Glaubensseminar der Pfarreien Mitterteich und Steinmühle
Karges Leben voller Stille

Der frühere Dekan BGR Siegfried Wölfel (links) klärte die Zuhörer im Mitterteicher Josefsheim über das verborgene Leben der Kartäuser auf. Bild: jr
Vermischtes
Mitterteich
08.03.2016
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Sie leben einsam, verschwiegen und verzichten auf jeglichen Komfort: Wie der mittelalterlich geprägte Alltag der Kartäuser-Ordensleute aussieht, erfuhren jetzt zahlreiche Besucher eines Vortrags im Josefsheim.

Den zweiten Teil des Glaubensseminars der Pfarreien Mitterteich und Steinmühle gestaltete BGR Siegfried Wölfel, ehemals Pfarrer in Bärnau und Waldsassen. Er berichtete über den strengsten Orden der katholischen Kirche, dessen einzige Niederlassung in Deutschland in Marienau (Baden-Württemberg) zu finden ist. Wölfel, der jahrelang engen Kontakt zu dem in Ödwaldhausen geborenen Pater Marianus Schedl hatte, ist gerngesehener Gast in Marienau. So konnte er neben einem Film auch mit vielen persönlichen Erlebnissen aufwarten.

Der Orden der Kartäuser geht zurück auf den Heiligen Bruno von Köln, der von etwa 1027 bis 1101 gelebt hat. Weltweit gibt es noch rund 450 Mitglieder in 19 Mönchs- und 5 Frauenklöstern. So unbekannt das Leben der Kartäuser in der Öffentlichkeit ist, so bekannt ist ein Erzeugnis, mit dem der Orden seine Klöster finanziert: Der Likör "Chartreuse" wird in Frankreich nach einem Spezialrezept der Kartäuser hergestellt und weltweit verkauft.

Abschied von Außenwelt


Die einzelnen Klöster sind selbstständig und versorgen sich zum Großteil durch ihre eigene Arbeit. "Kartäuser leben sehr abgeschieden. Sie haben ihr Leben der Einsamkeit und dem Gebet verschrieben", erklärte Siegfried Wölfel. Nach einer siebenjährigen Probezeit, die manchmal auch verlängert wird, entscheidet sich der Kandidat für ein strenges und arbeitsreiches Leben. "Mit dem Eintritt ins Kloster nimmt er Abschied von der Außenwelt." Allein Arztbesuche führten einen Kartäuser nach draußen. Fernsehen, Radio oder Zeitungen gebe es dort nicht, einzig der Prior unterrichte seine Mitbrüder über aktuelles Geschehen in Staat und Kirche.

"Stille ist es auch, die den Tagesablauf in der Kartause prägt", so Wölfel. Der Tagesablauf eines Mönchs beginne bereits vor Mitternacht mit einem ersten Gebet in seiner karg ausgestatteten Zelle. Ein kleines Stück Garten gehöre ebenso dazu wie eine hohe Mauer, die den Kontakt untereinander fast unmöglich mache. Die Priestermönche widmeten ihr Leben zum Großteil dem Gebet, während die Brudermönche für die Arbeit zuständig seien. "Es gibt alle Berufe, die für das Leben im Kloster gebraucht werden. Vom Schuster über Buchbinder und Bäcker bis hin zu den Beschäftigten des Krankenbereichs ist an alle Situationen gedacht."

Persönliche Gespräche außerhalb der drei gemeinsamen Gottesdienste seien verboten. Die Liturgie der Kartäuser falle ebenso karg aus wie alles andere. Es gebe keine Instrumente, der Choral sei die einzige musikalische Bereicherung. Auch die Kirchen seien schlicht eingerichtet, um die Kartäuser nicht von Gott abzulenken.

Großes Opfer


"Fast alle Mahlzeiten werden allein in der eigenen Zelle eingenommen. Einzig an Hochfesten wie Weihnachten oder Ostern und an Sonntagen trifft man sich zum gemeinsamen Essen, welches auch in Stille eingenommen wird", berichtete Wölfel weiter. Fleisch sei gänzlich verboten, an Feiertagen werde Fisch serviert. In der ein halbes Jahr dauernden Fastenzeit gebe es nur einmal täglich Nahrung. "Für die schwer arbeitenden Brudermönche ist das ein sehr großes Opfer. Und doch sieht man nur ruhige, zufriedene, lächelnde Gesichter", so Wölfel. "Durch die Hand Gottes schafft man alles," habe ein Kartäuserbruder auf die Frage geantwortet, wie man das alles aushält.

Familienbesuche seien pro Jahr nur an zwei Tagen erlaubt, wobei Frauen den eigentlichen Kartäuserbereich nicht betreten dürften. Wie streng dieses Verbot genommen werde, zeigte Wölfel an einem Beispiel auf: "Nach dem Zusammenbruch eines Kartäusers stellte sich der herbeigerufene Notarzt als Ärztin heraus. So wurde der erkrankte Bruder kurzerhand vor den abgeschlossenen Bereich getragen und dort versorgt."

Einmal in der Woche stehe ein gemeinsamer Spaziergang auf dem Programm, bei dem geredet werden dürfe. "Wobei anzumerken ist, dass sich alle Kartäuser achtungsvoll nur mit ,Sie' anreden. Selbst wenn sie Jahrzehnte gemeinsam in dem Kloster gelebt haben", berichtete Wölfel. "Und selbst das Sterben zeigt, wie treu die Kartäuser zu ihrem Armutsgelübde stehen. Der Verstorbene wird nur in seine Kutte gehüllt und ohne Sarg in ein namenloses Grab gelegt." Ein leeres Holzkreuz zeige das Grab an. Wenn es nach einigen Jahren verwittert sei, wisse niemand mehr, wer wo begraben wurde. Der Kartäuser-Leitspruch "Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht" könne allen Gläubigen eine Hilfe sein, sich auf das Wichtige im Leben zu konzentrieren", schloss Wölfel.
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