Jürgen Schmieder stellt sein neues Buch vor
Gastspiel beim anderen Geschlecht

Jürgen Schmieder stellte im Mehrgenerationenhaus in Mitterteich sein neues Buch "Der Frauenversteher" vor. Bild: hfz
Vermischtes
Mitterteich
05.10.2016
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In der Regel wirken Heimspiele auf den Gastgeber motivierend und verleihen sprichwörtlich Flügel. Nicht so bei Jürgen Schmieder, dem Buchautor und Amerika-Korrespondenten der Süddeutschen Zeitung. Der gebürtige Tirschenreuther hat bei der Vorstellung seines neuesten Werks "Der Frauenversteher" in Mitterteich gehörig Respekt vor der Reaktion des heimischen Publikums.

Schmieder saß beim Bayerischen Rundfunk und beim Sat 1-Frühstücksfernsehen auf der Couch und stellte seinen neuesten Selbstversuch vor. Beim WDR in Köln und beim NDR in Hamburg lauschten sie ebenfalls seinen Ausführungen. "Doch nirgends ist eine Lesung so gefährlich wie in der Heimat. Deswegen bin ich auch tierisch nervös", gestand der ehemalige Fußballer des FC Tirschenreuth, SV Neusorg und der SpVgg Weiden im NT-Gespräch. Zu Lesungen in Großstädten kämen die Zuhörer, weil sie sein Werk gut fänden. "In der Heimat dagegen kann es schon mal vorkommen, dass einer sagt: 'Ich will einfach mal sehen, wie fett der Schmieder geworden ist' oder 'Den konnte ich damals auf dem Fußballplatz schon nicht leiden, dem geig' ich heute mal die Meinung'." Zudem verdeutlichten Schmieder diese Auftritte stets, wieso er lieber hinter dem Bildschirm arbeitet. "Ich bin nicht unbedingt schüchtern, stehe aber nie gerne im Rampenlicht."

Zugeständnisse


Die Idee zu seinem neuen Werk "Der Frauenversteher" entstammte nicht Schmieders Ideen-Werkstätte. Da er in seinen vorangegangenen Büchern "Du sollst nicht lügen", "Mit einem Bein im Knast" sowie "Ich will in den Himmel oder als glückliche Kuh wiedergeboren werden" sehr private Einblicke gewährte, musste er seiner Frau Zugeständnisse machen. "Es gefiel nicht allen Familienangehörigen, wie sie in einzelnen Kapiteln thematisiert wurden. Daher bestand meine Gattin darauf, das Thema meines nächsten Selbstversuches wählen zu dürfen." Und das hieß: "Lebe und fühle wie eine Frau". Ein feminines Expertenteam sammelte Aufgaben, die er abzuarbeiten hatte. Am Wehensimulator fühlte er die Schmerzen einer Geburt nach. In einer berühmten Cougar-Bar in Los Angeles musste er sich der Avancen reicher, sexlüsterner Frauen erwehren. "Die geben dir einen Drink aus und gehen dann automatisch davon aus, dass du die ganze Nacht ihnen gehörst." Seiner Ablehnung "Nein danke, ich bin verheiratet" entgegneten die Frauen nur: "Na und? Ich auch." Schmieder könne jetzt sehr genau nachempfinden, wie unangenehm und bedrängend es als Frau ist, von Männern angemacht zu werden, "die relativ plump nur das Eine wollen".

Zu einem einschneidenden Erlebnis verkam die Vorgabe der Expertenkommission, das Gefühl der Menstruation nachzuempfinden. Dazu begab sich der Autor in die beratenden Hände einer Frauenärztin. "Ich musste einen Monat lang jeden Tag eine Flasche Rotwein und mehrere Espressi trinken." Zusätzlich zum einsetzenden "Entzug" musste Schmieder dann einen Liter Milch trinken, obwohl er selbige nicht verträgt, und bekam im Unterleib Stromstöße versetzt. "Ich war unleidig, niemand durfte mich ansprechen, geschweige denn anfassen, mir war übel und ich hatte krampfartige Schmerzen - musste aber dennoch zur Arbeit. Wenig verwunderlich, dass das geplante Interview mit US-Schauspielerin Hillary Swank ins Wasser fiel." Der unleidliche SZ-Korrespondent wurde nach wenigen Minuten rausgeschmissen.

Ich musste einen Monat lang jeden Tag eine Flasche Rotwein und mehrere Espressi trinken.Jürgen Schmieder

Einsatz bei den AH


Jürgen Schmieder sagte, er sei trotz dieses intensiven Studiums des anderen Geschlechts weit davon entfernt, Frauen zu verstehen. "Es ist eher ein Lernprozess. Machte ich vorher 100 Fehler im Umgang mit Frauen, sind es jetzt vielleicht noch 90." Kein Fehler war dagegen die Wahl des Lesungsortes. Da Mitterteich und Tirschenreuth seit jeher eine gesunde Rivalität verbindet, stand die Frage im Raum, warum der gebürtige Tirschenreuther ausgerechnet in Mitterteich gastiert. "Tatjana Schumacher vom Mehrgenerationenhaus hatte einfach angefragt, aus Tirschenreuth niemand. Ganz einfach."

Früher, als er noch Fußball spielte, sei das andersrum gewesen. "Der SV Mitterteich hat nie bei mir angefragt. Das nehme ich euch heute noch etwas übel." Aber nicht einmal darauf erwiderte das dankbare Publikum kritische Töne. Und so kündigte Schmieder erleichtert sein nächstes Heimspiel an: "Zu einem Heimatbesuch gehört ein Einsatz beim FC Tirschenreuth - diesmal bei den Alten Herren." Und vor diesem Heimspiel war Schmieder weit weniger nervös als vor seinem Auftritt als "Frauenversteher".
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