Dicke Luft im unteren Dorf

Listen mit 81 Unterschriften übergaben Ulla Haberkorn (links) und Bernhard Thoma (rechts) an Bürgermeister Roland Grillmeier. Gesammelt hatten sie die Initiatoren in Steinmühle und im unteren Dorfbereich von Pleußen.
Vermischtes
Mitterteich
22.02.2016
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Noch vor der Übergabe der Unterschriftenlisten hatte Bäckermeister Herbert Männl einen seiner drei im vergangenen Jahr installierten Holzbacköfen mit einer neu entwickelten Vorrichtung nachrüsten lassen, wie sich auf NT-Nachfrage herausstellte. Beim Anheizvorgang wird nun mit einer Art Düse (Mitte) zusätzlich Luft eingeblasen, wodurch das Holz viel schneller anbrennt und deutlich weniger Rauch entsteht. Bilder: lnz (2)

Vielen Anwohnern in Pleußen und Steinmühle stinkt's: Ihren Protest gegen allmorgendlichen Ofenrauch der Bäckerei Männl machten sie jetzt in Form von Unterschriften deutlich. Wie sich herausstellte, hatte Bäckermeister Herbert Männl aber bereits vor der Übergabe der Listen technisch nachbessern lassen.

Drei neue Holzbacköfen hat das Unternehmen im vergangenen Jahr am Produktionsstandort in Steinmühle in Betrieb genommen, um weiter expandieren zu können (siehe Kasten). Doch seitdem herrschte häufig dicke Luft im Dorf - im wahrsten Sinne des Wortes. Je nach Wetterlage zog während der Anheizphase dichter Rauch in Richtung Wohnbebauung und setzte sich dort fest. In der Öffentlichkeit tauchte das Thema erstmalig in der Januar-Sitzung des Stadtrates auf (wir berichteten). Damals erklärte Bürgermeister Roland Grillmeier, dass sich nach zahlreichen Beschwerden das Landratsamt mit der Sache beschäftige.

Rauch in der Wohnung


Weil sich nach mehrmaligem Kontakt mit der Stadt und dem Landratsamt über Monate hinweg nichts geändert habe, wie Stadtrat Bernhard Thoma und Ulla Haberkorn betonten, hätten sie gemeinsam mit Stadträtin Sonja Gleißner eine Unterschriftenaktion gestartet. Die Listen mit 81 Unterzeichnern - vorwiegend wohnhaft im unteren Dorf in Pleußen - überreichten sie am vergangenen Freitag an Bürgermeister Roland Grillmeier. Im Begleitschreiben beklagen die Initiatoren eine "enorme Rauchentwicklung (...) zwischen 6.45 und 7.30 Uhr". "Das heißt, dass die Anwohner je nach Windrichtung (...) keine Fenster öffnen können, ohne danach den Rauch in den Wohnräumen zu haben." Weil der Qualm bei Südwestwind und feuchter Witterung auch auf die Trasse der Bundesstraße gedrückt werde, seien ebenfalls die an den dortigen Bushaltestellen wartenden Schüler betroffen. "Selbst Autofahrer haben schon abrupt die Geschwindigkeit gedrosselt, da sie der Meinung waren, eine Nebelwand vor sich zu haben." Besorgte Passanten hätten sogar schon einmal die Feuerwehr alarmiert.

Das Schreiben schließt mit der Bitte an den Bürgermeister, nochmals auf eine Prüfung der Anlagen und des verwendeten Brennmaterials zu drängen. Bei Nichteinhaltung von Richtlinien sollten entsprechende Schritte eingeleitet werden. Ergänzend zu den schriftlichen Ausführungen erklärten die Initiatoren ausdrücklich, dass sich die Aktion aber keinesfalls gegen die Bäckerei an sich oder deren Inhaber richte. "Wir sind ja froh, dass wir den Betrieb vor Ort haben", betonte Bernhard Thoma. Den direkten Kontakt zu Herbert Männl habe man bisher aber nicht gesucht, wie Thoma auf NT-Nachfrage einräumte. Erklärt wurde dazu, dass Beschwerden nicht von vielen Seiten an verschiedene Empfänger gehen sollten, sondern zentral an den Bürgermeister. Dieser sicherte zu, die Listen an das Landratsamt weiterzuleiten und verwies auf mehrere Gespräche mit der Behörde und Herbert Männl. Vor zwei Wochen sei ihm mitgeteilt worden, dass die Lösungssuche noch andauere.

Keine zeitliche Vorgabe


Oswald Gärtner, am Landratsamt zuständig für den Immissionsschutz, berichtete auf Anfrage unter anderem von einem Ortstermin mit dem Bäckerei-Inhaber, der Ofenbaufirma und einem Kaminkehrer im vergangenen Herbst. Ohne zeitliche Vorgabe habe man daraufhin dem Betrieb die Möglichkeit eingeräumt, nachzubessern, so dass die Belastung der Anwohner auf ein "zumutbares Maß" zurückgefahren wird. "Wir beraten demnächst darüber, ob wir eine Frist setzen", teilte Gärtner weiter mit. Allerdings gab er zu bedenken, dass Holzbacköfen erst seit einigen Jahren wieder häufiger genutzt würden und es aktuell keine Grenzwerte für den Betrieb im Umfeld von Wohngebieten gebe. "Da ist der Gesetzgeber gefordert." Was zumutbar sei und was nicht, werde anhand der Gesamtsituation vor Ort beurteilt.

Auf NT-Nachfrage erklärte Bäckermeister Herbert Männl, dass bereits am Donnerstag vergangener Woche an einem Ofen eine neue Vorrichtung zur Reduzierung der Rauchentwicklung installiert worden sei. "Zusammen mit dem Ofenbauer haben wir eine innovative Lösung entwickelt", versicherte Männl. Bei Tests habe man die Rauchentwicklung extrem senken können. So werde beim Anheizvorgang zusätzlich Luft in den Ofen geblasen. "Dadurch steht mehr Sauerstoff zur Verfügung und das Holz brennt deutlich schneller an." Sollte sich die Neuerung bewähren, würden bald auch die beiden anderen Öfen nachgerüstet. Männl stellte aber klar, dass die Anlagen auch ohne diese Zusatzausrüstung alle gesetzlichen Anforderungen erfüllten und entsprechend genehmigt worden seien. Zwei anonyme Anzeigen seien deshalb von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden.

Offen für Dialog


Bedauerlich findet Herbert Männl, dass sich bisher kein Anwohner persönlich bei ihm gemeldet habe, um eine Beschwerde vorzubringen. "Wir bitten die Nachbarn, uns direkt anzusprechen. Gerne würden wir klären, wie die Situation empfunden wird und was wir zur Verbesserung tun können." Man sei offen für einen Dialog und die Suche nach Lösungen, "... damit ein gutes Miteinander von Betrieb und Wohnstätten möglich ist". Nicht unerwähnt lassen möchte Männl mehrere Sachbeschädigungen auf dem Betriebsgelände. "Es wurden in den vergangenen Monaten Reifen zerstochen und eine Flüssigkeit in einen Tank geschüttet, so dass es zu einem Motorschaden kam." Ob ein Zusammenhang mit der Rauch-Thematik besteht, ist offen - Herbert Männl hält das aber für sehr gut möglich.

Brot aus dem HolzbackofenUm in "veränderten Märkten" wettbewerbsfähig bleiben zu können, habe "Männl's Naturkostbackstube" in den vergangenen Jahren weiter investiert, wie Herbert Männl erklärt. "Wir haben den Betrieb noch konsequenter auf die Produktion von Bio-Backware ausgerichtet. Zusätzlich backen wir unser Brot verstärkt nach alter Tradition im Holzbackofen." Diese Herstellungsart liefere trotz aller technischen Fortschritte noch immer die besten Ergebnisse. "Aus diesem Grund haben wir die Zahl unserer Holzbacköfen erhöht." Die Bio-Brote würden weit über die Region hinaus verkauft, im vergangenen Jahr habe das Unternehmen 27 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. (lnz)
Wir bitten die Nachbarn, uns direkt anzusprechen.Bäckermeister Herbert Männl
Wir sind ja froh, dass wir den Betrieb vor Ort haben.Bernhard Thoma
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