Bauern wollen Verantwortung übernehmen
Viel zu viel Milch auf dem Markt

Fütterungsberater Günther Stark (links) hielt beim BDM-Kreisverband ein Referat. Teamleiter Matthias Zahn (Mitte) und Matthias Bayer bedankten sich mit einem Geschenk. Bild: hfz
Vermischtes
Mitterteich
01.03.2016
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Kleinsterz. Der Milchmarkt ist drastisch eingebrochen, der Tiefstand aber noch nicht erreicht. Darin sind sich die Mitglieder des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) einig. Auch darin, dass es höchste Zeit ist, gegenzusteuern und Verantwortung auf dem freien Markt zu übernehmen.

Bei der Mitgliederversammlung informierte Teamleiter Matthias Zahn über die Tätigkeiten des Kreisverbandes. Ein Höhepunkt war die Staffelfahrt der Milchbauern durch ganz Deutschland und die Demonstration in München. Dabei verbrachte Bundesvorsitzender Romuald Schaber auch einen Tag im Landkreis Tirschenreuth.

Jedes Jahr Steigerung


Der BDM habe in Sachen Milchmarktbeobachtung eine hohe Fachkompetenz erlangt, betonte Zahn. Die lange absehbare Entwicklung sei nun eingetroffen: "Schon 2014 stieg das Milchangebot mehr als die Nachfrage, was die internationalen Notierungen sinken ließ. Dies erholte sich nur kurzzeitig, als die Bauern die Menge noch einmal drosselten, um im März 2015 die drohende Superabgabe zu vermeiden." Da die EU der weltweit größte Milcherzeuger sei, hätten die Mehrmengen eine große Hebelwirkung auf den Weltmarkt. 2014 stieg die europäische Milchmenge um 4,5 Prozent oder 6 Millionen Tonnen, was 10 Prozent des gehandelten Volumens ausmache. 2015 sei die Menge nochmals um 2,4 Prozent gesteigert worden. "Da es weltweit keine neuen Absatzmärkte gibt, ist der Milchpreis drastisch eingebrochen. Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht."

Schlechteste Konstellation


Bei einer Gegenüberstellung von Erlös und Kosten ergebe sich die schlechteste Konstellation seit Jahrzehnten. Das vom BDM entwickelte Krisenmanagement zur Mengenreduzierung habe sich aufgrund des immensen Widerstandes von Ernährungsindustrie, Molkereien und Politik noch nicht durchgesetzt. Obwohl manche Verbände den Quotenausstieg gefeiert hätten, sei das Mengenproblem inzwischen überall erkannt. Eine norddeutsche Molkerei habe ihren Bauern schon eine Entschädigung für jeden nicht gelieferten Liter Milch bezahlt und damit 3 Prozent ihrer Jahresmilchmenge reduziert.

Molkereiquoten hätten aus Sicht des BDM viele Nachteile: keine übergreifende Marktwirkung, mehr Abhängigkeit von der Molkereiwirtschaft und einen noch schwierigeren Molkereiwechsel. "Sicher ist: Die Menge muss runter!", betonte Matthias Zahn. Milchviehhalter müssten sich entscheiden, ob sie das aktiv begleiten oder auf sich zukommen lassen, was andere machen. "Die Bauern müssen am freien Markt Verantwortung übernehmen, ansonsten ist nach der Krise vor der Krise."

Günther Stark, Fütterungsberater vom Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern (LKV), ging in seinem Vortrag auf die Möglichkeit der Kostenoptimierung ein. Er riet den Landwirten, ihre Zahlen kritisch zu hinterfragen, ob etwa die Nutzungsdauer der Kühe lange genug sei, um die teure Kalbinnenaufzucht wieder aufzufangen. Er gab Tipps zur Vermeidung von Kälberdurchfall und empfahl eine homöopatische Behandlung, weil es billiger sei und keine Wartezeiten bringe.

Christina Kunz berichtete von einem Vortrag von Andrea Dornisch über TTIP, zu dem auch der BDM eingeladen war. Dieses Freihandelsabkommen hätte sehr negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft in Europa, weil diese mit der USA-Landwirtschaft konkurrieren soll, die bekanntlich wesentlich geringere Standards habe. Durch sogenannte Schiedsgerichte könnten nationale Gesetze ausgehebelt werden. Der Einzug der Gentechnik sei dann kaum noch zu verhindern.
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