Spielspaß und syrische Speisen

Mehrere Stunden lang dauerte der 1. Interkulturelle Begegnungsabend im Mitterteicher Feuerwehrhaus. Im Bild ein Teil der Besucher mit einigen Vertretern der Stadt, der AWO, der Feuerwehr und der Kirchen. Bild: jr
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Mitterteich
21.11.2016
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Einheimische und Neubürger kamen sich unter anderem beim Schachspielen näher. Bild: hfz

Großes Interesse fand jetzt der 1. Interkulturelle Begegnungsabend in Mitterteich: Mehr als 100 Besucher waren dazu ins Feuerwehrhaus gekommen.

(jr/lnz) Eingeladen hatten die Stadt, die Arbeiterwohlfahrt und die Feuerwehr Mitterteich. Letztere hatte die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, während die AWO federführend die Organisation übernahm. Die Zahl der Besucher war deutlich höher als erwartet, so dass noch Tische und Stühle herangeschafft wurden. Mit dabei waren rund 60 erwachsene Flüchtlinge und Asylbewerber sowie etwa 20 Kinder, die aktuell in Mitterteich und Wiesau untergebracht sind. Zu ihnen gesellten sich zahlreiche Mitglieder örtlicher Vereine und Vertreter der Kirchen. Bürgermeister Roland Grillmeier dankte in seiner Begrüßung der Feuerwehr für Bereitstellung von Saal, Küche und weiteren Räumen. Lobend hob Grillmeier auch das Engagement der Flüchtlinge hervor, die ein reichhaltiges orientalisches Buffet vorbereitet hatten.

AWO-Kreisgeschäftsführerin Angelika Würner, inzwischen weithin bekannt als "Mama Angelika", wünschte sich, dass an diesem Abend viele neue Kontakte und vielleicht sogar Freundschaften zwischen Einheimischen und Neubürgern entstehen. Auch sie dankte der Feuerwehr für die gewährte Gastfreundschaft. Die Flüchtlinge wiederum dankten "Mama Angelika" emotionsreich mit einem großen Blumenstrauß für deren Unterstützung und Hilfe.

Reichhaltiges Buffet


Nach dem kurzen offiziellen Teil bildeten sich lange Schlangen am Buffet. Da gab es verschiedenste Spezialitäten aus Syrien, Eritrea und anderen Ländern, beispielsweise Hühnchen mit Reis oder Zwiebeln, gefüllte Weinblätter, Reis mit gerösteten Nüssen, Mandeln und Pinienkernen, Petersiliensalat und mit Datteln gefüllte Kekse. Ergänzt wurde das Buffet durch bayerische Brezen und heimische Kuchen. Alle Besucher konnten sich nach Herzenslust bedienen, die Kosten trugen die Veranstalter. Inbegriffen waren auch nichtalkoholische Getränke. Für einige Irritationen hat ein angebliches Alkoholverbot gesorgt (siehe Kasten unten) .

Nach dem Essen waren vor allem die Kinder zu verschiedenen Spielen eingeladen. So boten die Schachfreunde eine Einführung in das Denkspiel an. Stark frequentiert war der Spieleraum der Wehr. Bis zum späten Abend herrschte im Feuerwehrhaus reges Treiben. Bei der nächsten Veranstaltung dieser Art im Januar soll auch musikalische Unterhaltung auf dem Programm stehen.

Irritationen um angebliches AlkoholverbotFür den 1. Interkulturellen Abend in Mitterteich gab es viel Lob, aber von verschiedenen Seiten war auch Kritik zu hören. So hat im Besucherkreis und bereits im Vorfeld bei weiteren Interessenten für Irritationen gesorgt, dass angeblich ein Alkoholverbot verhängt worden sei. Ein solches habe es bei Veranstaltungen im Feuerwehrhaus noch nie gegeben, bemängelten die Kritiker in Gesprächen mit dem NT.

Wenn auf hiesige Gewohnheiten wie etwa eine Halbe Bier in gemütlicher Runde verzichtet werden müsse, entspreche das nicht dem Gedanken eines "interkulturellen Austauschs", so die Kritiker weiter. Bei Festen oder anderen öffentlichen Zusammenkünften in Deutschland sei es nun mal üblich, auch Bier oder Wein zu trinken - und dieses Brauchtum sollte man vor Flüchtlingen oder Migranten nicht verstecken müssen. Diese seien dadurch ja nicht gezwungen, ebenfalls Alkohol zu konsumieren.

AWO-Kreisgeschäftsführerin und Hauptorganisatorin Angelika Würner stellte auf NT-Nachfrage klar, dass sie kein Verbot ausgesprochen habe. Allerdings habe sie bei der Vorbesprechung mit Vertretern der Stadt, der Feuerwehr und der Kirchen zu verstehen gegeben, dass die für alle Besucher des Abends kostenlose Verpflegung keine alkoholischen Getränke beinhalten werde. Denn zur Finanzierung der Veranstaltung habe man ein AWO-Förderprogramm in Anspruch genommen, das unter anderem keine Alkoholika abdecke. "Es ging einzig und allein um die Bezahlung." Somit wäre es also sehr wohl möglich gewesen, dass volljährige Besucher in der Küche ein Bier selbst kaufen. "Es hing nirgends ein Schild ,Alkohol verboten'". Möglicherweise sei es zu einem Missverständnis gekommen.

Angelika Würner gab jedoch auch zu bedenken, dass viele Kinder und Jugendliche vor Ort gewesen seien. Selbst wenn also jemand einen Kasten Bier bezahlt und neben dem Buffet zur freien Verfügung aufgestellt hätte, dann hätte sie einen Aufpasser abstellen müssen, der Ausweiskontrollen vornimmt. Überrascht zeigte sich Würner, dass niemand sie direkt angesprochen habe. "Ich bin offen für Anregungen und Kritik." Bei der Organisation des nächsten Begegnungsabends, der Ende Januar stattfinden soll, werde man über dieses Thema und mögliche Änderungen diskutieren. "Vielleicht stellen wir auch mal eine Art Wunschbox auf." Dann gebe es die Möglichkeit, Kritik anonym per Zettel zu äußern. Ausdrücklich betonte die Hauptorganisatorin abschließend, dass der erste interkulturelle Begegnungsabend bei allen, mit denen sie gesprochen habe, positiv angekommen sei.

Bürgermeister Roland Grillmeier und Feuerwehr-Kommandant Franz Bauernfeind erklärten gegenüber dem NT, dass sie die Ankündigung der AWO, wonach nur nichtalkoholische Getränke angeboten würden, nicht weiter hinterfragt hätten.

In Waldsassen, wo es derartige Veranstaltungen schon länger gibt, werde grundsätzlich kein Alkohol ausgeschenkt. Dies sagte auf Nachfrage Markus Scharnagl, Integrationsbeauftragter im Waldsassener Stadtrat. Darauf verzichte man aus Rücksichtnahme auf den muslimischen Glauben vieler Flüchtlinge und auch aus organisatorischen Gründen. (lnz)
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