Aufstieg zur „Zoigl-Metropole“

Bürgermeister Roland Grillmeier dankte den Rednern Maria-Magdalena Stöckert und Dr. Manfred Knedlik (von links) mit kleinen Präsenten. Bild: jr
Vermischtes
Mitterteich
14.01.2016
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Der Freiheitsbrief von 1516 hat wie eine Art Konjunkturprogramm für Mitterteich gewirkt - so formulierte es Dr. Manfred Knedlik in seiner Festrede zum Jubiläumsjahr. Auch Kreisheimatpflegerin Maria-Magdalena Stöckert beleuchtete die enorme Entwicklung des Ortes.

Maria-Magdalena Stöckert erinnerte beim Neujahrsempfang der Stadt daran, dass Mitterteich eigentlich schon 1501 die Marktrechte verliehen wurden. Allerdings fehle die Originalurkunde. Die 1501 gewährten Privilegien hätten aber nicht den erhofften Nutzen gebracht, so dass die Verantwortlichen den Brief wieder zurückgaben.

15 Jahre später stellte Abt Andreas Metzel einen verbesserten und erweiterten Freiheitsbrief aus, der den Menschen mehr Freiheit, Selbstbestimmung und Würde gewährte. "Werte, die auch heute noch von großer Bedeutung sind", sagte Stöckert. "Insbesondere spielte die Verleihung des Brau- und Schankrechts eine große Rolle, auch weil das der Kommune finanzielle Vorteile brachte." So sei es bis heute geblieben. "Mitterteich hat sich zur wahren und originellen Metropole des Zoigls entwickelt", betonte Stöckert.

Älter als Waldsassen?


Dr. Manfred Knedlik machte deutlich, dass die Gewährung von Marktrechten ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte eines Ortes sei. Aus dem Dunkel der Geschichte war Mitterteich mit der ersten schriftlichen Erwähnung im Jahr 1185 gekommen. Der Sprecher zeigte sich überzeugt, dass Mitterteich als Ort wohl eine noch längere Entwicklung hinter sich habe, die vor der Klostergründung in Waldsassen begonnen haben dürfte.

Einer der Gründe für die Verleihung der Marktrechte war nach Ansicht Dr. Knedliks die Nähe zum damaligen Wegenetz. "Diese günstige Lage muss für den Territorialherrn attraktiv gewesen sein, nicht zuletzt wegen der Verbindung zum wichtigen Umschlagsplatz Eger." Vielleicht, so Dr. Knedlik weiter, hingen die Vorgänge um Mitterteich auch mit der weit früheren Verleihung der Marktrechte an Waldershof (1463) und Konnersreuth (1468) zusammen. "Es sollte wohl der Versuch sein, durch zielstrebige Förderung der untertänigen Orte politische Größe und Dominanz zu behaupten." Und so stellte der damalige Waldsassener Klostervorsteher, am 12. August 1516 einen neuen Freiheitsbrief aus. "Damit wurde Mitterteich zum zweiten Mal in seiner Geschichte mit Marktprivilegien begnadet." Nahezu 30 Rechte und Pflichte waren aufgeführt.

Braurecht und Richteramt


Herausragend war laut Dr. Knedlik das Brau- und Schankrecht, "dessen erfreuliche und wohltuende Folgen wir heute noch nach 500 Jahren in den Zoiglwirtschaften spüren und erleben dürfen". Durch den Freiheitsbrief sei eine Aufwärtsentwicklung in Gang gesetzt worden. Offenbar habe Abt Andreas genau dies beabsichtigt - ohne freilich seine eigenen Vorteile aus dem Blick zu verlieren. "Die 1516 verliehenen Marktfreiheiten bildeten unzweifelhaft eine wichtige Wegmarke in der wirtschaftlichen, institutionellen und demografischen Entwicklung des Ortes." Der Markt habe nun über regelmäßige Einnahmen verfügt, die dem "gemeinen Nutzen" dienen sollten. Zudem war Mitterteich nun Sitz des Richteramtes, das von Leonberg her nach Mitterteich verlagert wurde.

Bereits 1560 hatte sich nach Auskunft des landesherrlichen Verzeichnisses die Zahl der Bürger verdoppelt. Der humanistisch Gelehrte Martin Zeitler fasste dies damals so zusammen: "Mitterteich, so ein feiner Ort." Dr. Knedlik zeigte sich abschließend überzeugt, dass die Verleihung der erweiterten Marktprivilegien letztlich für beide Seiten eine "Win-Win-Situation" ergab, für eine im Freiheitsbrief beschworene "ersprießliche Zukunft".
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