Stadtrat
Wunsch nach Helfer-Initiative

Je mehr Leute sich beteiligen, desto weniger Arbeit gibt es für den Einzelnen.
Vermischtes
Mitterteich
09.03.2016
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Über das Thema Flüchtlinge diskutierte jetzt erneut der Mitterteicher Stadtrat. Ernst Bayer (Freie Wähler) kritisierte, dass es noch immer zu wenig Unterstützung bei der Betreuung der vor Ort untergebrachten Menschen gebe.

Bürgermeister Roland Grillmeier informierte eingangs über die aktuelle Verteilung von Asylbewerbern und Flüchtlingen im Landkreis, wobei er sich auch auf die jüngsten Versammlungen von Kreisgremien bezog. So entfielen Mitte Februar von insgesamt 859 Leuten 41 auf die Stadt. "Ich habe den Eindruck, bei uns läuft es ganz gut", bemerkte Grillmeier. Die dezentrale Unterbringung in mehreren Wohnungen in Mitterteich sei ein Vorteil, auch mit Blick auf das Verständnis der Bürger. "Ich danke der AWO und allen anderen, die zur Integration der Menschen beitragen."

Höhere Bereitschaft


Ernst Bayer, der unter anderem Deutschunterricht für Flüchtlinge gibt und seit langem für mehr Unterstützung wirbt, sah die Lage weit weniger positiv. In anderen Orten wie Waldsassen, Wiesau oder Neualbenreuth sei eine größere Bereitschaft zur Mithilfe zu spüren. "Was mir in Mitterteich nicht gefällt, ist, dass hier nichts Ähnliches passiert." Von Vorteil wäre eine Art Initiative, um Angebote zu sammeln. "Je mehr Leute sich beteiligen, desto weniger Arbeit gibt es für den Einzelnen."

Hilfe sei in vielfältiger Hinsicht willkommen, so Bayer. "Nur ein Beispiel: Bei einem Flüchtling war das Handy kaputt und ich war den ganzen Tag unterwegs, um jemanden zu finden, der sich auskennt." Gäbe es mehr Helfer, könnten solche Dinge schnell und unkompliziert erledigt werden. "Es würde schon reichen, wenn sich jemand einmal pro Woche Zeit nimmt, um eine Familie zu besuchen oder mit Kindern zu lesen." Auch angesichts der bürokratischen Hürden für Flüchtlinge bei der Suche nach Praktika oder Arbeitsstellen wäre mehr Mithilfe wünschenswert.

Große Enttäuschung


"Meine Enttäuschung in mancherlei Hinsicht ist sehr groß", betonte Ernst Bayer weiter und erzählte von einem jungen Syrer, der nach der Möglichkeit gefragt habe, Fußball zu spielen. "Ich habe mir dann erlaubt, einen Spartenleiter eines Vereins anzurufen. Dessen erste Reaktion: ,Kennt der denn überhaupt die Regeln?'", berichtete Bayer. "Zugegeben, es war im Winter und es ging um Hallenfußball, aber das ist doch keine Aussage!", schimpfte Bayer.

"Es fehlt an der Grundlagenarbeit", zeigte sich Bayer überzeugt und appellierte dazu, ein weiteres Treffen mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung, der AWO und anderen Organisationen einzuberufen. Bei einer solchen Zusammenkunft unter der Leitung des Bürgermeisters als Respektsperson könne vielleicht noch einmal etwas bewegt werden, um die Zahl der Helfer zu vergrößern.

"Man kümmert sich"


Bürgermeister Grillmeier wollte diese Kritik nicht stehen lassen: "Es ist schon einiges passiert, man kümmert sich um die Leute." Grillmeier gab zu bedenken, dass es in Mitterteich im Gegensatz zu anderen Orten keine Gemeinschaftsunterkunft gebe. Die allgemeine Bereitschaft zur Mithilfe sei wohl deshalb auch entsprechend geringer. "Aber wir können das schon probieren", so der Bürgermeister zu Bayers Forderung nach weiteren Treffen oder Aktionen.

"Wir haben den Auftrag, dass wir uns um die Leute kümmern müssen," warf SPD-Sprecher Johann Brandl ein und wies auch darauf hin, dass immer mehr Flüchtlinge anerkannt würden und sich dann selbst nach Wohnungen umsehen müssten. Seiner Ansicht nach wäre es deshalb sinnvoll, wenn diese sich an einen speziellen Ansprechpartner bei der Stadt wenden könnten. Bürgermeister Grillmeier hielt dem entgegen, dass ja die Mietstelle vorhanden sei. Zudem gebe es laut AWO in dieser Hinsicht keine Probleme. Brandl erwiderte, dass man aber für die Zukunft gut gerüstet sein sollte.

CSU-Sprecher Josef Schwägerl lehnte mit Blick auf die kreisweite Diskussion um eine möglichst gerechte Verteilung der Flüchtlinge eine Quote ab. "Ich bin gegen einen Zwang, das würde eh nicht funktionieren." Nicht nachvollziehen könne Schwägerl häufig, wenn Wohnungen von Behördenseite als nicht geeignet für Flüchtlinge eingestuft würden. Bürgermeister Grillmeier teilte abschließend mit, dass man verstärkt versuche, leere Stadtwohnungen an anerkannte Flüchtlinge zu vermieten. Gesucht würden derzeit auch kleine Apartments, nicht nur größere Wohnungen.

Kontakt ohne VerpflichtungenAngemerkt von Udo Lanz

Schon im Herbst vergangenen Jahres gab es Überlegungen, einen Begegnungstag mit Flüchtlingen in Mitterteich zu organisieren. Ein halbes Jahr später wäre es an der Zeit, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Zu verlieren gibt es dadurch überhaupt nichts, zu gewinnen aber sehr viel.

Ganz unabhängig vom Kurs der großen Politik und der Frage, wie es mit den Migrationsströmen nach Europa weitergeht, steht fest: Immer mehr der Geflüchteten aus Bürgerkriegszonen, die bereits hier sind, werden offiziell als Flüchtlinge anerkannt und deshalb längerfristig bleiben. Wie sich das Zusammenleben künftig gestaltet, hängt einerseits vom Integrationswillen der Flüchtlinge ab, andererseits aber auch vom Willen der Bevölkerung, die Menschen zu integrieren.

Während sich zahlreiche Bürger im Land gerne engagieren, wollen viele andere aus verschiedensten Gründen generell nichts mit Asylbewerbern oder Flüchtlingen zu tun haben. Irgendwo dazwischen gibt es wohl häufig die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Einsatz, gleichzeitig aber große Zweifel. Seit den schlimmen Vorfällen in Köln und anderswo haben sich Skepsis und Befürchtungen verstärkt, was verständlich und teils auch berechtigt ist. Manche wollen erst einmal wissen, wen man da eigentlich antrifft. Paare? Familien? Oder nur junge Männer? Andere stellen sich die simple Frage, wie man überhaupt Kontakt aufnehmen soll, ohne mit der Tür ins Haus zu fallen oder Verpflichtungen einzugehen.

Die Hürde des Erstkontakts würde durch einen Begegnungstag oder ein Fest nach dem Vorbild anderer Orte fallen. Auch könnten Skepsis und Vorurteile abgebaut werden. Bei lockeren Gesprächen, Spielen oder beim Sport dürfte sich schnell zeigen, ob die Chemie stimmt. Ist das nicht der Fall, wäre das nicht weiter dramatisch - niemand müsste sich nach einem Rückzug rechtfertigen. Sollte der Funke der Sympathie aber überspringen und dadurch der Helfer- oder Freundeskreis größer werden, wäre das ein Gewinn für alle Seiten.
Je mehr Leute sich beteiligen, desto weniger Arbeit gibt es für den Einzelnen.Ernst Bayer (Freie Wähler)
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