Bayern-3-Dorffest in Moosbach
Kleines, großes Dorf

Zum Festival-Ende zog Headliner Mark Forster das Tempo noch einmal an und setzte mit "Au revoir" und "Wir sind groß" den bejubelten Schlussakkord. Bild: Tobias Schwarzmeier
Kultur
Moosbach
11.09.2016
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Tolle Stimmung: Das Publikum geht trotz heißer Temperaturen auf dem Festivalgelände begeistert mit. Bild: Tobias Schwarzmeier

Milow hat ein neues Wort gelernt. Der Belgier, der auch deutsch spricht, nutzt die Dialektversion des Ortsnamens auch gleich, um die Moosbacher anzufeuern: "Los, Mousba." Und das lassen sich die Besucher des Bayern-3-Dorffests auch nicht zweimal sagen.

Mit seiner unverwechselbaren Stimme und anspruchsvollen Texten hat der Pop-Barde die Zehntausenden Festivalbesucher in der kleinen Gemeinde im Landkreis Neustadt/WN an ihrer emotionalen Seite gepackt. Sein intelligenter Akustik-Stil mit Folkeinflüssen - allen voran die traurige Ballade "You Don't Know" oder das Timberlake-Cover "Ayo Technology" - kommt an.

Tag der Sprachkünstler


Es ist ohnehin kein Festival der lauten Töne oder der tobenden Fans, sondern der intelligenten Texte und des entspannten Zuhörens - auch wenn die drei Acts und die Bayern-3-Band ordentlich Gas geben.

Besonders bei Newcomerin Namika, die den besonders heißen Nachmittagstemperaturen trotzen muss. Doch der Auftritt vor dem wohl größten Publikum ihrer jungen Karriere motiviert zusätzlich. Nach ihrer inspirierten Performance ist die Frankfurterin mit marokkanischen Wurzeln passend zu ihrem bekanntesten Titel "Lieblingsmensch" beim Publikum zu eben so einem geworden.

Die Auswahl der Künstler hätte passender nicht sein können. Nicht nur Namika, auch Milow und Headliner Mark Forster ziehen junges Publikum an. So ist das "Dorffest" - ebenso wie in der klassischen Bedeutung des Begriffs - ein Tag für die ganze Familie, der einen würdigen Abschluss bekommt.

Denn auch Forsters Musik lebt von den Texten, wenngleich der Pfälzer sie mit lockerer Bühnenpräsenz und unter anderem mit einer Bläser-Formation aufpeppt. Der Juror von "The Voice Kids" bringt das Publikum - bei angenehmen Temperaturen - mit launigen Sprüchen wie "I asked you to hock" dazu, in die Hocke zu gehen oder bei "Moosbach, springt für mich" zum Mithüpfen. Zum Schluss legt er noch einen drauf: Im Konfetti- und Papierschlangen-Regen sorgen seine Kracher "Wir sind groß" und "Au revoir" für ein grandioses Finale.

Stars haben Spaß


Es ist Milow, Forster wie auch Namika deutlich anzumerken, dass sie sich im 2500-Einwohner-Ort wohlfühlen. Die Singer-Songwriter und die Rapperin zeigen Spielfreude und sind in Plauderlaune. Forster etwa gesteht im Interview, dass er für "Mir san groß", einer überarbeiteten Dialekt-Neuauflage seines größten Hits, einen Bayrisch-Crashkurs verpasst bekam und plaudert darüber, dass er Milow backstage beim Bügeln eines T-Shirts gesehen hat.

Alles läuft in einer familiären Atmosphäre ab, wenn es sich bei unglaublichen 70.000 Festivalbesuchern überhaupt noch davon sprechen lässt. Als erste Oberpfälzer Gemeinde schultert Moosbacher den Event mit kostenlosem Eintritt, der bereits zum achten Mal die Musikfans im Freistaat anzieht. Hunderte Helfer stellen nach dem Gewinn des Wettbewerbs des Bayerischen Rundfunks mit nur zwei Wochen Vorbereitung auf dem Gelände zwischen Moosbach und Saubersrieth ein bemerkenswertes Festival auf die Beine.

"Moosbach ist groß"


Längere Wartezeiten bei der An-und Abfahrt und ein zusammengebrochenes Mobilfunknetz stören nur wenig und sind Herausforderungen, die der Ort mit den großen Musik-Events teilt. Dazu gehört Moosbach am Samstag auch. Am Ende war jeder begeistert vom gemütlichen Groß-Festival im beschaulichen Ort nahe der tschechischen Grenze. Dessen (umgangssprachlicher) Name nun auch über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt wird. Vielleicht sogar in Belgien.

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Dorffest-Splitter



*Besucherrekord und gute Verlierer

Es ist das Sahnehäubchen auf ein gelungenes Fest. Am Abend vermeldeten die BR-Verantwortlichen die Zuschauerzahlen: Die beeindruckenden 70.000 Dorffestgänger sind ein neuer Besucherrekord in der achten Auflage des Formats. Unterstützt von der Polizei hatte die Berechnung mittels einer gerasterten Luftaufnahme ergeben, dass Moosbach das Festival 2015 in Tiefenlesau getoppt hatte. Aus der oberfränkischen Gemeinde angereiste Musikfans nahmen es nicht krumm und feierten fröhlich mit.

*Unsere Leser treffen ihre Stars

Kurz, aber intensiv: Einige Leser hatten durch ein Gewinnspiel des Medienhauses das Glück, ihre Stars bei einem "Meet and greet" persönlich zu treffen. "Ich liebe seine Lieder", freute sich die Weidenerin Michaela Mages (21), die mit Lara Lang (11) Mark Forster begegnete und beigeistert war. "Er ist einfach ziemlich cool." Ähnlich ging es Laura Neuber (Bayreuth), die Milow traf.

*"Ohne jegliche Vorkommisse"

Die Einsatzkräfte lobten das harmonische Miteinander beim Großevent. "Ohne jegliche Vorkommnisse" sei das "unwahrscheinlich friedliche, fröhliche Fest" verlaufen, sagte Martin Zehent, Leiter der Polizeiinspektion Vohenstrauß. Bei den 112 Festivalgängern, die von den 250 BRK-Rettungskräften versorgt wurden, seien laut Sprecher Sebastian Windschügl die meisten wegen Hitze-Folgen behandelt worden. Auch sonst waren die Besucher diszipliniert. Die Ausbeute beim Saubermachen des Parkplatzes laut Angaben von Helfern: nur ein einziger Müllsack.
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