Hobby Landwirtschaft
Runterkommen auf dem Bulldog

Hinter dem Forster Agrarservice stehen (von links) Christian Forster, Christian Bäuml, Christina Forster (Ehefrau von Christian), Peter Siller, Marion Forster (Ehefrau von Sebastian Forster), Stefan Siller und Sebastian Forster. Außerdem gehört noch Martin Göhl zur Mannschaft. Bilder: Grüner (3)
Vermischtes
Mitterteich
05.11.2016
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Wenn Christian Forster vom stressigen Berufsalltag ausspannen will, findet er die notwendige Erholung auf schwerem landwirtschaftlichen Gerät.

Manche sammeln Briefmarken. Manche surfen auf dem Wasser oder im Internet. Wieder andere züchten Reptilien. Christian und Sebastian Forster haben auch ein spezielles Hobby: Sie fahren Trecker.

Die Brüder besetzen im "richtigen Leben" Geschäftsführer-Posten bei Metallbau Forster in Mitterteich (Christian) und im Kartonagenwerk in Liebenstein (Sebastian), sind quasi Manager im feinen Zwirn und im Dauerstress. Aber mindestens einmal in der Woche sind sie nicht wiederzuerkennen. Dann schlüpfen sie in klassische Arbeitsklamotten, werfen schwere landwirtschaftliche Maschinen an und kompensieren das angestaute Adrenalin beim Ernteeinsatz auf den Feldern.

Nicht nur Jux und Tollerei


Letztere gehören ihnen nicht selbst, wohl aber die Maschinen. Wie es sich für zwei Unternehmer ziemt, machen sie das alles nicht nur aus Jux und Tollerei. "Wenn unter dem Strich nichts raus käme, würde es nicht halb soviel Spaß machen", gesteht Christian, der für eine Hälfte des Forster Agrarservice steht, welcher seit 2013 in der Liste der landwirtschaftlichen Lohnunternehmer rangiert. "Wir stammen ja prinzipiell aus der Landwirtschaft", erklärt Christian. Vater Wilhelm Forster verabschiedete sich 1970 davon und verdiente von da an seinen Lebensunterhalt nicht mehr als Bauer, sondern als Unternehmer in der Metallbranche. Christian stieg mit ein und leitet heute erfolgreich den Betrieb, der seit kurzem nicht nur in Mitterteich, sondern auch im Vogtland produziert.

Aber irgendwie schien den Brüdern zumindest das Bulldogfahren, wie sie es bereits im Kindesalter gelernt haben, zu fehlen. Da spielte Christian schon mal mit dem Gedanken, einen Schlepper und einen Silierwagen zu kaufen und als Lohnunternehmer aufzutreten. Aus Zeitgründen wurde der Gedanke aber wieder verworfen.

Mit der Einstellung des erfahrenen Maschinenführers Peter Siller aus Grün bei Konnersreuth als Lkw-Fahrer bei Metallbau Forster wendete sich das Blatt aber ganz schnell. Der Routinier war vorher schon für Lohnunternehmen gefahren und auch für den Forst mit Harvestern im Wald unterwegs gewesen. "Wir wollten unsere Erstausstattung bei einem renommierten Hersteller direkt kaufen. Der konnte nicht liefern, also sahen wir uns bei der Raiffeisen in Tirschenreuth um. Die hatte, was wir suchten. Wir fackelten nicht lange." Das war 2013 in der Osterzeit.

Flächen angepasst


Seither haben die Forsters rund 750 000 Euro in ihr "Hobby" investiert. 2014 kamen zum landwirtschaftlichen Fuhrpark eine Quaderballenpresse für Stroh und Gras und im Herbst 2015 ein Häcksler dazu. Größenmäßig sind die Maschinen den regionalen Flächen angepasst. Trotzdem sind das Dimensionen, bei denen ein Lkw-Führerschein angebracht ist. Von Mai bis etwa Ende Oktober geht die Ernte-Saison im Stiftland über die Bühne. Neben den beiden Forster-Brüdern und Peter Siller stehen noch drei weitere Fahrer aus der Firma Forster in Mitterteich zur Verfügung.

Der technische Leiter Stefan Siller, der Maschinenführer Martin Göhl und der Programmierer Christian Bäuml freuen sich, wenn sie fahren dürfen. "Ja, wir liefern unseren Mitarbeitern auch noch den entsprechenden Ausgleich zur Arbeit im Betrieb", scherzt Christian Forster. "Als damals der Bulldog angeliefert wurde, haben ihn alle mit leuchtenden Augen angeschaut", erinnert sich Firmenchefin Christina Forster.

Forster Agrarservice arbeitet eng mit dem Maschinenring zusammen, hat aber auch eigene Kunden. Christian Forster wäre ein schlechter Unternehmer, hätte er nicht schon längst wieder Visionen. Etwa, dass er eines Tages vielleicht die Komplett-Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Betrieben anbieten könnte.

Fütterservice und Gülle


"Das steckt bei uns noch in den Kinderschuhen." Aber er weiß von Gegenden, in denen das durchaus Usus ist. "Wer 500 Kühe hat, der geht nicht mehr selbst aufs Feld." Teilweise arbeitet Forster Agrarservice auch in Tschechien, wo hiesige Bauern Flächen angepachtet haben. Auch ein Fütterservice ist in der Überlegung. "Das Futter wird vor Ort gemischt und mit dem Mischwagen im Stall verteilt. Im Idealfall haben wir das vorher siliert. Und Christian Forster kann sich sogar noch mehr vorstellen: "Gülle wäre auch noch so ein Thema."

Wer 500 Kühe hat, der geht nicht mehr selbst aufs Feld.Christian Forster
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