Mitterteich feiert 500 Jahre Markt- und Freiheitsrecht
„Rockzipfl“, Party und Bier-Hoheiten

Bier-Hoheiten unter sich: die Weißbier-Resis von einst und heute, Carolin Heinzl, Larissa Lindner und Claudia Schrembs mit Sohn Paul sowie Zoigl-Prinzessin Lena Müller und Zoigl-Königin Sophia Windschiegl (von links). (Foto: jr)
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Mitterteich
24.07.2016
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Bürgermeister Roland Grillmeier (links) erhält die Marktrechte von Abt Andreas (Manfred Brunner) (Foto: jr)

Da hat wohl Wetterfrosch Andy Neumaier ein bisschen die Hand im Spiel gehabt. Beim großen Fest in seiner Heimatstadt bleibt Mitterteich weitgehend vom Regen verschont. Das nennt man wohl Glück der Tüchtigen.

Herrliches Sommerwetter bescherte am Samstagabend einen lauen Abend und viele Hundert Besucher. Ebenso am Sonntagvormittag, als bei schwülen Temperaturen drei historische Darstellungen auf die Bühne gezaubert wurden. Mit Unterstützung des Waldsassener Gerwigkreises wurden Szenen von 1501 bis 1516 nachgespielt. Umrahmt wurde die beeindruckende Feier vom Spielmannszug der Feuerwehr Erbendorf.

Eröffnet wurde das Marktplatzfest im neuen Ambiente am neu sanierten Unteren Marktplatz. Bürgermeister Roland Grillmeier brauchte schon ein paar Schläge, ehe das erste 20-liter-Holzfass des Jubiläumsbieres der Brauerei Hösl, die 110-jähriges Bestehen feiert, angezapft war. Grillmeier freute sich, dass der Untere Marktplatz seine Feuertaufe als Festmeile der Stadt erlebt.

Anschließend ging es mit der Partyband "Die Rockzipfl" in die Vollen. Nach zögerlichem Beginn, wie halt nun mal die Stiftländer sind, steigerte sich die Stimmung. Und bald kam geradezu Ballermannstimmung auf. Vor der Bühne tanzten und feierten die Menschen bis weit nach Mitternacht. Kulinarisch und im Getränkebereich blieben kaum Wünsche offen.

Festlich begann der Sonntagvormittag. Zunächst begrüßten die Böllerschützen die Gäste, ehe sich der kleine Festzug vom Ortsrand aus in Richtung Historisches Rathaus in Gang setzte. Mit einem Pferdegespann wurde die Waldsassener Delegation mit Abt Andreas (Manfred Brunner) und seinem Konvent (Robert Treml und Hans Zölch) in die gute Stube der Stadt gebracht. Josef Reindl, früherer Rektor der Mitterteicher Hauptschule, führte in gewohnter sicherer Manier durch das halbstündige Spiel.

"Dich", so hieß Mitterteich im Jahr 1185, als der damalige Papst Lucius III. dem Kloster Waldsassen ein großes Gebiet mit vielen Orten im Umkreis die Grundherrschaft mit einer Urkunde bestätigte. Darunter war auch der Weiler "Dich", das heutige Mitterteich. Gezeigt wurde, wie sich drei Bürger aus Mitterteich über den Freibrief und die Stadtgerechtigkeit im Jahr 1501 unterhielten. Damals wurde den Mitterteichern ein eigenes Stadtgebiet zugewiesen, der Bürgermeister erhielt sogar ein eigenes Stadtsiegel.

Die zweite Szene spielte im Jahr 1512. Dargestellt wurde, dass die Stadt ans Kloster viele Abgaben zu leisten hatte, während die Stadtkasse immer leerer wurde. "Wir schaffen diese Abgaben kaum mehr", hieß es. "Was bringt uns diese Stadtgerechtigkeit, nichts. Dann verzichten wir eben auf unsere Rechte und Freiheiten." Ziel war es, "einen neuen, viel besseren Freiheitsbrief zu bekommen. Nun kam die dritte Szene mit dem damaligen Abt Andreas, der mit seinem "Convente" den Mitterteichern am 12. August 1516 einen neuen Freiheitsbrief mit wertvolleren Privilegien gewährte.

Sprecher Josef Reindl machte darauf aufmerksam, dass die Mitterteicher aufgrund dieser neuen Vereinbarung Rechte und Pflichten erhielten, wie sie die übrigen Gemeinden erst 350 Jahre später zuteil wurden. "Die Verleihung des Freiheitsbriefes ist das wichtigste historische Element für die Entwicklung der heutigen Stadt Mitterteich. Nicht zuletzt deshalb haben die Mitterteicher allen Grund zu feiern." Nach dem Spiel ging es zum Festgottesdienst in die Stadtpfarrkirche, wo Stadtpfarrer Anton Witt den Gottesdienst zelebrierte. Musikalisch sorgte der Kirchenchor, Leitung Matthias Schraml, für Glanzpunkte.
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