Integration unterstützen

Beim Begegnungsnachmittag im Pfarrheim lernten sich Asylbewerber und Einheimische kennen. Pfarrer Josef Most (stehend) freute sich über das Ergebnis des Treffens. Bild: gi
Lokales
Moosbach
28.01.2015
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Im Moosbacher Pfarrheim trafen sich 10 von 21 Asylbewerbern zum ersten Mal mit den Einheimischen. Der Begegnungsnachmittag sollte dem Verstehen, der Integration dem Kennenlernen und dem Abbau von Vorurteilen dienen.

"Nehmt einander an", sagte Pfarrer Josef Most bei seiner Begrüßung. Bürgermeister Hermann Ach betonte, dass sich Moosbach der Problematik nicht verschließen und die Integration seiner Asylbewerber unterstützen wolle. Die behördlichen Verfahren sollten aber schneller über die Bühne gehen. Ein besonderes Anliegen sei ihm eine bessere Vermittlung der deutschen Sprache.

Die Leiterin des Sozialamts im Landratsamt, Johanna Meier, sprach rechtliche Dinge an. Sie gab Auskunft über die finanzielle Unterstützung der Asylbewerber. Ein Alleinstehender bekomme zum Beispiel 352 Euro. Der Sozialhilferegelsatz dagegen betrage 399 Euro.

Keine Gratis-Handys

Meier räumte mit dem Vorurteil in der Bevölkerung auf, dass die Asylbewerber für die Benützung der Omnibusse nichts zu zahlen haben. Sie bekommen auch keine Handys gratis zur Verfügung gestellt. Jeder Asylbewerber habe aber Anspruch auf 7 Quadratmeter Wohnfläche.

Pfarrgemeinderatssprecherin Elisabeth Völkl wollte wissen, mit wie viel Asylanten Moosbach im Höchstfall rechnen könne. "40 wären genug für Moosbach", betonte Meier. Aber es komme letztlich auf die weitere Entwicklung an. Rektor Josef Rauch freute sich, dass sich Hausbesitzer in Moosbach den Fremden zuwenden. Dies habe Wohnungsvermieter Dr. Josef Seiler bestätigt. "Es gab bisher keinerlei Probleme."

Rauch verwies auf Papst Franziskus, der sagte, dass die Kirche auf die Armen zugehen müsse. Deshalb freute es ihn, dass Pfarrer Most zu dieser Versammlung eingeladen hatte. Über einige kritische Stimmen in der Bürgerversammlung sei er aber schockiert gewesen. Er dankte Reinhard Wiesent aus Etzgersrieth, der Asylbewerbern kostenlosen Deutschunterricht anbieten will. Der Unterricht soll mindestens einmal wöchentlich im Schulhaus stattfinden. Leider habe sich auf eine Ausschreibung im gemeindlichen Mitteilungsblatt sonst niemand gemeldet.

"Blick über den Zaun"

Rauch war außerdem besorgt über Pegida und betonte, dass die Angst vor einer Islamisierung unbegründet sei. "Vergessen wir unsere Vergangenheit nicht", mahnte der Sprecher und wies unter Anspielung auf die schulische Zusammenarbeit mit Kindern aus Tschechien darauf hin, "dass unsere Kinder einen Blick über den Zaun bekommen müssen".

Anschließend stellten sich die Asylbewerber vor. Auf einer Landkarte erklärten sie ihre Herkunftsländer Kosovo, Mazedonien, Tschetschenien und Aserbeidschan und die persönliche Situation. Die Flüchtlinge dankten für die gute Aufnahme ihrer Familien mit den Kindern in Moosbach. Die Familie aus dem Kosovo freute sich besonders über die dreijährige Arbeitserlaubnis des Vaters in einem örtlichen Betrieb.

Nicht mehr so fremd

Rauch stellte dem Pfarrgemeinderat eine Liste über den Bedarf der Asylbewerber in Aussicht. Pfarrer Most freute sich über das Ergebnis des Nachmittags. Man habe sich gesehen und kennengelernt. Nun sei man sich nicht mehr so fremd. Auch eventuelle Vorurteile konnten etwas abgebaut werden.
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