Offen, vielfältig und lebendig

Die Grafik zeigt die Südseite der künftigen Mitterteicher Grundschule, wie sie von der Kollohstraße aus zu sehen sein wird. Den sanierten Osttrakt (rechts) ergänzt ein zweigeschossiger Neubau, wobei der Caritas-Kinderhort im Erdgeschoss des Westflügels untergebracht wird. Der Altbau aus den 50er-Jahren wird abgerissen und ist hier nicht mehr abgebildet - er befände sich links neben dem Gebäude-Ende. Grafik: Juretzka Architekten
Vermischtes
Mitterteich
08.03.2016
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Im Lehrerzimmer stellte der Planungsausschuss mit Vertretern der Kommunen, der Schule und der Caritas das Projekt vor. Die Architekten Armin Juretzka und Bert Reiszky (Zweiter und Dritter von links) gingen dabei detailliert auf das Gebäudekonzept ein. Bild: lnz
 
Auf dieser Grundriss-Grafik ist deutlich zu sehen, welche Bereiche der Grundschule saniert, neu gebaut und abgebrochen werden. Grafik: Juretzka Architekten

Von der konventionellen "Flurschule" zu offenen Lernlandschaften: Die Stadt Mitterteich und ihre Projektpartner stellten am Montag die lange erwarteten Pläne für Sanierung und Umbau der Grundschule vor. Entstehen soll bis 2019 ein Gebäude, das Unterricht nach modernsten Gesichtspunkten ermöglicht.

"Es sind zwei Bauprojekte in einem", betonte Bürgermeister Roland Grillmeier zu Beginn der Präsentation und wies darauf hin, dass der Caritas-Kinderhort in das Schulgebäude integriert wird. "Es war ein langer Weg der Abstimmung mit Jugendamt, Regierung und der Gemeinde Leonberg", kommentierte Grillmeier die rund zweijährige Planungsphase.

Ziel sei es gewesen, das Maximum an Fördermitteln abzuschöpfen. Anfangs habe man nur den Hort neu bauen und die Schule Stück für Stück sanieren wollen. Allerdings sei die Schülerzahl seit den 90er-Jahren von rund 450 auf jetzt 220 gesunken, weshalb es für einen großen Teil der vorhandenen Fläche keine Fördermittel gäbe. Eine reine Sanierung wäre deshalb teurer gekommen.

Bert Reiszky aus Deggendorf, der zusammen mit Armin Juretzka aus Weiden eine Architektengemeinschaft bildet, stellte die Kernpunkte vor. Der Altbau aus den 50er-Jahren wird verschwinden, während der neuere Osttrakt eine Komplettsanierung erfährt. "Wir wollen eine Schule der kurzen Wege schaffen", erklärte Reiszky. Deshalb entsteht der zweigeschossige Neubau im Winkel zwischen den bestehenden Gebäudeteilen und dem Verbindungstrakt. Der Kinderhort wird im Erdgeschoss auf der Westseite untergebracht.

Flexible Nutzung


Hort und Schule bekommen ein gemeinsames Zentrum, können aber voneinander abgeschlossen werden. Nach dem täglichen Schulbetrieb stehe der Aulabereich vollständig für die Hortkinder zur Verfügung. Im Erdgeschoss der Schule findet sich künftig ein offen angelegter Werk- und Kreativbereich zur flexiblen Nutzung. Der Innenhof wird in einen "Werkhof" umfunktioniert. Im Obergeschoss gibt es künftig keine klassisch abgetrennten Klassenzimmer mehr, sondern mehrere Einheiten mit jeweils drei Räumen, gruppiert um eine Art "Marktplatz". Der Unterricht in diesen "Lernhäusern" könne je nach Bedarf in größeren oder kleinen Gruppen stattfinden, abgetrennt oder offen. "Dadurch sind die Flure auch keine Fluchtbereiche mehr", klärte Bert Reiszky auf. Die "Lerneinheiten" werden um Feuertreppen ergänzt, zum künftig abgeschlossenen Haupttreppenhaus kommt ein weiteres hinzu. So sind jeweils in allen Bereichen zwei Fluchtwege verfügbar.

Die Garderobe wandert in den Verbindungsgang des Obergeschosses. Reiszky sprach angesichts der dort auch geplanten Sitzgelegenheiten und der Verglasung von einer "Schülerlounge". "Alles wird vielfältiger, offener und lebendiger." Dies solle auch anhand der Fassade zum Ausdruck kommen. Auffallend sind durchgehend höhenversetzte Fenster, die den Schülern ermöglichen sollen, auch in Sitzposition beim Blick nach draußen mehr zu sehen als nur den Himmel. Der Wechsel der Perspektive solle sich förderlich für die Konzentration auswirken. Umgekehrt ist von außen zu erkennen, dass in der Schule Betrieb herrscht.

Ins Auge stechen ebenfalls kleine Quadrate unterhalb der Fenster. Sie sind Teil eines ausgeklügelten Lüftungssystems. Im Sommer könne über Nacht kühle Luft unten ein- und oben wieder ausströmen, wobei Gitternetze das Eindringen von Mücken oder anderen Tieren verhindern. "Weiß ist eine frische Farbe", sagte Bert Reiszky über den geplanten Außenanstrich. Der Bronzeton der Lüftungsgitter solle für die Wertigkeit der Schule stehen.

Vollständig barrierefrei


Armin Juretzka wies auf den bewusst gewählten hohen energetischen Standard für Neubau und Sanierung hin, der sich fördertechnisch positiv auswirke. Dem Anspruch auf Inklusion werde mit einem zentralen Lift Rechnung getragen. "Alle Bereiche sind künftig barrierefrei erreichbar", versprach Juretzka.

Die optimale Tageslichtnutzung habe nicht nur bei der Gestaltung des Gebäudes eine Rolle gespielt, sondern auch beim Entwurf der Außenanlagen. So werde berücksichtigt, wie die Sonne auf den Schulgarten beim Ostflügel und den Hort-Garten beim Westflügel einstrahlt. Große Bäume werden die Lücke des zum Abriss bestimmten Altbaus schließen, für Abwechslung auf dem Schulhof sollen einige Geräte wie ein Klettergerüst sorgen. "Bewegung ist wichtig fürs Lernen", betonte Bert Reiszky. Von Lehrern und Schüler gepflegte Kleingärten könnten das Angebot im Außenbereich abrunden.

"Durchdachtes Konzept"Hochzufrieden mit dem Sanierungs- und Umbaukonzept zeigte sich die stellvertretende Schulleiterin Gabriele Stock . "Lernlandschaften hatten wir uns gewünscht." So könne der neue Lehrplan optimal umgesetzt werden. "Wir freuen uns, dass alle ein offenes Ohr hatten", sagte Stock über die Beteiligten und erinnerte an viele gemeinsame Beratungen. Als Resultat bekomme man eine "Vorzeigeschule", wie es sie im Umkreis noch nicht gebe. Gelassen sieht sie der Bauphase entgegen, die unter anderem ein Umziehen in den Altbau vorsieht. Caritas-Geschäftsführer Jürgen Kundrat machte deutlich, dass der Kinderhort nun 28 Jahre alt sei. "Das wäre ein Sanierungsfall - zudem wäre eine Erweiterung nicht möglich." Schnell habe man die Vorteile einer Kooperation mit der Stadt erkannt. Zwischen dem Arbeiten in den künftigen Lernlandschaften in der Schule und dem Hortbetrieb gebe es viele Gemeinsamkeiten. Durch die räumliche Nähe könnten Synergieeffekte genutzt werden. Leonbergs Bürgermeister Johann Burger sprach von einem "durchdachten Konzept", für das man sich zurecht Zeit gelassen habe. "Wir wollen für die Zukunft unserer Kinder das Beste schaffen." Besondere Dankesworte richtete er an Bürgermeister Roland Grillmeier und die Architekten. (lnz)


Kosten und ZeitplanNach einer aktuellen Schätzung des Architekten-Duos belaufen sich die Gesamtkosten für das Projekt auf 7,6 Millionen Euro, wobei allein 6,3 Millionen Euro auf die Schule entfallen. In Aussicht gestellt wurde laut Bürgermeister Roland Grillmeier ein Fördersatz von rund 70 Prozent, wobei jedoch einige Maßnahmen wie der Altbau-Abbruch nicht förderfähig sind. Berechnungen haben ergeben, dass der kommunale Eigenanteil bei etwa 2,5 Millionen Euro liegen dürfte. Der Anteil der Gemeinde Leonberg an dieser Summe richtet sich nach dem Anteil der Schüler, der in etwa 15 Prozent ausmacht. Verteilt werden sollen die Ausgaben jeweils auf zwei Haushaltsjahre, wobei die Stadt und die Gemeinde auf weitere Unterstützung in Form von Stabilisierungshilfen hoffen. "Wir werden noch etwas runterkommen", bemerkte Architekt Bert Reiszky mit Blick auf eine noch geplante Einsparrunde und versichert: "Luxus ist jetzt schon keiner drin."

Der Baustart ist für Anfang 2017 anvisiert, der Abschluss des Projekts mit mehreren Abschnitten ist für Ende 2018 bzw. spätestens Anfang 2019 vorgesehen. (lnz)
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