Familie aus dem Kosovo
Abschiebung mitten in der Nacht

Zwei Jahre verbrachte Arton Krasniqi mit seiner Familie in Moosbach. Vor Kurzem mussten sie zurück in den Kosovo. Bild: hfz
Politik
Moosbach
06.10.2016
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Arton Krasniqi war in Moosbach sehr beliebt, nicht nur wegen seiner Gewürzsemmeln. Seit drei Wochen sind er, seine schwangere Ehefrau und die beiden Kinder jedoch wieder in Pristina im Kosovo.

Der Flüchtling hatte mit seiner Familie zwei Jahre in der Gemeinde gelebt und in einer Bäckerei gearbeitet. Kunden und Geschäftsinhaber schätzten den Mann. Die Abschiebung erfolgte mitten in der Nacht. Kurz nach der Ankunft in der Heimat schilderte Krasniqi einem Bekannten in Moosbach am Telefon den Hergang: Um 1.30 Uhr seien er und seine Frau von lautem Klopfen und Stimmen geweckt worden.

Angeblich 40 Polizisten


30 bis 40 Polizeibeamte sollen vor der Tür gestanden sein und sie aufgefordert haben, innerhalb von 30 Minuten die Koffer zu packen. Sie würden abgeschoben. Eine endgültige Entscheidung über ihren Verbleib in Deutschland habe es jedoch nicht gegeben. Den Behörden soll eine ärztliche Bescheinigung über die Transportunfähigkeit der Frau vorgelegen haben.

Oliver Hempfling, Pressesprecher der zuständigen Zentralen Ausländerbehörde (ZAB) Oberfranken in Bayreuth, nahm auf NT-Nachfrage zu dem Fall Stellung. Die Familie sei ausreisepflichtig gewesen: die Frau seit 18. Juli, der Mann seit 17. August und die Kinder seit 12. April beziehungsweise 18. Juli.

Optionen nicht genutzt


Die ZAB habe den Krasniqis mehrmals die Gelegenheit zur freiwilligen Ausreise eingeräumt und auch finanzielle Unterstützung angeboten, was sie nicht angenommen hätten. Zudem habe es die Möglichkeit gegeben, über ein Visum erneut einzureisen, da sich der Ehemann in einem Arbeitsverhältnis befand. "Auch diese Option wurde nicht wahrgenommen."

Da der Kosovo als sicheres Herkunftsland gilt, hätte die Familie seit März in die zuständige Aufnahmeeinrichtung nach Bamberg umziehen müssen, was sie aber nicht getan habe. Sechs Beamte der Polizeiinspektion Vohenstrauß hätten sie daher um 1.30 Uhr abgeholt, vier davon fuhren mit nach Bayreuth, der Aufbruch erfolgte um 3.20 Uhr.

"Da die Frau schwanger war, musste vor der Abschiebung die Reisefähigkeit bestätigt werden. Hierzu begleitete ein Justizarzt die Vertreter der Zentralen Ausländerbehörde, um vor Ort die Reisefähigkeit nach Bayreuth zu bescheinigen." Dort habe das Gesundheitsamt bestätigt, dass die Frau mit dem Flugzeug in den Kosovo reisen könne. Von Bamberg aus seien die Krasniqis danach mit weiteren Personen nach München zum Flughafen gebracht worden.

Zu der ungewöhnlichen Uhrzeit der Polizeiaktion äußerte sich Hempfling ebenfalls: "Aufgrund der Schwangerschaft von Frau Krasniqi war die Reisefähigkeit zu bescheinigen. Dies wiederum musste unmittelbar vor der Rückführung erfolgen, ansonsten hätte sich bis zur Abreise ja wieder etwas ändern können. Da die Familie für die Rückführung nach Bamberg verbracht werden musste, ergab sich ein sehr langer Vorlauf. Eine Unterbrechung der Rückführung war nicht möglich, da dies einer Ankündigung der Abschiebung gleichkäme. Eine solche Ankündigung ist gesetzlich aber unzulässig. Nach Ablauf der Frist zur freiwilligen Ausreise darf der Termin der Abschiebung dem Ausländer nicht angekündigt werden."
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1 Kommentar
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Helmut KRECKL aus Nabburg | 07.10.2016 | 17:50  
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