Von Watschen und Hankerln

Zweiter Bürgermeister Stefan Grillmeier (rechts) dankte dem Arbeitskreis Heimatpflege und dessen Sprecher Werner Männer (links) für die kleine Stadtführung. Anschließend lud der Seniorenbeirat mit Vorsitzender Anja Dubrowski (Zweite von rechts) die Kinder zu einer Brotzeit ins Kellnerhaus ein. Bild: jr
Lokales
Mitterteich
30.08.2015
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Kinder für Geschichte zu begeistern, ist nicht einfach. Doch der Mitterteicher Arbeitskreis Heimatpflege weiß, wie's geht. Werner Männer sorgte für eine spannende Stadtführung.

"Der Grundstein für dieses Rathaus wurde am 31. Juli 1731 gelegt. Es ist eines der ältesten Gebäude der Stadt." Soweit die Fakten. In einer Blechdose seien eine Urkunde und verschiedene Münzen eingelegt und dann eingemauert worden, erzählte Werner Männer, der auch wusste, dass zwei Buben bei der Grundsteinlegung fürs Rathaus Watschen bekamen. Der Grund: Die Burschen sollten sich noch lange an die Grundsteinlegung erinnern. Werner Männer merkte auch an: "Wie viele Watschen müssten heute Politiker bekommen, damit sie sich an wichtige Entscheidungen erinnern."

Klar, Watschen bekamen die Kinder nicht, die am Freitag bei der Stadtführung im Rahmen des Ferienprogramms dabei waren. Eingeladen hatten der Arbeitskreis Heimatpflege sowie der Seniorenbeirat, der den Kindern eine kleine Brotzeit servierte.

Im Auftrag des Abtes

Ungewöhnlich, so Männer, war, dass es am 30. August 1731 zu einer zweiten Rathaus-Grundsteinlegung kam. Der erste Grundstein wurde von Bürgermeister Johann Summer gelegt, der zweite von Richter Kaspar Ott - im Auftrag des Abtes von Waldsassen. Damit sollte bekräftigt werden, dass das Kloster Waldsassen die Hoheit über den damaligen Markt Mitterteich hatte, erläuterte Werner Männer. Äußerst wichtig seien damals Kämmerer und Marktschreiber gewesen. "Der Kämmerer musste schon damals ständig Fehlbeträge verzeichnen und Marktschreiber den ganzen Schriftverkehr leiten, da viele der damaligen Bürgermeister nicht einmal ihren Namen schreiben konnten." Männer weiter: Daneben befanden sich noch der Türmer-, Schul- und Röhrenmeister im Angestelltenverhältnis der Gemeinde. Es gab zwei Nachtwächter, die nachts die Stunden auszurufen hatten. Tagsüber sorgten sie wie Polizisten für Ordnung.

Die Kinder erfuhren, dass es schon 1808 und 1809 im Rathaussaal Faschingsbälle gab. "Viele der Gäste blieben gleich zwei oder drei Tage im Ort und übernachteten hier." Bei einer dieser Veranstaltungen geschah Besonderes: "Graf Tadda hatte besonderes Vergnügen, mit seinem gut dressierten Reitpferd allerlei Kunststücke vorzuführen. Bei einem Rathausball geriet er mit jemandem so in Streit, dass er öffentlich erklärte, er werde nun mit seinem Pferde in den Saal kommen, um sich Genugtuung zu verschaffen. Er wollte mit dem Tier über die Rathaustreppe hinauf zum Saal. Doch das Pferd scheute, schlug auf der Treppe um und beide stürzten hinab. Auf dem weiteren Weg des Stadtrundgangs beleuchtete Werner Männer die Geschichte des Türmers und seine Aufgaben. "Der Türmer musste dreimal täglich auf seinem Instrument blasen und Wache halten. Der letzte Türmer in Mitterteich war Anton Zeitler. Er hatte acht Kinder und 32 Enkel. Der Türmer zog 1930 aus. Die nun frei gewordene Wohnung baute die Kirche zur Glockenstube aus."

Genüsslich erzählte Werner Männer die Geschichte vom "Turmmandl", vor dem vor allem die Ministranten Angst hatten, weil sie damals die Glocken noch mit der Hand läuteten. Nicht fehlen durfte die Sage von den fleißigen Hankerln. Heute erinnert der Hankerlbrunnen am Unteren Marktplatz an diese fleißigen kleinen Leute. Zum Abschluss besuchten die Kinder noch die Stadtpfarrkirche, wo die Orgel im Mittelpunkt der Führung statt. Dazu gehörte auch ein kleines Orgelkonzert.
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