Gemeinsam gegen Hürden

In Kallmünz informierten Doris Scharnagl-Lindinger, Bürgermeister Roland Grillmeier und Hildegard Betzl (Zweite, Dritter und Vierte von rechts) über den Umgang mit dem Thema Barrierefreiheit in Mitterteich. Mit im Bild Willi Hogger (rechts), stellvertretender Landrat des Landkreises Regensburg, der Kallmünzer Bürgermeister Ulrich Brey (links) und im Hintergrund die Gruppe "Werkstatt Express" der Lebenshilfe Regensburg. Bild: hfz
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Mitterteich
12.10.2016
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"Die barrierefreie Gemeinde - das geht uns alle an." So lautete das Motto einer Infoveranstaltung zum Weltseniorentag in Kallmünz. Dabei erfuhren zahlreiche Bürgermeister und Seniorenbeauftragte aus dem Landkreis Regensburg, wie die Stadt Mitterteich dieses Thema angepackt hat.

/Kallmünz. Aus Mitterteich waren Bürgermeister Roland Grillmeier, die örtliche Behindertenbeauftragte Hildegard Betzl und die stellvertretende Kreisbehindertenbeauftragte Doris Scharnagl-Lindinger angereist. Auf besonderes Interesse stießen vor allem die praktischen Erfahrungen, die man in Mitterteich in den vergangenen fünf Jahren im Zusammenhang mit Inklusion und Barrierefreiheit gewinnen konnte.

"Soziale Stadt"


Bürgermeister Roland Grillmeier informierte, dass man sich des Themas Barrierefreiheit vor allem deshalb so intensiv angenommen habe, weil sich Mitterteich mit verschiedenen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung zu einer "sozialen Stadt" entwickelt habe. Die ortsansässige Lebenshilfe habe 2011 das Pilotprojekt "Inklusion in der Verwaltungsgemeinschaft Mitterteich" auf den Weg gebracht. Dabei sei in Arbeitsgruppen mit Betroffenen untersucht worden, wie man Menschen mit Behinderung mehr Teilhabe ermöglichen kann. Schließlich sei die Stadt vor drei Jahren zu einer Musterkommune in Sachen Barrierefreiheit erklärt worden. Mit Architekten und Betroffenen seien Maßnahmen und Zielpläne erarbeitet worden. Ein Ziel sei es, bis 2023 rund 30 Maßnahmen umzusetzen.

Als eines der ersten Pilotprojekte sei der Umbau des Unteren Marktplatzes in Angriff genommen worden. Durch verbesserte Laufflächen und Zugänge seien Geschäfte, darunter eine Apotheke, und Gastronomiebetriebe nun barrierefrei erreichbar. Zudem seien Fußgängerüberwege verbessert und zusätzliche Behindertenparkplätze geschaffen worden. Bürgermeister Grillmeier machte angesichts vieler Erfahrungen deutlich: "Auf dem Weg zur Barrierefreiheit, die man nie vollständig erreichen wird, sind Dialog und Kompromisse notwendig."

Auf Betroffene zugehen


Behindertenbeauftragte Hildegard Betzl bestätigte, dass bei diesem Thema der Dialog und ständige Überzeugungsarbeit notwendig seien. So habe man wiederholt Nichtbehinderten angeboten, einmal mit Rollstühlen den Marktplatz zu befahren. "Erst dadurch können oft Hürden erkannt werden." Auch habe man Fragebögen verteilt, so dass die Bürger Barrieren nennen und ihre Meinung zum Thema äußern konnten. "Trauen Sie sich, auf die Betroffenen zuzugehen und reden Sie mit ihnen", ermunterte Betzl die Zuhörer. Nur so könne man bestmögliche Lösungen finden. Erwartet würden zumeist nicht 100-prozentige Lösungen, sondern hilfreiche Verbesserungen.

In Mitterteich sei man zufrieden mit dem bisher Erreichten, aber man sei auch weiterhin in verschiedenen Gruppen tätig, um Hürden aufzuspüren und abzubauen. "Es ist gelungen, viele Menschen auf diesem Weg mitzunehmen, aber leider gibt es immer noch Leute, die Veränderungen nicht als erforderlich ansehen", betonte Hildegard Betzl. Man müsse immer wieder herausstellen: "Eine barrierefreie Umwelt ist für circa 10 Prozent der Menschen zwingend erforderlich, für 30 bis 40 Prozent notwendig und für 100 Prozent komfortabel." Im Anschluss stellten die Mitterteicher noch das Folgeprojekt "Netzwerk Inklusion im Landkreis Tirschenreuth" vor. So sei es gelungen, dass in fast jeder Kommune ein Behindertenbeauftragter ernannt wurde. Diese kommen regelmäßig zusammen, um unter der Projektleitung der Lebenshilfe Themen der Inklusion weiterzuentwickeln.

Praktische Fragen zur Barrierefreiheit beantwortete im Anschluss die stellvertretende Kreisbehindertenbeauftragte Doris Scharnagl-Lindinger. So wurde etwa die Frage gestellt, wie man zusätzlich zum kommunalen Engagement auch Private gewinnen kann, an Maßnahmen zum Erreichen von Barrierefreiheit mitzuwirken. Dies gelinge vor allem durch Einbindung und Überzeugung, so Doris Scharnagl-Lindinger. Nicht zuletzt wies sie darauf hin, dass die Kreisbehindertenbeauftragten bei öffentlichen Vorhaben zwingend gehört und eingebunden werden.
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