Schrecklicher Blutzoll

Lokales
Moosbach
29.01.2015
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Die Geschichte des Markts und der umliegenden Gemeinden Anfang des 20. Jahrhunderts ist geprägt von den vielen Opfern, die der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) forderte. Aber auch von der schrittweisen Elektrifizierung und manch anderem Fortschritt. Die "Post-Marie" spielte eine besondere Rolle.

Jahrhunderte gehörte der Ort zu den wichtigsten Viehmärkten der nördlichen Oberpfalz. Anfang des 20. Jahrhunderts schuf die Eisenbahn neue Verkehrsachsen. Moosbach war plötzlich nicht mehr interessant für die Viehhändler. Markttage mit über 1000 Stück Vieh gehörten der Vergangenheit an.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs kam der Viehmarkt ganz zum Erliegen. Man hatte schnell andere Sorgen, denn nun gingen fast wöchentlich von der Front die Todesmeldungen von Vätern und Söhnen ein. Großes Leid erfasste alle. So fielen 1915 die Moosbacher Ambros Bauridl (32 Jahre), Michael Hierold (18) und Josef Lang (20). In Burgtreswitz waren Michael Hierold, Josef Hammerl (19) und Andreas Völkl (22) zu beklagen. Albert Vogl (27) aus Pfaffenrieth fiel am 16. April 1915 in Frankreich. Georg Dobmeier aus Gebhardsreuth erlitt am 15. Juli 1915 den Heldentod, auch Josef Kleber (21) aus Heumaden starb. Schwer erwischte es das kleine Gaisheim. 1915 kamen Martin Bäumler, Josef Bäumler (22) und Johann Baptist Dobmeier (28) nicht zurück. Tröbes trauerte um Josef Bauer (38) und Dionys Völkl (21), Saubersrieth um Michael Ärmer. Diese 15 Toten waren nur der Auftakt des Wahnsinns. 80 Männer aus der Gemeinde Moosbach sollten von 1916 bis 1918 ihrem Schicksal folgen.

Hohe Geburtenrate

Kriegszeiten mit hohen Sterberaten haben auch viele Geburten zur Folge. An den Volksschulen Moosbach, Heumaden, Tröbes und Etzgersrieth wurden über 520 Kinder unterrichtet. Klassen mit 70 bis 80 Kindern waren keine Seltenheit. Die Lehrer mussten Schwerstarbeit leisten, denn es herrschte chronischer Personalmangel. In Moosbach unterrichteten Karl Hennemann, Philipp Zölch, Michael Friedrich und einige Hilfslehrer. Hennemann starb am 1. Mai 1915. In Tröbes und Heumaden arbeiteten die Lehrer Max Kölbl und Ida Beer.

Seit 1906 führte Pfarrer Joseph Staab die rund 2000 Seelen große Pfarrei Moosbach. Hektik kannte der Gemeinderat damals nicht. Für den verstorbenen Feuerbeschauer Hölzl aus Eslarn wurde Maurermeister Lorenz Sieder aus Vohenstrauß neu bestellt.

1914 erreichte das Stromnetz der Naabwerke endlich auch Moosbach. Der Rathaussaal, der Flur und das Zimmer des Polizeidieners konnten deshalb 1915 mit 5, 16 und 25 Watt starken Lampen ausgestattet werden. Auch die Brotladenpächterin Walburga Schweigl erhielt zwei Elektrolampen, damit sie ihrer wichtigen Aufgabe, der Versorgung der Bürger mit Brot, besser nachkommen konnte.

"Die zur Untersuchung vorzuführenden Stiere müssen künftig frei von alten Schmutzkrusten sein, widrigenfalls sie von dem untersuchenden Tierarzt zurückgewiesen werden können", beschlossen die Gemeinderäte in der Sitzung am 24. Januar 1915. Aus dem 6-köpfigen Gremium wurde am 13. Februar der Schleifwerkbesitzer Anton Hanauer als Distriktsrat (heute Kreisrat) gewählt.

Langsam wurden wegen des Kriegs die Lebensmittel knapper. Der Gemeinderat beschloss deshalb am 27. September 1915: "Kaufleute, Metzger, Mehlhändler, Bäcker und zum Verkauf von Gegenständen des täglichen Lebens berechtigte Personen haben in ihren Verkaufsräumen eine Übersicht über die Preise für die Käufer anzubringen. Wollen die Gewerbeberechtigten eine Erhöhung ihrer Preise eintreten lassen, so ist es 14 Tage vorher der Gemeinde anzuzeigen."

In den Steuerausschuss wurde der Ökonom und Gastwirt Johann Schön gewählt. Mitglieder des Armenpflege-Ausschusses wurden Johann Schötz, Michael Hochreiter und der Ökonom Adam Ziegler. Für den erkrankten Flurwächter Karl Karges wurde der Inwohner Michael Bauer mit einem jährlichen Gehalt von 75 Mark bestellt. Dieser hatte auch die Pflicht, den Gemeindewald am Tröbesbach zu pflegen.

"Sehr gewissenhaft"

Keine Bedenken hatte der Gemeindeausschuss am 4. Mai 1915, dass die Postagentur-Hilfe Maria Eckert weiterhin beschäftigt wird. "Sie genieße das Vertrauen der Bevölkerung, weil sie ihre Funktion sehr gewissenhaft versieht", schrieb die Gemeindeverwaltung an die Postdirektion. Eckert arbeitete bis 1927 als Postagentin und war allgemein unter dem Namen "Post-Marie" bekannt. Diesen Namen behielt sie auch bei, nachdem sie 1929 den Schmiedemeister Franz Selch geheiratet hatte.
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