"Wir alle sind gefordert"

AWO-Kreisgeschäftsführerin Angelika Würner (Zweite von links) und Julia Zeitler von der Caritas gaben bei einem Infoabend Einblicke in die Themen Asyl, Flüchtlinge und Ehrenamt. Mit dabei waren auch ATS-Vorsitzender Andreas Dreßel (links) und 2. Bürgermeister Stefan Grillmeier. Bild: jr
Lokales
Mitterteich
09.07.2015
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Der Flüchtlingsstrom nach Europa reißt nicht ab, die Zahl der Neuankömmlinge wird auch in Mitterteich und Umgebung weiter steigen. Die Arbeiterwohlfahrt, die sich beherzt um die Menschen kümmert, bat jetzt um weitere Unterstützung durch ehrenamtliche Kräfte.

"Wir kommen allmählich an unsere Grenzen", betonte AWO-Kreisgeschäftsführerin Angelika Würner bei einem Informationsabend im ATS-Heim. Eingeladen dazu hatte sie gemeinsam mit Julia Zeitler von der Caritas.

"Wir vom ATS Mitterteich haben uns entschlossen, mit der Arbeiterwohlfahrt eine Partnerschaft einzugehen", sagte Vorsitzender Andreas Dreßel und verwies auf die Vermietung der Wohnung im Obergeschoss des Vereinsheims (wir berichteten). Die Räume seien auf Vordermann gebracht worden und seien bezugsfertig. Wann die ersten Flüchtlinge einziehen, stehe aber noch nicht fest.

Keine Berührungsängste

2. Bürgermeister Stefan Grillmeier dankte dem ATS für die Bereitstellung der Wohnung und hob hervor, dass Verbände und Vereine an einem Strang zögen, wenn es um benötigte Hilfen gehe. Auch die Stadt habe ein offenes Ohr, wenn Not am Mann sei. Ausdrücklich dankte Grillmeier auch den beiden Kindergärten der Stadt, wo Kinder von Flüchtlingen betreut werden. "Gerade bei den Kleinsten wird Integration gelebt, da gibt es keine Berührungsängste", berichtete der 2. Bürgermeister. Man könne sicher davon ausgehen, dass auch weiterhin Flüchtlinge in die Stadt kommen. "Da sind wir alle gefordert."

Julia Zeitler sprach ebenfalls von zunehmenden Herausforderungen. Alleine heuer würden bis zu 450 000 Flüchtlinge in Deutschland erwartet, der Großteil davon aus Syrien, Albanien und dem Kosovo. "Sie kommen zu uns, weil sie Schutz suchen."

Kurz gab sie Einblicke in den Ablauf eines Asylverfahrens. Nach der Meldung bei der Polizei und der Beantragung von Asyl kommen die Menschen in eine Erstaufnahmeeinrichtung. Dort erhalten sie nach der Registrierung eine Art Ausweis als Aufenthaltsgenehmigung. "Die Flüchtlinge müssen den Behörden darlegen, warum sie nach Deutschland kommen. Das ist oft nicht leicht, weil sie oft schier Unfassbares mitgemacht haben. Wir von der Caritas leisten da Hilfestellung", sagte Julia Zeitler. Ein Großteil der Menschen erhalte die "Flüchtlingseigenschaft", die maximal drei Jahre lang gilt.

Julia Zeitler informierte weiter, dass Asylbewerber krankenversichert sind und sich nach drei Monaten Aufenthalt im ganzen Bundesgebiet frei bewegen dürfen. Nach drei Monaten dürften sie unter Auflagen einer Beschäftigung nachgehen, wobei aber meist nur "prekäre Arbeitsverhältnisse" übrig blieben. Für Kinder besteht Kindergarten- und Schulpflicht, wobei das Jugendamt für die Kosten aufkommt. Junge Menschen bis 21 Jahre haben zudem die Möglichkeit, die Berufsschule zu besuchen. Laut Julia Zeitler sind im Landkreis derzeit rund 370 Flüchtlinge untergebracht, zudem noch 50 "Kontingentflüchtlinge" aus Syrien.

Wenige Habseligkeiten

"Flucht ist kein Verbrechen", stellte Angelika Würner gleich zu Beginn ihres Vortrags klar und warb um mehr Verständnis für die Menschen, die oftmals traumatisiert und völlig verängstigt in Deutschland ankämen. Meist hätten sie nur eine Plastiktüte mit wenigen Habseligkeiten dabei. Würner erinnerte an die Ankunft der ersten Flüchtlinge in Mitterteich im vergangenen Sommer. "Wir haben sie von Anfang an betreut. Heute sind richtige Freundschaften daraus entstanden." Kümmern werde sich die AWO auch um die Menschen, die ins ATS-Heim einziehen sollen. "Ein großes Dankeschön gilt dem ATS, ihr könnt euch zu 100 Prozent auf die Arbeiterwohlfahrt verlassen", versicherte Würner. Die AWO helfe den Menschen etwa beim Einkaufen, bei Behördengängen und bei der Gestaltung ihres "neuen Lebens". "Mama Angelika", wie die Kreisgeschäftsführerin von den Flüchtlingen liebevoll genannt werde, und ihr Team kümmerten sich nahezu um alles.

Gefordert seien bei der Betreuung der Flüchtlinge aber auch ehrenamtliche Kräfte, jede Art der Unterstützung sei willkommen. Angelika Würner ermunterte dazu, mit den Flüchtlingen etwas zu unternehmen. "Ich weiß, die Flüchtlinge suchen gerne Anschluss." Einige von ihnen dürften auch arbeiten und würden sich gerne in irgendeiner Form einbringen.

Bitte um Sachspenden

Abschließend bat Angelika Würner um Sachspenden. Benötigt würden Herrenbekleidung, Kinderwagen und Fahrräder. Sie schloss mit dem Ausspruch: "Die Würde des Menschen ist unantastbar und kennt keine nationalen und internationalen Grenzen."
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