Bayern-3-Dorffest kommt nach Moosbach
Oberpfälzer zocken sich zum Sieg

Grenzenloser Jubel in Moosbach: Nach einem spannenden Finale setzten sich die Oberpfälzer am Samstag knapp gegen Unterdießen in Oberbayern durch. Bild: M.Maier
Freizeit
Moosbach
27.08.2016
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So ein spannendes Finale hat es beim Bayern-3-Dorffest bislang noch nicht gegeben. Die Moosbacher bewiesen am Samstag Moral, Organisationstalent und Geschick. Am Ende lagen sie sich laut jubelnd in den Armen. Dabei sah es am Anfang im Kampf gegen die Gemeinde Unterdießen gar nicht mal so gut aus.

Fleißig und präzise hatte sich die Gemeinde im Landkreis Neustadt/WN in den vergangenen drei Wochen auf das große Finale vorbereitet. Bürgermeister Hermann Ach schaffte es, dass sich zahlreiche Bürger der fast 2500 Einwohner zählenden Gemeinde engagiert ins Zeug legten. Es wurden Teams gebildet, die sich in den letzten drei Tagen vor dem Finale fast rund um die Uhr auf die Aufgaben einstellten. "Späher" suchten die gegnerische Gemeinde in Oberbayern auf und beobachteten dort die Vorbereitungen.

Dass der Wettbewerb, den der Rest Bayerns am Samstagvormittag am Radio live mitverfolgen konnte, derart an die Nerven gehen würde, überraschte nicht zuletzt die Moderatoren an den Mikros. Gleich die erste Aufgabe zeigte, dass sich zwei ebenbürtige Finalisten gegenüberstanden. Innerhalb von 30 Sekunden musste ein Team um den Moosbacher DJ Michael B. aus 10 Musik-Schnipsel möglichst viele Titel erkennen. Umringt von Hunderten Unterstützern gaben die ausgewählten Experten ihr Bestes. Das Spiel schien schon fast verloren, als die Unterdießener mit dem letzten Song den sichergeglaubten Punkt vergeigten.

Auf dem Areal der Moosbacher Brauerei Scheuerer brandete zum ersten Mal ohrenbetäubender Jubel auf. Das Spiel musste in der Verlängerung entschieden werden. Und wieder lagen die Kontrahenten gleichauf. Doch den allerletzten Song ("Stitches" von Shawn Mendes) hatten nur die Oberbayern auf dem Zettel. Der erste Punkt ging an Unterdießen.

Jeder Handgriff sitzt


Wer den Schlachtruf der Moosbacher (Infokasten) kennt, der weiß, dass Aufgeben nicht in ihrer Natur liegt. Im zweiten Spiel musste aus 12 Heuballen das Bayern-3-Maskottchen "Mixie" gefunden werden. Sebastian Sperl und Claudia Rieß vom Tourismusbüro, die die Bewerbung der Gemeinde abgeschickt hatten, sortierten ihre Leute. Die eingeteilten Teams standen sofort bereit. Auf Kommando legten sie los, dass es nur so staubte. Jeder Handgriff musste sitzen. Nur ganze 16 Sekunden brauchten die Männer und Frauen bis ausgerechnet die Tourismus-Chefin Rieß auf das grüne, etwa fünf Zentimeter große Plastik-Tierchen gestoßen war und es im Galopp Moderatorin Corinna Theil in die Hand presste. Unterdießen konnte bei weitem nicht mithalten. Spiel zwei gewonnen, den vorzeitigen Sieg des Gegners abgewendet, Ausgleich geschafft, durchschnaufen.

Von Beginn an war in den Gesichtern nicht viel Anspannung auszumachen. Die rund 1200 Leute vor Ort freuten sich vielmehr darauf, dass man einmal zeigen konnte, was in der Gemeinde und ihren Bürgern steckt. Der Satz "Wir sind froh, überhaupt so weit gekommen zu sein" bestimmte die Strategie der Oberpfälzer. Trotz aller Entspanntheit war der Wille zu spüren, die wochenlangen Anstrengungen zu einem guten Ende zu bringen und das Dorffest 2016 im Vorfeld des Heimatfestes im kommenden Jahr nach Moosbach zu holen.

Im dritten Spiel, dem "Promi-Quiz", wollten sie den Sack zumachen. Wieder setzten sich Teamsprecher rund um einen Biertisch vor der Bühne und bewaffneten sich mit Handy und Schreibzeug. Fast wie gerufen kam da der "Böhmische Traum", den die Moosbacher Musikanten ins Rund bliesen. So mancher Experte stieg auf die Bierbank und schmetterte beherzt mit bis die Moderatorin einschritt, schließlich mussten die Spielregeln erklärt werden.

Das Quiz war nicht leicht zu knacken. Nach zehn Hinweisen rang sich Unterdießen dazu durch, seinen Tipp abzugeben. Karin Held hatte für die Moosbacher entschieden, dass der Zettel leer abgegeben wird. Jetzt mussten die Oberpfälzer darauf hoffen, dass die Gegner mit ihrer Lösung "Jay-Z" falsch lagen. Kaum auszuhalten waren die Minuten bis Bayern-3-Moderator Sebastian Winkler die Challenge auflöste.

Die mutigen Oberbayern hatten sich verzockt. Jennifer Lopez wäre die richtige Antwortet gewesen. Die Moosbacher waren nicht mehr zu halten. An der enormen Lautstärke des minutenlangen Siegerjubels konnte man in etwa messen, wie sehr sie sich den Erfolg gewünscht hatten. Alle lagen sich in den Armen. "Fix und fertig" schafften es einige Macher nicht mehr, ihre Freudentränen zu verdrücken. Der komplett geplättete Bürgermeister leistete keine Gegenwehr, als er von seinen Mitstreitern mit einem frischen Bier aus seinem eigenen 5-Liter-Krug geduscht wurde. Die älteren Bürger, die den "Wahnsinn" von einem gemütlichen Plätzchen im Schatten verfolgten, jubelten eher still mit einem breiten Grinsen. Mit Böllerschüssen gratulierten die Schützen, die Feuerwehr ließ kurz das Martinshorn aufheulen.

Neue Herausforderung


Bereits am Montag treffen sich die Verantwortlichen, um das Dorffest 2016 am Samstag, 10. September, vorzubereiten. Für die Organisation der Großveranstaltung, die bei freiem Eintritt bis zu 70 000 Besucher anlocken soll, werden Helfer gesucht. Wieder eine Herausforderung für Moosbach. Die Stars Mark Forster, Namika und Milow werden sich wundern. (Weiterer Artikel zum spannenden Finale)



SchlachtrufMit ihrem Schlachtruf stärkten sich die Moosbacher selbstbewusst vor jeder Aufgabe. Moderatorin Corinna Theil tat sich mit der Aussprache etwas schwer. Der Moosbacher Michael Bock übernahm daher ihren Part. Auf das Mikrofon hätte er bei seinem lauten Organ fast verzichten können: "Wenn d'Moosbacha kumma, mou da Eabohn brumma. Brummt der Eabohn niad, sans d'Moosbacha niad!" Die Übersetzung für alle Nicht-Oberpfälzer: "Wenn die Moosbacher kommen, muss der Erdboden brummen. Brummt der Erdboden nicht, sind es die Moosbacher nicht." (ck)
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