Neue Serie: Integration
Feuer und Flamme für Feuerwehr

Voll bei der Sache (von links): Mohammed Radwan, Jugendwart Johannes Schmid, Mahmud Radwan und Kevin Sperl. Bei der ersten Übung nach den Sommerferien ging es um einen standardmäßigen Löschaufbau, bei dem Schaummittel für diverse Brandbekämpfungen zum Einsatz kamen. Bilder: Grüner (4)
Vermischtes
Mitterteich
30.09.2016
213
0
 
Mohammed und Mahmud Radwan (von links) sind zwei aufgeweckte Jungs aus Damaskus. Der Krieg in Syrien zwang die Familie zur Flucht. Heimat haben sie in Mitterteich gefunden. Die Brüder sind begeistert von der Feuerwehr und nehmen jede Woche an der Übung der Jugendgruppe teil.

"Wir wollen hier nicht sterben", drängte die Mutter von Mahmud und Mohammed Radwan zur Flucht aus Damaskus. Übers Wasser und zu Lande kam die Familie nach Deutschland. Die Brüder gehen gern zur Schule, spielen Fußball und Tennis - und sie sind begeisterte Feuerwehrler.

Eher eine Nussschale denn ein seetüchtiges Boot sei das gewesen, erinnert sich der 14-jährige Mohammed an die gefährliche Überfahrt von Ägypten nach Italien. Mit 250 Leuten sei das Boot vollgepfercht gewesen. "Aber wir haben es geschafft", strahlt der sympathische junge Mann, wenn er von der Flucht erzählt, die über Ägypten, Italien, Liechtenstein, Österreich, Rosenheim und München nach Fuchsmühl führte. Das war vor gut drei Jahren.

Komplette Verwandtschaft


Nicht nur die fünfköpfige Familie war an Bord des Schiffes, sondern die komplette Verwandtschaft, bestehend aus Onkeln und Tanten mit ihren Familien. Alle kamen heil an und leben heute in der Oberpfalz, in Passau, München, Hamburg und den Niederlanden. "Und wir haben alle Kontakt untereinander", erzählt Mohammed, der bei der Flucht elf Jahre alt war. Ihm gefällt seine neue Heimat Mitterteich. Aber wenn der Krieg in Syrien zu Ende wäre, würde er gerne wieder zurück nach Hause gehen. Den Norden seiner Heimatstadt hat er zum Zeitpunkt der Flucht so in Erinnerung, "wie Bilder in Schulbüchern das zerbombte Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg zeigen." Der Süden, in dem die Familie ihr Zuhause hatte, sei zu dem Zeitpunkt noch ganz normal gewesen. Aber der Krieg kam von Tag zu Tag näher und so drängte die Mutter den Vater zu fliehen. Bevor die Familie nach Mitterteich kam, lebte sie in München.

Die Brüder spielen Fußball, Tennis und haben eine ganz besondere Vorliebe für die Feuerwehr. Dort sind sie in der Jugendgruppe integriert und eifrig dabei, wenn Jugendleiter Johannes Schmid und sein Stellvertreter Andreas Kraus zur wöchentlichen Übung rufen. Vor allem das Herz des zwölfjährigen Bruders schlägt für die Arbeit der freiwilligen Helfer in allen Notsituationen. Er schwärmt: "Ich liebe die Feuerwehr." Ihm gefällt es hier sehr gut. Er hat viele Freunde, sowohl syrische als auch deutsche. Der Siebtklässler kam indirekt über die Schule zur Feuerwehr Mitterteich. Im Unterricht erwähnte er einmal, dass er ein richtiger Feuerwehr-Fan sei. Sein Freund Kevin Sperl ist schon länger dabei und sagte, "dann kannst du am Montag gleich mit zur Übung kommen".

Keine Vorurteile


Es dauerte nicht lange, bis Mahmud und sein älterer Bruder, den er gleich mitbrachte, in der Jugendgruppe aufgenommen wurden. Die Vereinsvorsitzenden Christian Grillmeier und Thomas Stöckl sowie Kommandant Franz Bauernfeind freuen sich darüber, dass es dabei nie eine Diskussion oder gar Vorurteile gegeben habe, weder bei den Jugendlichen noch bei den Erwachsenen. Der Verein zählt aktuell 270 Mitglieder, 72 Aktive und 22 Jugendliche.

Mahmuds Mama erzählt, dass sich der junge Mann schon immer eher auf den Schulweg gemacht habe, nur um durch die Scheiben die Feuerwehrautos im Gerätehaus zu betrachten. Einmal in der Woche treffen sich die Jugendlichen zur Übung, die etwa eineinhalb Stunden dauert. Zu der kam der größere Bruder diesmal etwa zehn Minuten zu spät. Das Fußballtraining bei der Jugendfördergemeinschaft FC Stiftland hatte etwas länger gedauert und so konnte ihn der Trainer erst nach Übungsbeginn bei der Feuerwehr abgeben. Mohammed ist der einzige Fußballer in der Familie. Aber er und die beiden Brüder sind auch echte Tennis-Cracks.

Als ihn der Jugendwart einmal auf Oberpfälzisch erklärte, was alles zur Uniform gehört, sagte Mohammed: "Wenn du Deutsch sprichst, geht das besser." Beide Brüder bedanken sich bei der Feuerwehr, dass sie hier aufgenommen worden sind und mitmachen dürfen. Auch Izidin, der jüngste Bruder, hat schon Interesse bekundet, ist aber erst neun Jahre alt und muss noch drei Jahre warten.

Hühnchen statt Leberkäse


Mahmud hat bereits die Jugendflamme der Stufe I erfolgreich abgelegt und den Wissenstest in Bronze bestanden. Letzteres gilt auch für seinen großen Bruder. Franz Bauernfeind ist begeistert: "Die beiden lernen schnell, vor allem auch die Sprache." Das Einzige, was sie unterscheide, sei, dass sie als Moslems aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch essen. "Dann gibt es halt statt Leberkäse für Mahmud und Mohammed Hühnchen", erklärt der Kommandant. Wir haben auch einen Vegetarier dabei, den wir ebenfalls entsprechend versorgen Das ist kein Problem."

Wenn du Deutsch sprichst, geht das besser.Mohammed zum Jugendwart


Ich liebe die Feuerwehr.Mahmud Radwan
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.