Jauche eine Quelle des Übels

Wasser gehört niemandem, es ist ein Allgemeingut. Wasser darf in Deutschland keine Handelsware werden, das ist gesetzlich geregelt.
Lokales
Moosbach
25.04.2015
3
0

Wasser ist von Natur aus ein unbelastetes Lebensmittel. Die Gründe für eine Verunreinigung sind vielfältig. Eine Hauptquelle dafür ist allerdings die Landwirtschaft, sagt Manfred Meier vom Wasserwirtschaftsamt Weiden.

So ist in Moosbach die Ausbringung von Gülle im Wasserschutzgebiet nicht verboten. Diese absurde Regelung stammt noch aus den 1970er Jahren, soll nun aber geändert werden, informiert Bürgermeister Hermann Ach. Allerdings hat der Marktrat Ersatzflächen, auf denen Landwirte die Jauche loswerden können, abgelehnt. "Dann wird's schwierig, das ist wenig kooperativ", findet Meier kopfschüttelnd.

Steigende Werte

"Wenn man in Sachen Nitrat zu lange zuschaut, ist das Kind schon in den Brunnen gefallen", meint der Experte. Er ist beim Wasserwirtschaftsamt zuständig für Wasserversorgung und Grundwasserschutz. Steigende Werte in Moosbach machen ihm Sorgen, aktuell ist der Tiefbrunnen mit 40,6 Milligramm pro Liter belastet. Bei 50 ist die Grenze.

Dabei schienen die Zeiten, als es in Moosbach wegen Keimen im Trinkwasser schon fast eine Dauer-Abkochanordnung gab, seit der Quellsanierung 2012 vorbei zu sein. Doch die Gemeinde ist nicht die einzige im Altlandkreis und im Freistaat. 25 Prozent der Landfläche Bayerns weist eine erhöhte Nitratkonzentration auf. Deswegen soll 2016 bundesweit eine neue Düngeverordnung kommen. "Darüber wird zurzeit aber stark diskutiert. Landwirte wollen etwas anderes als Wasserwirtschaft oder die Industrie, die Dünger produziert", räumt Meier ein.

Sauberes Wasser

Doch die Moosbacher müssen keine Angst haben: "Sie bekommen sauberes Wasser", versichert Dr. Thomas Holtmeier, Leiter des Gesundheitsamts Neustadt. Es gibt ausreichend alternative Quellen. Außerdem ist die Zahl der Abkochanordnungen wegen der vielen Maßnahmen zum Wasserschutz in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken. Das Gesundheitsamt kontrolliert die Anlagen regelmäßig, die Qualitätsanforderungen an das Trinkwasser müssen gewährleistet sein. Dennoch: Passieren kann immer etwas, die Wasserversorgungsanlagen sind heute deutlich komplexer als früher.

Einer Verunreinigung auf den Grund zu gehen, ist nicht immer einfach. Mal kann ein Rohrbruch die Ursache sein. Eine bodennahe Quelle reagiert empfindlicher als ein 200 Meter tiefer Brunnen. Auch Alter und Zustand der Infrastruktur beeinflussen die Qualität. Ein weiteres Problem sieht Meier in der mangelnden Akzeptanz in der Bevölkerung. Einige lagern im Wasserschutzgebiet Abfall ab oder bauen dort. Schuld sein können außerdem Häuslebauer und der Dünger im Garten, ebenso veraltete Kanalnetze oder Kläranlagen.

"Klärschlamm ist ein Buch mit sieben Siegeln. Wir wissen, was in die Kanäle geht, alles finden wir im Grundwasser wieder, sei es Arzneimittel oder Plastik", sagt der Mann vom Wasserwirtschaftsamt. Er plädiert daher für die Verbrennung des Schlamms statt Wiederverwertung. Das Thema Plastik ist noch relativ neu, wird in Fachkreisen aber bereits diskutiert, fügt Holtmeier hinzu.

Aufgabe für die Zukunft

Grundwasserschutz ist eine tägliche Herausforderung und kostet Geld. "Nachsorge ist schlechter als Vorsorge", weiß Meier. Landwirte müssen wirtschaftlich denken, Bürgermeister ans Allgemeinwohl. "Das ist ein großes Spannungsfeld. Wasser gehört niemandem, es ist ein Allgemeingut. Wasser darf in Deutschland keine Handelsware werden, das ist gesetzlich geregelt", betont er. "Die Wasserversorgung ist immer eine Aufgabe der Zukunft und in der Region auf lange Zeit gesichert." Seine Behörde prüft ständig, wo es Ressourcen gibt, oder weist Vorrangebiete aus. (Angemerkt/Hintergrund)
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.