Prozess muss weitergehen

Als vorbildlich bezeichnet der Inklusionsbeirat der Verwaltungsgemeinschaft Mitterteich den einzigen barrierefreien Bahnhof in der Region: In Pechbrunn sind alle Bahnsteige barrierefrei zugänglich, der Zugeinstieg ist stufenlos. Selbst die Hinweise zu den Bahnsteigen sind mit Angabe der Steigung zum Ertasten in Brailleschrift angebracht. Die Vorteile der Rampen nutzen Reisende mit Kinderwagen, Rollatoren, Einkaufstrolleys, Fahrrädern oder Rollkoffern. Bild: hfz
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Mitterteich
16.11.2016
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Wie inklusiv sind wir schon? Fünf Jahre nach seiner Gründung zog der Inklusionsbeirat der VG Mitterteich eine Zwischenbilanz. Die Verantwortlichen betonen, dass zwar schon viel erreicht worden sei, die Arbeit aber weitergehen müsse.

In der 15. Sitzung des Beirates war das zentrale Thema die gemeinsame Bestandsaufnahme zum Fortschritt der Inklusion. Die Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft, die Behindertenbeauftragten sowie Vertreter sozialer Einrichtungen, Schulen und Kirchen hatten über ein halbes Jahr hinweg Eindrücke gesammelt. So wurde untersucht, wie inklusiv die Haltung der untersuchten Institutionen ist, das heißt wie offen und beteiligend. Außerdem wurde die bauliche und die sprachliche Barrierefreiheit bewertet.

Bürgernahe Sprache


Auf kommunaler Ebene habe vieles nicht zuletzt durch öffentliche Fördermittel verwirklicht werden können - etwa der Marktplatz-Umbau in Mitterteich und die Sanierung des Pfarr- und Jugendheims in Leonberg. Der Einsatz verständlicher und bürgernaher Sprache sei ein wachsendes Thema. Ein großes Inklusions-Bewusstsein gebe es bei den Kirchen. Besonders hervorzuheben sei neben verschiedenen inklusiven Angeboten das Bemühen um eine gute Verständlichkeit der Predigten.

In sozialen Einrichtungen sei das Thema "barrierefreie öffentliche Toiletten" neu diskutiert worden. Die Arbeit der Vereine zeichne sich durch einzelne inklusive Angebote aus. Besonders zu betonten sind laut Inklusionsbeirat die Angebote für Migranten. Darüber hinaus bestünden aber kaum kontinuierliche Angebote für Menschen mit Einschränkungen. Der Beirat vermute, dass Möglichkeiten der persönlichen Assistenz für Menschen mit Einschränkungen und die Kriterien und Hilfen für Barrierefreiheit noch zu wenig bekannt sind.

Im Bereich Freizeit und Kultur seien schon einige gute Einrichtungen wie der Freizeithugl in Großbüchlberg, das Mitterteicher Mehrgenerationenhaus, die dortige Mehrzweckhalle und Museum für Porzellan, Glas und Handwerk vorhanden. Wünschenswert seien dagegen noch so manche Änderungen in Gaststätten und Bädern. Im sportlichen Bereich bestünden zum Teil langjährige inklusive Kooperationen. Hier sei die Haltung vorbildlich. "Inklusion kann hier schnell und gut gelingen", lautet das Urteil des Beirats.

Leuchtendes Beispiel


Beim Thema Mobilität und öffentlicher Nahverkehr sei Pechbrunn mit dem einzigen barrierefreien Bahnhof in der Region das leuchtende Beispiel. Doch auch in Mitterteich habe sich durch den zunehmenden Einsatz von Niederflurbussen und das "Baxi" einiges getan. "Leider sind die Fahrpläne noch schlecht lesbar", so die Feststellung des Beirats.

Im Bereich Arbeit und Beschäftigung gebe es eine eher unverbindliche Offenheit: Praktika seien gern gesehen, feste Arbeitsstellen seien aber noch sehr rar. Im Bereich Bildung und Erziehung fielen die noch vielen existierenden baulichen Hürden in den Gebäuden auf. Im Gegensatz dazu stehe die offene Haltung gegenüber der Inklusion - Kooperationen seien stabil gewachsen. Leider gebe es über die freiwillige Zusammenarbeit hinaus kaum Möglichkeiten der gemeinsamen Betreuung und Beschulung. Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit könne auf das "Inklusive Eckerl" im "Mitterteicher Taferl" verwiesen werden.

Kaum Wohn-Angebote


Arztpraxen, Apotheken und Geschäfte seien zum Teil sehr gut zugänglich, zum Teil aber auch sehr schwierig. Wichtig sei nicht zuletzt der Bereich des barrierefreien und altersgerechten Wohnens. Hier seien kaum Angebote vorhanden, bei sozialen Einrichtungen ebenso wenig wie auf kommunaler Ebene oder im privaten Bereich.

Für die Zukunft bleibe es wichtig, Begehungen in den Kommunen und Beratung durch die aktiven Arbeitsgruppen anzubieten. Die Kontaktpflege zu Vertretern von Vereinen und Kommunen sei unerlässlich. Inklusion sei ein Prozess, der über die Bereitschaft Einzelner wachse und durch öffentliche Förderung unterstützt werden könne. Die Arbeit müsse weitergehen, so das Fazit des Inklusionsbeirats.
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