Hoflieferant für das Kaiserhaus

Das Waisenkind Franz Hanauer wuchs in Waltenrieth (Foto) auf und stieg vor 170 Jahren beruflich bis zum königlich-kaiserlichen Hoflieferanten auf. Repro: gi
Lokales
Moosbach
28.10.2015
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Schon sehr früh verlor der vor 210 Jahren in Sägmühle bei Gaisheim (Gemeinde Moosbach) am 31. August 1806 geborene Franz Hanauer seine Eltern. Trotzdem arbeitete er sich in Österreich zu einem vermögenden Industriellen hoch.

Das Waisenkind wuchs bei seinem Onkel in Waltenrieth bei Tröbes auf. Mit 14 Jahren riss er 1820 aus, ging zu Fuß von nach Regensburg und fuhr auf einem Floß weiter nach Wien. An der Grenze musste er wie vorgeschrieben den Besitz von drei Gulden nachweisen. Weil er selbst nicht über diese Summe verfügte, lieh ihm ein mitfahrender Handwerksbursche diesen Betrag zum Vorzeigen. Hanauer kam über die Grenze und arbeitete 13 Jahre in Wien.

Reicher Fabrikant

1833 siedelte er nach Linz über und heiratete dort die Zeugfabrikanten-Witwe Franziska Windpassinger. Dadurch zu selbstständiger Stellung gelangt, verstand Hanauer es dem kleinen und kärglichen Geschäft in kurzer Zeit neuen Aufschwung zu geben. Durch richtige Auswahl der Erzeugnisse, besonders der Güte seiner Waren, gelang es ihm, das Geschäft emporzubringen und für seine Waren ein ausgedehntes Absatzgebiet zu erobern. Als der Betrieb 1845 den Namen "Königlich-Kaiserliche landesprivilegierte Baum- und Schafwollfabrik Franz Hanauer" annahm und Hoflieferant für das Kaiserhaus wurde, war er in die Reihe der ersten Geschäfte von Österreich vorgerückt. Der arme Junge aus Sägmühle hatte sich zu einem reichen Fabrikanten emporgearbeitet.

Die Erfolge Hanauers waren neben seinem Fleiß auf wirtschaftlichen Weitblick zurückzuführen. 1845 stellte er erstmals in Österreich Flaggenstoff her und fand damit ein gutes Absatzgebiet. Den durch die Industrialisierung arbeitslos gewordenen Heimwebern gab er Arbeitsaufträge oder stellte sie in seiner Fabrik an. Sein bester Charakterzug war aber der Sinn für Gemeinnützigkeit und Wohltätigkeit. Er beteiligte sich an der Gründung der Sparkasse, des allgemeinen Krankenhauses, der Kleinkinder-Bewahranstalt, arbeitete in vielen Vereinen und unterstützte sie großzügig.

Die Bevölkerung berief ihn in den Gemeinderat, von 1861 bis 1866 war er Landtagsabgeordneter der Kammer. Von 1858 bis 1867 war er Vizepräsident, von 1867 bis 1869 Präsident der oberösterreichischen Handelskammer, außerdem Zensor und Direktor der Nationalbankfiliale.

Für seine Verdienste verlieh ihm der österreichische Kaiser 1854 das goldene Verdienstkreuz mit der Krone und 1869 den Franz-Josef Orden, mit dem die Erhebung in den Ritterstand verbunden war.

Schwere Krankheit

Die letzten Jahre seines Lebens litt Hanauer an einer schweren Krankheit, die ihn 1869 völlig erblinden ließ. Er starb kinderlos am 26. Dezember 1871. Sein Vermögen vermachte er wohltätigen Stiftungen, sein Haus den Blinden von Linz. Er wurde in einem Ehrengrab auf dem St. Barbara-Friedhof, unweit der Grabstätte des Schriftstellers Adalbert Stifter, beigesetzt. Die Stadt Linz benannte sogar eine Straße nach Hanauer.
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