Stadträte und Bauernverband befürchten zum Ostbayernring noch die Gleichstromtrasse - ...
Mitterteich wehrt sich gegen dreifache Belastung

"Die Belastung für die Landwirtschaft wird enorm sein." Zitat: Martin Härtl, stellvertretender Kreisobmann des Bauernverbands
Politik
Mitterteich
13.10.2016
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Von Konnersreuth her kommend bahnt sich die Wechselstromtrasse ihren Weg. Erst nach dem bereits beschlossenen Neubau des Ostbayernrings kann der Rückbau der bisherigen Leitung erfolgen. Nun soll auch noch die Gleichstromtrasse durch das Mitterteicher Gebiet führen. Bild: jr

Martin Härtl, stellvertretender Kreisobmann der Landwirte, brachte es auf den Punkt: "Wir bekommen eine Dreifachbelastung über viele Jahre hinweg, das sehe ich nicht ein. Wir müssen zunächst den Neubau des Ostbayernrings ertragen, anschließend den Rückbau der bisherigen Stromtrasse und dann den Neubau der Gleichstromtrasse. Das bedeutet über eine Bauzeit von fünf bis zehn Jahren massivste Beeinträchtigungen der Landwirte und der Bürger vor Ort."

Bei Bürgermeister Roland Grillmeier und der Mehrheit des Stadtrates traf Härtl durchaus auf Verständnis. Bei der Stadtratssitzung wurde klar: In Mitterteich formiert sich Widerstand. Der Bürgermeister will die Infoversammlung am 28. Oktober abwarten, bei der die Bürger ab 15 Uhr in der Aula der Grundschule ihre Bedenken anbringen können. Die gesammelten Einwände sollen dann gebündelt weitergegeben werden.

Die Region habe schon seit mehr als 40 Jahren den Ostbayernring zu ertragen, stellte Grillmeier dar: "Die Menschen haben sich an die großen Masten gewöhnt." Aber jetzt bekämen sie möglicherweise zusätzlich noch die Gleichstromtrasse aufs Auge gedrückt: "Die jetzt vorgestellten Trassen betreffen uns extrem." Eine Variante komme von Konnersreuth her und verlaufe über das Stadtgebiet. Zwar gebe es auch noch eine West-Variante an Weiden vorbei, aber ob die realisiert werde, bezweifelte Grillmeier. Dass die Trasse in einem Bogen an Fichtelgebirge und Steinwald vorbei führe, sei zwar positiv. Doch habe er bei der ersten Vorstellung der Trassen in Burg Falkenberg schon deutlich gemacht, "dass wir seit 40 Jahren von den Stromtrassen betroffen sind. Und jetzt bekommen wir auch noch die Gleichstromtrasse. Ich finde das nicht in Ordnung." Nach den jetzigen Plänen solle der neue Ostbayernring bis spätestens 2023 fertig sein, gleich danach folgten die Arbeiten für die Gleichstromtrasse. Das bedeute für viele Jahre eine Baustelle, die vor allem die Landwirte und Grundstücksbesitzer betreffe.

"Ist dies für unsere Leute zumutbar, wenn sie hier gleich dreifach betroffen sind? Wir sind mit dieser Trasse nicht einverstanden", forderte Grillmeier die Planer von Tennet auf, den Trassenverlauf ihrer Leitungen entlang der Autobahn zu überprüfen. Die Landwirte und Bürger sollten möglichst frühzeitig ihre Einwände geltend machen. Am stärksten vom Trassenverlauf betroffen seien Konnersreuth, Mitterteich, Wiesau und Falkenberg.

"Auf uns kommt ein heißes Jahr zu", vermutete Karl-Heinz Ernstberger (CSU). Tennet habe noch vor einem Jahr davon gesprochen, dass die Erdverkabelung in den Kinderschuhen stecke und jetzt sei plötzlich alles problemlos möglich. "Wir alle brauchen Strom und jeder will Strom", stellte er klar, kritisierte jedoch, dass die Politik bei der Energieversorgung in der Vergangenheit viele Fehler gemacht habe.

Martin Härtl bekam als Vertreter des Bauernverbands Rederecht im Stadtrat. Er sprach von Riesen-Baustellen, die Leitungen kämen bis zu zwei Meter in den Erdboden. "Die Belastung für die Landwirtschaft wird enorm sein." Bürgermeister Roland Grillmeier kritisierte die Politik, die sich über den Kompromiss mit der Erdverkabelung parteiübergreifend freue: "Denen ist es doch nebensächlich, was die Betroffenen denken."

Johann Brandl (SPD) sagte, dass große Fehler in der Energiepolitik gemacht worden seien. Fakt sei aber: "Der Strom muss von Norden nach Süden. Einer ist immer der Loser." Brandl sprach ebenfalls von einer Dreifachbelastung für die Bürger vor Ort. "Warum wird die Trasse nicht im Westen des Freistaates gebaut, haben die eine andere Lobby?", nannte der SPD-Stadtrat die Bundes- und Landespolitik in diesem Bereich beschämend. "Unser Problem ist, wir liegen auf der Route von A nach B in der Mitte", sagte der Bürgermeister. Bernhard Thoma (Freie Wähler) meinte: "Uns drücken sie alles aufs Auge. Wir haben den Ostbayernring bekommen und jetzt gibt's die Gleichstromtrasse noch obendrein." Als Problem machte Thoma aus, dass hier nur wenig Widerstand zu erwarten sei, "weil wir einfach zu dünn besiedelt sind". In Ballungszentren sei der Protest viel stärker. Die Mandatsträger der Region forderte er auf, endlich für die Menschen ihrer Heimat zu kämpfen: "Wir können nicht alles schlucken."

Auch Bürgermeister Roland Grillmeier forderte Politiker aller Couleur auf, sich gegen den Trassenverlauf in der Region zu stemmen. Die Pläne sind im Rathaus Mitterteich öffentlich einsehbar.

Die Belastung für die Landwirtschaft wird enorm sein.Martin Härtl, stellvertretender Kreisobmann des Bauernverbands


Der Strom muss von Norden nach Süden. Einer ist immer der Loser.Johann Brandl (SPD)
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