Vortragsgespräch zwischen Wolfgang Brauneis und Jennifer Danler
Provinz verliert ihren Status der Abgeschiedenheit

Dass die sogenannte Provinz in Sachen Kunst durchaus auf Augenhöhe mit Städten bewegen kann, fanden Kunsthistoriker Wolfgang Brauneis und Jennifer Danler im Mitterteicher Vortragsgespräch. Bild: jr
Lokales
Mitterteich
12.08.2015
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"Das Ende der Provinz" hieß ein Vortragsgespräch zwischen dem 43-jährigen Kölner Kunsthistoriker Wolfgang Brauneis, einem gebürtigen Tirschenreuther und der 26-jährigen Mitterteicher Künstlerin Jennifer Danler. Dabei wurde betont, dass dies Provinz ihrer Status der Abgeschiedenheit verliert.

Nahtloser Übergang

Vielmehr gingen Stadt und Provinz mittlerweile nahtlos ineinander - auch Dank der Digitalisierung und besseren Zugangsmöglichkeiten zu Informationen. Beide zeigten sich überzeugt, dass diese neue Situation auch auf den Umgang mit der Bildenden Kunst zutrifft.

In der Krise

Im Gespräch betont wurde, dass sich die zeitgenössische Kunst derzeit in ihrer größten Krise seit 1945 befindet. Dies trotz einer seit Jahren zunehmenden und fast schwindelerregend steigenden Umsatzzahl im Kunstmarktbereich. Die Krisensituation wäre gleichzeitig Spiegelbild einer allgemeinen Umbruchsphase. Davon seien im Zuge der Digitalisierung, Globalisierung und neoliberaler Ökonomisierung sämtliche gesellschaftlichen Bereiche des 21. Jahrhunderts erfasst. "Dies gilt auch für das komplexe Verhältnis zwischen Provinz und Metropole, das sich mittlerweile grundlegend von dem des 20. Jahrhunderts unterscheidet", hieß es.

Beide Künstler zeigten sich überzeugt, dass die momentane Legitimationskrise des Kunstsystems Anlass bietet, sich mit den Gründen ihres gesellschaftlichen Bedeutungsverlustes, aber auch mit den Chancen, den dieser Umbruch mit sich bringt, zu beschäftigen. Im Zuge dieser Neuorientierung könne die Provinz, anders als im 20. Jahrhundert, aktiv in das Geschehen eingreifen. Die Voraussetzung für eine sinnstiftende, gesellschaftlich relevante und bereichernde Beschäftigung mit moderner und zeitgenössischer Kunst besteht darin, Bedürfnisse zu formulieren.

Gesellschaftlicher Raum

Es ist also denkbar, dass neue Räume und Möglichkeiten geschaffen werden, an denen durchaus auf Augenhöhe mit den Metropolen vermittelt und diskutiert werden kann. Letztlich gilt es einen Prozess in Gang zu bringen, der zu einer fruchtbaren Beschäftigung mit Bildender Kunst führen und damit gleichzeitig die Existenz eines mehr denn je auch in der Provinz wichtigen gesellschaftlichen Raum ermöglichen kann.
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