Über Dialog zur Ökumene

Der vereinigte Posaunenchor umrahmte neben dem Kirchenchor den Gottesdienst musikalisch. Bild: kro
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Mitterteich
03.11.2016
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Beim Empfang zum Reformationstag im Evangelischen Gemeindehaus betonte Bürgermeister Roland Grillmeier (rechts), wie wichtig eine volksnahe und moderne Kirche sei. Bild: kro

Viel mehr Gläubige als bisher sollten sich aktiv einbringen und bei Entscheidungen kirchlicher Instanzen mitreden - so lautete eine der Kernbotschaften beim Reformationstag der evangelischen Kirchengemeinden im Stiftland.

Los ging es mit einem feierlichen Gottesdienst in der Mitterteicher Christuskirche. Die Gestaltung übernahmen die vereinigten Kirchen- und Posaunenchöre der drei evangelischen Stiftland-Gemeinden Mitterteich, Tirschenreuth und Waldsassen. Der Reformationstag bildete übrigens auch den Auftakt zu einem Jubiläumsjahr: 1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen, was als Beginn der Reformation gilt.

Rettende Bewegung


Zu Beginn des Gottesdienstes freute sich Pfarrer Martin Schlenk, dass auch einige Bürgermeister oder deren Stellvertreter gekommen waren. Am Reformationstag, so Schlenk, erinnere Jesus Christus die Menschen an die Grundlagen des Glaubens, an die Zuversicht. In seiner Predigt verwies der Pfarrer auf einen Zeitungsbericht, wonach der Sicherheitsgurt einem Menschen bei einem Autounfall das Leben gerettet habe. Wenn ein Auto ins Schleudern gerate, sei es wichtig, dass der Fahrer nicht durch die Fliehkraft aus dem Fahrzeug falle. "Er muss in der Bewegung seines Fahrzeuges drinbleiben, um gerettet zu werden." Auch Jesu Worte schafften Bewegung - es sei wichtig, an den Worten Jesu zu bleiben, sich mitnehmen zu lassen von seiner Bewegung, damit man gerettet wird. Im Mittelpunkt, so Schlenk, stehe die Bewegung Gottes, in die er die Menschen durch sein Wort mitnehme. Wichtig sei auch, wie sich die Kirche organisiere, wie sie mit dem Geld umgehe, was sie an leiblicher und geistlicher Lebenshilfe zu bieten habe. "All diese Dinge sind von großer Wichtigkeit, damit die Schwellen der Kirchentüren nicht zu hoch werden."

Es dürfe nicht gleichgültig sein, dass Menschen heutzutage wie zu Luthers Zeiten meinten, sie könnten sich durch Geld freikaufen und ihrer Verpflichtung entziehen, aktiv und konkret als Christ zu leben. Wichtig sei, dass sich noch mehr Gemeindemitglieder an der Entscheidungsgewalt kirchlicher Instanzen beteiligten. Dies sei auch in einer parlamentarischen Demokratie eine notwendige Voraussetzung, um Menschen in die Rufweite Jesu zu führen. Beim anschließenden Empfang im evangelischen Gemeindehaus gab Bürgermeister Roland Grillmeier zu bedenken, dass die Religiosität in Deutschland weiter abnehme. Jeder Dritte wisse gar nicht, was die Reformation eigentlich sei. Christliche Werte würden häufig nicht mehr als wichtig erachtet. Dabei seien es vor allem Christen gewesen, die den modernen Staat von heute gestaltet hätten. Deshalb sei eine moderne und volksnahe Kirche sehr wichtig.

Geschwister im Glauben


Stadtpfarrer Anton Witt verwies auf den Wandel im Miteinander der christlichen Konfessionen. Von der Konfrontation sei man über den Dialog bis zur Ökumene gekommen. Aus Erzählungen seiner Mutter erinnerte er daran, dass der Karfreitag früher vor allem ein hoher evangelischer Feiertag gewesen sei. "Da haben die katholischen Bauern ihren Mist ausgefahren." Das Gegenteil sei an Fronleichnam der Fall gewesen. Da hätten die Katholiken zum Umzug alles mobilisiert, um Stärke zu demonstrieren. Vorurteile auf beiden Seiten seien durch viele Gespräche abgebaut worden, dazu hätten auch die vielen Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg beigetragen. Der große Durchbruch sei mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gelungen. "Nun sind wir Geschwister im Glauben."
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