Vorzeigeprojekt für die Region

Auf dem bisherigen Hartplatz des SV Steinmühle soll der neue interkommunale Kunstrasenplatz entstehen. Der Mitterteicher Stadtrat gab am Montagabend grünes Licht für einen Zuschuss von 75 000 Euro - vorbehaltlich einer Kooperationsvereinbarung zwischen den Vereinen. Am späteren Unterhalt wird sich die Stadt aber nicht beteiligen. Bild: jr
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Mitterteich
09.11.2016
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In Steinmühle soll der erste Kunstrasenplatz im Landkreis Tirschenreuth entstehen. Der Mitterteicher Stadtrat gab am Montagabend mehrheitlich grünes Licht für eine Beteiligung an dem seit langen geplanten interkommunalen Projekt. Zuvor hatte das Gremium zum Teil kontrovers diskutiert.

Rund 350 000 Euro soll der Bau eines interkommunalen Multifunktionsplatzes auf dem Hartplatz des SV Steinmühle kosten, wobei ein Fördersatz von 60 Prozent erwartet wird. Mit im Boot sind die Städte Mitterteich und Waldsassen mit einem Anteil von jeweils 75 000 Euro sowie der SV Steinmühle, der SV Mitterteich, der ATS Mitterteich, die Sportfreunde Kondrau und der ASV Waldsassen. Auch Sponsoren hätten ihre Unterstützung zugesagt, wie es heißt. Nach dem Ja der Städte Mitterteich und Waldsassen müssen die beteiligten Vereine eine Kooperationsvereinbarung unterschreiben. Danach beginnt die Feinplanung.

Der Punkt war eigentlich für den nichtöffentlichen Teil vorgesehen, doch Bürgermeister Roland Grillmeier entschloss sich kurzfristig für ein Vorziehen in den öffentlichen Teil. Grillmeier informierte eingangs, dass die Kommunen und die Vereine seit drei Jahren an diesem ehrgeizigen Projekt arbeiteten. Anfangs seien noch vier Kommunen und weitere Vereine mit im Boot gewesen. Die Gemeinden Konnersreuth und Pechbrunn seien aber ausgestiegen. Als Kooperationspartner habe man noch die Lebenshilfe und die Behindertenwerkstätte gewinnen können.

"Ein Kunstrasenplatz ermöglicht die Nutzung mit Rollstühlen und erleichtert körperbehinderten Menschen die sportliche Betätigung", so Grillmeier. Ausdrücklich dankte er dem SV-Vorsitzenden Stephan Andörfer und dem Regionalmanagement, die ein Förderkonzept und die Nutzungsvereinbarung ausgearbeitet haben. Grillmeier sprach von einem Vorzeigeobjekt für die Region.

Mindestlaufzeit


Josef Schwägerl (CSU) forderte für eine Zustimmung seiner Fraktion die Zusicherung, dass später keine Unterhaltsforderungen auf die Stadt zukommen. Bürgermeister Grillmeier erwiderte, dass für den Unterhalt die Vereine selbst aufkämen. Dies werde auch so vertraglich festgehalten. Johann Brandl (SPD) hatte große Zweifel, dass es mit der geplanten Finanzierung klappt wie vorgesehen. Weiter befürchte er, dass sich die fünf Vereine nicht über Trainings- und Spielzeiten einigen können. "Alle Mannschaften können ja nicht gleichzeitig trainieren." Zudem wollte Brandl erfahren haben, dass die Vereine die Laufzeit ihrer Vereinbarungen nur auf ein Jahr begrenzen möchten. Brandl forderte eine Laufzeit von mindestens fünf bis zehn Jahren. Ansonsten sah er die Verantwortung überwiegend beim SV Steinmühle, der auch als Bauherr auftreten wird. "Es muss vertraglich alles abgestimmt sein", forderte Brandl.

Vereine in einem Boot


Bürgermeister Roland Grillmeier wusste nichts von einer auf ein Jahr begrenzten Laufzeit. Für ihn sei klar, dass nur eine längere Dauer in Frage komme. "Die fünf Vereine sitzen alle in einem Boot, sie müssen eng zusammenarbeiten und Lösungen finden." Der Bürgermeister versicherte, dass der Anteil der Stadt nur fließen werde, wenn die Nutzungsvereinbarungen unterschrieben sind. Weiter berichtete der Bürgermeister vom Interesse des TSV Konnersreuth und des SV Pechbrunn, den Kunstrasenplatz hin und wieder auch zu nutzen. "Dann brauchen sie nicht mehr nach Eger fahren." Die Trainings- und Spielzeiten auf dem Kunstrasenplatz sollen je zur Hälfte zwischen den Vereinen der beiden Städte aufgeteilt werden. "Waldsassen bezahlt ja schließlich das Gleiche wie wir."

In den Monaten Februar und März würden die Vereine verpflichtet, den Platz zu mieten. Mit diesen Einnahmen soll der Platz kostendeckend geführt werden können, so die Berechnungen. In die Kalkulation, so Bürgermeister Grillmeier, laufe auch die Fremdnutzung durch andere Vereine und Gruppen ein. Weiter wusste Grillmeier, dass der SV Mitterteich vehement hinter dem Projekt stehe. Zwar habe der SV Steinmühle durchaus Vorteile mit dem Platz, doch Grillmeier gab zu bedenken, dass dieser dann keinen Ausweichplatz mehr habe und zudem Verantwortung für die Anlage trage.

Nach Ansicht von Ernst Bayer (Freie Wähler) seien noch viele Fragen offen. Er forderte eine genaue Aufstellung der Finanzierung. Roland Grillmeier erwiderte, dass bis 30. November der Förderantrag eingereicht werden müsse und man keine Zeit zu verlieren habe. Daher bat er um einen Vertrauensvorschuss. "Vertrauen wir den Vereinen oder nicht? Wenn nicht, dann können wir gleich aufhören." Ernst Bayer bezweifelte, dass die Vereine den Platz nur zwei Monate pro Jahr mieten müssten, um Kostendeckung zu erreichen. "Mir ist bei der Sache nicht ganz wohl." Bürgermeister Roland Grillmeier verwies dazu auf Berechnungen von Stephan Andörfer, der von jährlichen Fixkosten von 1500 Euro ausgehe.

Konzept "unausgegoren"


Karl-Heinz Ernstberger (CSU), Mitglied im Konsolidierungs-Ausschuss der Stadt, sah zu viele Ungereimtheiten. "Wir wollen überall sparen und geben dann viel Geld für freiwillige Leistungen aus. Können wir uns das leisten?" Das vorgelegte Konzept nannte er unausgegoren. Ernstberger befürchtete, dass die Stadt gefordert sei, falls das Projekt platzen sollte. Luitgard Müller (CSU) sagte, dass sie die vorgelegten Zahlen von Stephan Andörfer, der im Hauptberuf Kämmerer der Stadt Waldsassen ist, nicht anzweifle. Auch der Bürgermeister sah kaum Risiken für die Stadt.

"So ein Projekt gab es noch nie. Es wird ein Leuchtturmprojekt werden", warf Reiner Summer (CSU) ein. Er habe zwar Verständnis für Kritik, "doch sollten die Vereine unser Vertrauen bekommen". Josef Schwägerl ergänzte, dass der SV Steinmühle bislang nur wenig städtische Unterstützung erhalten habe - im Gegensatz zu manch anderem Sportverein. "Wenn Stephan Andörfer das berechnet, hat das schon Hand und Fuß."

Zwei Gegenstimmen


Am Ende votierte der Stadtrat mit den Gegenstimmen von Johann Brandl und Karl-Heinz Ernstberger für die Beteiligung der Stadt. Voraussetzung ist die Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen den Vereinen. Zudem wird die Stadt nichts zum Unterhalt beisteuern.

Vertrauen wir den Vereinen oder nicht? Wenn nicht, dann können wir gleich aufhören.Bürgermeister Roland Grillmeier
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