Klagen im Land der 1000 Biber

Fischzüchter Thomas Beer (links) schilderte Helmut Brunner (rechts) viele Probleme, mit denen er und seine Berufskollegen zu kämpfen haben. Den Minister begleiteten unter anderem Landwirtschaftsdirektor Wolfgang Wenisch (Mitte), Landtagsabgeordneter Tobias Reiß, ALE-Chef Thomas Gollwitzer und Forstdirektor Gerhard Schneider (hinten von links). Bild: jr
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Mitterteich
07.07.2016
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Eine Zusage, konkrete Probleme zu lösen, kam beim Ministerbesuch erwartungsgemäß nicht heraus. Aber Helmut Brunner nahm sich Zeit, die Sorgen der Teichwirte anzuhören.

Kleinsterz. "Die Ottern sind zu 100 Prozent geschützt und lassen sich kaum greifen. Die Biberpopulation im Landkreis hat sich in den vergangenen Jahren auf bis zu 1000 Tiere verdoppelt. Wir müssen jetzt unbedingt eingreifen, bevor unsere ganze Teichlandschaft vor die Hunde geht", sagte Fischzuchtmeister Thomas Beer, als Bayerns Landwirtschaftsminister seinen Betrieb besuchte. Brunner erfuhr unter anderem, dass eine Einzäunung der eigenen 15 Hektar Teichanlagen allein 100 000 Euro Material kosten würde (wir berichteten).

Der Minister wurde auf dem Hof der Familie gebührend empfangen. Bürgermeister Roland Grillmeier überreichte dem Gast aus Niederbayern einen Korb voller regionaler Spezialitäten. Für das Landwirtschaftsamt Tirschenreuth hieß Wolfgang Wenisch die Gäste im Gewölbe der Fischwirtschaft Beer willkommen: "Sie sind in eines der schönsten Fischerdörfer Bayerns gekommen."

Zu den Gästen zählten Regierungspräsident Axel Bartelt, Forstbetriebsleiter Gerhard Schneider, Baudirektor Thomas Gollwitzer vom Amt für Ländliche Entwicklung, BBV-Obmann Ely Eibisch, BBV-Geschäftsführer Ulrich Härtl und Hans Klupp, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Fisch.

Mit dem Minister ging es dann gleich hinaus zu den Teichanlagen in der Nähe von Kleinsterz. Dort erfuhren die Besucher von Fischwirtschaftsmeister Thomas Beer, dass er rund 20 Hektar Teichfläche zu bewirtschaften hat. Beer betonte, dass er seine Fische selber züchtet. Karpfen und Zander sind seine Besatzfische. Beim Rundgang fiel dem Minister gleich auf: "Aber Schutzmaßnahmen für ihre Teiche haben Sie keine." Beer bestätigte dies und verwies auf die hohen Kosten. Er plane aber eine Umzäunung und denke auch an eine Überspannung seiner Teiche zum Schutz vor Kormoranen nach. "Flächendeckend verbreitet ist der Otter, der mehr und mehr zu einer Gefahr für die Fischbauern wird."

Große Probleme bereiteten Biber und Kormorane, die aus den Waldnaabauen kämen. Thomas Beer, der auch ausgebildeter Jäger ist, betonte, dass er jährlich bis zu fünf Biber schießt. Auch stelle er Biberfallen auf, die aber immer wieder von Unbekannten zerstört würden. "Einmal hat sich sogar eine Wildsau in einer Falle verirrt, die hat die Falle aber total auseinandergenommen", schilderte der Fischzüchter. Schwierig seien Entschädigungsforderungen bei Ottern, weil man diese Tiere kaum zu Gesicht bekomme.

Thomas Beer stellte dem Minister seinen Betrieb näher vor, den er seit 1998 leitet. "Bei uns gibt es immer was zu tun", zeigte er stolz auf die großen Teiche. Helmut Brunner wusste, dass die natürlichen Feinde der heimischen Fische eine große Herausforderung für die Fischzüchter sind. "Ich bin der Meinung, wenn eine zu 100 Prozent geschützte Tierart zu einem Problem für unsere Teichwirtschaft wird, muss über andere Maßnahmen nachgedacht werden. Es kann nicht sein, dass Ottern Existenzen von Fischbauern bedrohen", sagte der Politiker.

Beer forderte ein flächendeckendes Abschießen von Bibern. Jährlich, entstünden an seinen Teichen Schäden zwischen 10 000 und 20 000 Euro. Die Population nehme ständig zu: "Ein Biber bekommt zwei Mal im Jahr Junge, ein Fischotter sogar drei Mal im Jahr." Außerdem sei diese Marderart nachtaktiv, intelligent und sehr schnell. Beer forderte, dass es zumindest erlaubt sein müsse, Fischottern professionell zu fangen.

Zurück auf dem Hof zeigte Thomas Beer dem Gast seine Ferienwohnungen, eine weitere Einnahmequelle. Regierungspräsident Axel Bartelt überlegte dabei laut, hier einmal Urlaub zu machen: "In Oberbayern zahlen Sie leicht das Doppelte." Im Tourismus sah er durchaus Potenzial für die Region. Bei Brotzeiten, Kaffee und Kuchen gratulierte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner der Familie Beer zu ihrem Unternehmen. In Kleinsterz habe er wieder einmal bayerische Landwirtschaft gepaart mit viel Kreativität erlebt.

Wenn eine zu 100 Prozent geschützte Tierart zu einem Problem für unsere Teichwirtschaft wird, muss über andere Maßnahmen nachgedacht werden.Landwirtschaftsminister Helmut Brunner
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hans meier aus Plößberg | 07.07.2016 | 22:44  
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