Ludwig Doß drechselt einzigartige Holzkunstwerke
Faszinierende Einzigartigkeit

In der Kellerwerkstatt, wo die Skulpturen, Objekte und Gebrauchsgegenstände entstehen, ist wenig Platz, Ludwig Doß hat das halbe Haus "belagert". Selbst draußen im Garten ist sofort zu sehen, hier lebt ein Handwerker. "Das geht natürlich nur, weil meine Frau voll hinter mir steht. Sie würde am liebsten nichts von meinen Sachen weggeben", schmunzelt der Drechsler. Marianne Doß begleitet ihren Mann auf die Märkte, wo Ludwig Doß seine Objekte präsentiert. Bild:ubb
Vermischtes
Mitterteich
06.10.2016
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"Kannst das brauchen?" Immer wieder stehen Bekannte und Freunde mit einem groben Stück Holz vor der Tür von Ludwig Doß. Der Drechsler nimmt diese Angebote gerne an.

Was in seiner Werkstatt als unscheinbarer Holzklotz verschwindet, kommt eines Tages als feiner, veredelter Gebrauchsgegenstand wieder hervor. Ludwig Doß genießt sein Rentnerdasein. Und er nutzt seine freie Zeit, um in der Natur Schätze der Heimat wie Pilze und Preiselbeeren zu sammeln. Der 70-jährige Mitterteicher hat dabei auch einen besonderen Blick für die im Waldboden versteckten Wunder der Natur. "Mir fallen verwitterte Wurzeln auf, die oft von Wildschweinen ausgegraben wurden." Hat Ludwig Doß ein derartiges Wurzelwerk entdeckt, wird seine Fantasie aktiviert. Seine kreative Gedankenwelt setzt das vor ihm liegende "Werkstück" sofort um in eine außergewöhnliche Vase, eine edle Schale oder eine kunstvoll bearbeitete Wohnzimmerlampe.

Der Blick fürs Besondere im Holz und seine Leidenschaft, kreative Dinge zu entwerfen, hat aus Ludwig Doß einen Drechsler der Extraklasse gemacht. Dabei hatte der Mitterteicher mit Kunsthandwerk nichts am sprichwörtlichen "Hut". "Ich habe einmal einem Drechsler über die Schultern geschaut und das hat mir gefallen. Aber das war vor 50 Jahren und damals habe ich nicht im Traum daran gedacht, dass das ein Hobby für mich wäre." Dann jedoch mochte Doß, der im Kfz-Handwerk tätig war und Metallarbeit gelernt hat, das kalte Material "Eisen" eines Tages nicht mehr. Er fand seine Liebe zum warmen Holz. Dessen Einzigartigkeit faszinierte ihn immer mehr. Doß baute eine Drechselbank, besorgte Werkzeuge, suchte geeignete Holzobjekte - und verliebte sich: In heimische Obstgehölze, die unterschiedlicher nicht sein können. "Schauen Sie", sagt Doß und zeigt auf eine Schale aus Weichsel-Holz. "Hier sind in der Maserung rötliche Einschüsse. Jedes Obstgehölz verbirgt in seinem Kern auch die Farbe seiner Frucht." "Meine ersten Werkstücke waren noch sehr klobig." Inzwischen ist Doß Meister seines Faches. Eine Holzscheibe bietet sich als Schale an, ein skurriler Holzstamm wird mit zur kunstvoll-modernen Lampe. Dennoch kann sich Doß über jedes neue Holz, über dessen Lebendigkeit und Wärme stets aufs Neue freuen. Dabei stört ihn ein Astloch oder ein Riss keineswegs. Selbstbewusst arbeitet er um diese "Makel" der Natur herum oder stellt sie in seiner Kreativität sogar heraus. Eine Eigenheit, die geschätzt wird und Anhänger findet.

Jedes Obstgehölz verbirgt in seinem Kern auch die Farbe seiner Frucht.Ludwig Doß
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