"Würde gerne zurückgehen"

Zaher Alabed (links), der jetzt in Kemnath lebt und arbeitet, erzählte den Zuhörern im Mehrgenerationenhaus von seiner Heimat Syrien, den Folgen des Bürgerkriegs und den Beweggründen für seine Flucht. Bild: hfz
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Mitterteich
15.10.2016
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Warum ist Zaher Alabed nicht mehr in seiner Heimat Syrien? Wie sieht sein Leben hier aus und wie denkt er über die Zukunft? Darüber sprach der Flüchtling in einem Vortrag im voll besetzten Mitterteicher Mehrgenerationenhaus.

"Wir sind nicht zum Spaß aus der Heimat geflüchtet", betonte Zaher Alabed, der in gutem Deutsch referierte. Er stellte das Land näher vor, erläuterte die politische Situation vor und nach dem Krieg, machte deutlich, wer momentan gegen wen kämpft, und schilderte seine Beweggründe für die Flucht. Mit Hilfe anschaulicher Bilddokumentationen konnten die Zuhörer historische Kulturschätze wie beispielsweise in Palmyra bewundern. Als Kontrast zeigte Zaher Alabed den jetzigen Zustand - die Stadt ist zerstört durch Krieg und den Terror des sogenannten IS. In Alabeds Heimatort seien die meisten Häuser ebenfalls zerstört, die Menschen trauten sich dort kaum mehr ins Freie, um Lebensmittel oder Trinkwasser zu organisieren. Um diesen Zuständen zu entkommen, machte sich Zaher Alabed mit seiner Frau auf den beschwerlichen Weg in Richtung Europa. Ende Oktober 2014 kam das Paar in Deutschland an und beantragte in Regensburg Asyl. In Kemnath haben die beiden nun eine neue und sichere Heimat gefunden - und im vergangenen Jahr sogar Nachwuchs bekommen.

Dank für Unterstützung


"Wir fühlen uns in Kemnath wohl, wir haben ein einjähriges Töchterchen, jetzt geht es uns gut", sagte der Syrer und bedankte sich für die Unterstützung durch die Bevölkerung und die ehrenamtlichen Helfer. Ganz besonders erfreut ist der studierte Maschinenbauer, dass er hier Sprachkurse absolvieren konnte und über ein Praktikum eine befristete Arbeitsstelle bei einem Kemnather Unternehmen bekommen hat. Nun sei er auch nicht mehr auf staatliche Unterstützung angewiesen.

Nach seinem Vortrag konnten die Gäste noch Fragen stellen - etwa nach den Angehörigen in Syrien. Zaher Alabed berichtete, dass seine Eltern und der größte Teil seiner Verwandten noch dort seien. Mit den Eltern habe er nur ein bis zweimal im Monat einen kurzen telefonischen Kontakt. Um an ein funktionierendes Telefon zu kommen, müssten diese einen circa 50 Kilometer langen gefährlichen Weg auf sich nehmen, denn viele Telefon- und Strommasten seien zerstört. Wenn er nur kurz höre, dass es ihnen gut geht, sei er erst einmal beruhigt.

Auf die Frage eines Zuhörers, ob er denn wieder nach Syrien zurück wolle, falls sich die Lage zum Positiven ändert, antwortete Zaher Alabed: "Ja. Gerne würde ich wieder zurückgehen in meine Heimat. Ich vermisse meine Familie und hoffe weiterhin auf eine friedvolle Zukunft."
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