Zeitzeuge Alexander Fried erinnert sich
15 Mal dem sicheren Tod entgangen

Für Zivilcourage und Mitmenschlichkeit warb der Zeitzeuge des Holocaust, Professor Dr. Alexander Fried (rechts). KJR-Vorsitzender Jürgen Preisinger freute sich über das große Interesse an diesem Stadtgespräch. Bild: jr
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Mitterteich
01.03.2016
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Er hat den Holocaust überlebt, verbrachte drei Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern und überstand den Todesmarsch von Crivitz nach Schwerin. Viel Nachdenkliches gab es beim Stadtgespräch mit Professor Dr. Alexander Fried im voll besetzten Café des Mehrgenerationenhauses zu hören. Der 90-jährige Zeitzeuge erzählte, dass er mindestens 15 Mal dem sicheren Tod entkommen ist.

In Mitterteich berichtete Fried, der in Tirschenreuth seit 12 Jahren bei seiner jetzigen Ehefrau Dr. Dorothea Woiczechowski eine neue Heimat gefunden hat, aus schlimmen Zeiten. Bei der Veranstaltung des Kreisjugendrings war die Jugendfeuerwehr Mitterteich stark vertreten, die bei Besuchen der Partnerwehr in Polen schon das KZ Auschwitz besucht hat. Auch heuer ist das eingeplant. Die Gesprächsleitung hatte KJR-Vorsitzender Jürgen Preisinger.

"Dass ich diese schwere Zeit überlebt habe, verdanke ich dem lieben Gott und meiner Natur", begann Professor Dr. Alexander Fried. "Mein Credo ist, vergessen darf man das nicht." Dem deutschen Volk bescheinigte er, sich mit seiner Geschichte auseinanderzusetzen. "Deutschland habe verstanden, was es angerichtet hat, während andere Länder es oft noch nicht verstanden haben." Nichts aus der Geschichte gelernt hätten dagegen die Leute von Pegida.

Im Krieg hat Fried seine Eltern verloren. Dazu kam der Verlust vieler Freunde und Verwandter. Vor allem der Tod seiner Mutter hat ihn stark berührt: "Sie war eine wunderbare Person." Es war mucksmäuschenstill im Mehrgenerationenhaus, als der Professor seine Lebensgeschichte erzählte. Noch heute holt ihn die schwere Zeit oft ein. "Vor zwei Tagen konnte ich nachts nicht schlafen, schrie sogar auf. Ich wäre auch froh, wenn ich dies nicht alles erlebt hätte", sagte er. Professor Dr. Alexander Fried, der zehn Sprachen spricht, wusste, dass die junge Generation von heute viele Gedenkstätten besucht. Das sei auch gut so.

Geboren wurde Fried 1925 in Kralova, wuchs in einer jüdisch-orthodoxen Familie auf und zog mit zwei Jahren mit der Familie nach Zilina um. 1939 begann er eine Tischlerlehre, ehe er 1942 im KZ Zilina inhaftiert wurde. Es begann eine dreijährige Odyssee durch verschiedene Lager mit vielen schrecklichen Erlebnissen. "Ja, ich war ein glückliches Kind", sagte er jetzt. "Ich liebte die Schule, den Fußball, wir waren eine glückliche Familie. Unsere Mutter nahm uns die Ängste vor dem aufziehenden Nationalsozialismus in Deutschland. Wir waren glücklich in der Tschechei unter orthodoxen Juden. Bis ich das Tor sah ,Arbeit macht frei', durch das ich hindurch marschiert bin."

Nachdenklich und mitunter den Tränen nahe berichtete er von seinen Erfahrungen mit den Nazis. Er schilderte seine Teilnahme am Todesmarsch, als ein SS-Mann zu ihm sagte: "Glaubst du, ich mache das gerne? Ich liebe Goethe, ich liebe Beethoven." Ein Christ könne kein Antisemit sein, betonte der Professor. Gerade der katholische Glauben sei vom Judentum stark beeinflusst.

Mitleid mit Deutschen


Trotz allem habe er auch Mitleid mit den Deutschen gehabt, etwa mit Blick auf Stalingrad. "Wir haben heute die Verpflichtung, die Wahrheit zu sagen. Ich habe keinen Hass gegen ein anderes Land. Ich bin tief bewegt, wenn ich sehe, wie Deutschland und hier vor allem die Jugend mit der Vergangenheit umgeht. Ihr könnt sicher sein, Männer wie Hitler, Goebbels und Göring haben nie geweint."

Wegen Pegida traurig


Dr. Fried freute sich, heute in Frieden in Deutschland leben zu können, wenn ihn auch Pegida und andere nationale Strömungen traurig machten. Befreit aus dem Konzentrationslager wurde er am 3. Mai 1945. "Ich war danach ein glücklicher Mensch. Ich habe gelitten, aber ich bin nicht gefallen. Ein Mensch und sein Geist lassen sich nicht zerstören. Aber so etwas darf sie sich nie wiederholen."
Ich habe gelitten, aber ich bin nicht gefallen.Professor Alexander Fried
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