinnen und Sänger in die herbstliche Nacht. Langanhaltender Beifall belohnte die Akteure für den gelungenen Abend.

Überrascht und bewegt

In den Pausengesprächen und im Anschluss ans Konzert war häufiger das Wort "Gänsehautgefühl" zu vernehmen, einige der Zuhörer waren sichtlich überrascht und bewegt angesichts der Symbiose aus optischen und akustischen Elementen.

Noch zweimal feiert der Kirchenchor das 125-jährige Bestehen "seines" Klangraumes: Im November mit der "Nelson-Messe" von Joseph Haydn und am 27. Dezember mit einem Weihnachts- und Jahresschlusskonzert, in dem unter anderem "Die Geburt Jesu" von Horatio Parker auf dem Programm steht.
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