Bierseminar:Teilnehmer testen 23 Sorten am Stück
Süffige Erkenntnisse

Werner Männer, Sprecher des Arbeitskreises Heimatpflege (Mitte), hat das Bierseminar organisiert und auch gemeinsam mit den Museumsleiterinnen den Ausschank der Bierproben übernommen. Natürlich durften auch die drei Mitterteicher Zoigl nicht fehlen. Bild: ubb
Vermischtes
Mitterteich
18.05.2016
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Bierprobe unter Freunden: Diese drei jungen Männer haben die Kostprobe mit immerhin 23 Biersorten sichtlich genossen. Bilder: ubb (2)

Bier ist nicht gleich Bier: Das erlebten etwa jetzt 30 Teilnehmer eines etwas anderen Seminars. Biersommelier Dr. Johannes Tippmann ließ seine Gäste sage und schreibe 23 Sorten am Stück testen.

Keine Autos vor dem Eingang, obwohl hier eine große Veranstaltung zu 500 Jahre Braurecht Mitterteich und 500 Jahre Reinheitsgebot stattfinden soll? Manch einer dachte am Freitagabend zuerst, er sei am falschen Veranstaltungsort. Aber der merkwürdig leere Parkplatz vor dem Porzellanmuseum täuschte: Tatsächlich lauschten oben im Museumscafé knapp 30 Personen erwartungsvoll den Ausführungen des Biersommeliers Dr. Johannes Tippmann.

"500 Jahre Braurecht"


Der Arbeitskreis Heimatpflege hatte zum Jubiläum "500 Jahre Braurecht" zum Bierseminar eingeladen - vorsichtshalber mit dem kleinen Tipp, zu Fuß zur Veranstaltung zu kommen. "Wir wollen ja nicht, dass am Heimweg jemanden etwas passiert", meinte Werner Männer, Sprecher des Arbeitskreises, verschmitzt lachend.

Immer nur schluckweise


Trinkfest sollten die Gäste zudem sein. Immerhin wollte Dr. Tippmann 23 verschiedene Bierproben ausschenken. Die Teilnehmer stellten sich also auf gemütliche wie wissenswerte Stunden ein. Zum natürlich immer nur schluckweise servierten Bier gab es Mineralwasser und Knäckebrot, um die Geschmacksknospen auf der Zunge zu neutralisieren.

Der Biersommelier stellte an diesem Abend nicht nur Bierproben vor, sondern auch sein Wissen über den süffigen Gestensaft zur Verfügung. So lernten die Anwesenden, dass die großen Brauereien nicht mehr in bayerischer Hand, sondern zum Großteil im Besitz von Aktionären in Amerika, Asien, Japan oder den Arabischen Emiraten sind. Sehr interessant war die Bier-Geschichte: Die Teilnehmer wissen jetzt, dass unsere Vorfahren Bier schon zum Frühstück nicht deshalb getrunken haben, weil sie alle Alkoholiker waren. "Damals war das Trinkwasser meist verseucht. Hopfen und Alkohol machte das Bier weitgehend keimfrei", erklärte Dr. Tippmann.

Zu diesem Zeitpunkt war bei Bierprobe Nummer 5 an der Reihe. Oder war es Nummer 6? Auf alle Fälle schenkten Werner Männer und die Museumsleiterin nun Mitterteicher Zoigl aus. Die Gäste waren gespannt. Wie wird das Urteil von Dr. Johannes Tippmann ausfallen? Letzterer ließ sich Zeit, kostete genüsslich und fachkennerisch die drei Zoigl, bis er ihnen gute Noten verlieh. "Wir gehen danach noch zum Zoigl", behaupteten spontan drei junge Männer dazu.

Ab Probe Nummer 6 etwa wurden die Gäste, unter ihnen auch Bürgermeister Roland Grillmeier, zu Profis. Alkoholfreies Bier? "Das schmeckt wie Sauerkraut", meinte ein junger Mann und machte dazu ein recht säuerliches Gesicht. Dennoch: "Alkoholfreie Biere sind der Trend schlechthin", erklärte Tippmann. Naja, ok, für die Autofahrer muss es wohl sein. Aber dann schon lieber zu Fuß zum Bierseminar, ohne Alkohol schmeckt's nun einmal fad und langweilig.

Im theoretischen Teil war man nun bei den technischen Errungenschaften dank des Bieres angekommen. Auch für Nicht-Biertrinker interessant: Ohne das Bier gäbe es keinen Kühlschrank und keine Kühltruhen. Schon im 18. Jahrhundert fand man heraus, dass gekühlte Getränke länger halten. Und sogar die Dampfmaschine und das Mikroskop sollen auf mittelalterliche Bierforschung zurückgehen. Pils, Alt, Weizen, Lagerbier: Das sind Biersorten, davon gibt es weltweit 95. Dazu es gibt alleine in Deutschland 5000 Bier-Stilrichtungen. Ob man sie alle kennen muss, bleibt dahingestellt. Bei Probe Nummer 11 gegen 21 Uhr legten die Veranstalter eine "Brotzeit-Auszeit" ein.

Eintritt bestens angelegt


Zu diesem Zeitpunkt wussten die Seminarteilnehmer unter anderem bereits, dass es auch Rauchbier gibt, was ein Stout ist, dass die Wasserhärte enorm Einfluss hat auf den Geschmack des Bieres, dass das Pilsner Urquell nach Butter schmeckt und Bier-Forschungszentren enorm wichtig sind, auch für den Fortbestand des Reinheitsgebotes. Und sie wussten, dass die 32 Euro Eintritt fürs Seminar bestens angelegt waren. (Info-Kasten)

Dr. Johannes TippmannWarum Bier studiert werden kann und weshalb es Forschungszentren für das Lebenselixier gibt, war schnell geklärt: Dr. Johannes Tippmann, gebürtiger Waldsassener, wollte nach der Schule in die Lebensmittelbranche. Er studierte in der Forschungsbrauerei Weihenstephan Brauwesen und promovierte danach als Diplom-Ingenieur. Inzwischen ist der 39-Jährige Leiter der Forschungsbrauerei, wo weltweit Biere erforscht, aber auch neue Sorten ausprobiert werden. (ubb)
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