Spezialglashersteller strengt zwei Verfahren wegen Verdachts des Geheimnisverrats an
Klage von Schott abgewiesen

Undurchsichtig: Wurden an die chinesische Konkurrenz Schott-Geheimnisse für die Herstellung pharmazeutischer Ampullen weitergegeben? Und wenn ja, von wem? Bild: hfz
Wirtschaft
Mitterteich
09.09.2016
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Die Konkurrenz aus China interessiert sich stark für das Knowhow des Spezialglasherstellers Schott mit Standort in Mitterteich. Der Verdacht des Geheimnisverrats steht im Raum. An zwei Gerichtsorten - Regensburg und Gera - sind Verfahren anhängig. Jetzt gibt es ein erstes Urteil.

/Regensburg. Seit fast zwei Jahren zieht sich ein Ermittlungsverfahren der Regensburger Staatsanwaltschaft gegen zwei ehemalige Ingenieure der Schott AG in Mitterteich hin. Der Verdacht lautet auf besonders schweren Fall des Verrats von Betriebsgeheimnissen (wir berichteten).

Schott hat zudem am Landgericht Gera einen Anlagenbauer für Spezialglas aus Jena verklagt. Der Vorwurf: Die Thüringer Firma habe sich unerlaubt Geschäftsgeheimnisse verschafft. Streitwert: 450 000 Euro. Dabei musste Schott jetzt eine juristische Niederlage einstecken. Die Richter sahen es nicht als erwiesen an, dass die Jenaer überhaupt im Besitz von unerlaubten Unterlagen seien. Die Klage wurde abgewiesen.

Im Urteil aus Gera wird die ganze Geschichte aufgerollt. Die beiden Schott-Ingenieure waren seit 1974 bzw. 1982 im Mitterteicher Werk tätig, jahrzehntelang in leitender Position. Sie galten als leidenschaftliche Erfinder und haben 95 Patente entwickelt. Als sie sich 2013 bzw. 2014 in den Ruhestand verabschiedeten, gründeten die beiden nach Ablauf eines Wettbewerbsverbots eine Beraterfirma. Das war kein Geheimnis: Per Homepage und Flyer boten sie der Branche ihre Dienste an.

Wie aus dem Geraer Urteil vom 6. Juni ersichtlich wird, meldeten sich auch bald Interessenten. Eine chinesische Gruppe plante eine Produktionsstätte in China. Die Chinesen wollten pharmazeutische Ampullen der hydrolitischen Klasse 1 selbst herstellen. Für den Aufbau der Produktion beauftragte das chinesische Unternehmen den Anlagenbauer für Spezialglas aus Jena. Die Jenaer wiederum wandten sich an das neue Beraterbüro im Landkreis Tirschenreuth. Man wollte die beiden Ex-Schott-Ingenieure für den China-Auftrag anheuern.

Treffen im Privathaus


Die Ingenieure bestreiten, dass es je zu dem Auftrag kam. Wie im Urteil des Landgerichts Gera dargelegt, habe man sich im Privathaus im Landkreis Tirschenreuth und in einem Hotel zwar mit den Thüringern und den Chinesen getroffen. Aber aus dem Auftrag soll am Ende nichts geworden sein. Allerdings wurden bei den Verhandlungen von den Jenaern eine Zeichnung vorgelegt, die einen der Ingenieure stark an "Schott-Knowhow" erinnerte. Einer der Ingenieure sagte laut Urteil später gegenüber dem Mitterteicher Werksleiter, dass er sich "gewundert" habe über das, was man in Jena alles wusste.

Schott erstattete im November 2014 Strafanzeige gegen das Beraterbüro der Ruheständler. Die Weidener Kriminalpolizei stellte in deren Häusern zahlreiche Datenträger sicher. Die beiden Beschuldigten ließen dies freiwillig zu und beteuerten, nicht die Quelle der Informationen zu sein. Sie seien nicht die Verräter. Es habe andere "Maulwürfe" gegeben - Mitarbeiter oder Ehemalige -, deren Namen man kenne, aber wegen des Ermittlungsverfahrens nicht weitergeben wolle.

Das Ermittlungsverfahren wurde der Wirtschaftsabteilung der Staatsanwaltschaft Regensburg übertragen und dauert noch an. Die Staatsanwaltschaft hat vor einem Jahr ein Gutachterbüro beauftragt. Jetzt liegt die Expertise nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Theo Ziegler vor. Im nächsten Schritt hätten nun die Beschuldigten die Gelegenheit zur Stellungnahme. Einer der Ingenieure ist inzwischen verzogen, weil die Verdächtigungen das Leben der Familie im Heimatort stark belasteten.

Verfahren eingestellt


Parallel hatte das Unternehmen bei der Staatsanwaltschaft Regensburg Strafanzeige "gegen unbekannt" wegen Geheimnisverrats erstattet. Dieses Verfahren wurde inzwischen eingestellt. Ob die Produktionsstätte je hochgezogen wurde, ist dem NT nicht bekannt. Die chinesische Gruppe liefert entsprechend ihrem Webauftritt die speziellen Pharmarohre, ebenso aber auch andere Firmen.
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