Familie Sauer stellt Landwirtschaftsminister Brunner ihren Betrieb vor
Kulturgut zum Aufessen

Minister Helmut Brunner hatte keine Scheu, die Rinder zu füttern. Erika Sauer (links, neben ihm) hatte dabei auch sichtlich Spaß. Bild: Götz
Politik
Moosbach
01.08.2016
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Burgtreswitz. Zwei Hauptdarsteller macht Erika Sauer beim Besuch des Landwirtschaftsministers Helmut Brunner auf ihrem Mutterkuhbetrieb aus: zum einen den Politiker und zum anderen den Bullen "Salvator", der für die Pressefotos bereitsteht. Allerdings rückt dann doch die eloquente Dame selbst immer mehr in den Mittelpunkt. Dabei gibt sie dem Politiker zwei konkrete Forderungen mit auf den Weg nach München.

Seit Jahresbeginn schaut sich der Minister einmal im Monat bei Betrieben im Freistaat um. Dabei will er sich davon überzeugen, wie der "Bayerische Weg" mit zahlreichen Programmen in der Landwirtschaft in die Praxis umgesetzt wird. Leitziel ist der Erhalt einer flächendeckenden Landbewirtschaftung durch möglichst viele Familienbetriebe.

In Burgtreswitz informiert sich Brunner am Montagvormittag über die Situation der Mutterkuhhalter und Fleischrinderzüchter sowie die Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen. Der Betrieb der Familie Sauer züchtet die Rasse Rotes Höhenvieh und vermarktet das Fleisch über eine bäuerliche Schlachtgemeinschaft. "Wir waren eigentlich Hobby-Ranger. Die Pferde haben mich und meinen Mann zusammengebracht", empfängt Sauer den Minister mit einem kleinen Blick in die Familiengeschichte. Bis vor 16 Jahren hätte sie es sich niemals vorstellen können, dass "ich einmal Bäuerin werde". Bis dahin beherbergte der Familienhof fast nur Pferde. Später folgten drei Kühe. Mittlerweile kümmern sich Erika und Günter Sauer um 80 Rinder, darunter 25 Mutterkühe. Im Jahr schlachten sie 12 Bullen. Dazu bewirtschaften die Burgtreswitzer 45 Hektar, überwiegend Grünland. Die Tiere sind im Sommer hauptsächlich auf der Weide.

Nur Nachtschicht


Damit die beiden das alles im Nebenerwerb stemmen können, packen auch die zwei Kinder und vor allem der "geländegängige Opa" Hans Roßmann, mit an. Damit ist sichergestellt, dass Erika Sauer weiter am Finanzamt (70 Prozent) und ihr Mann als Kunststofftechniker ("Nur Nachtschicht, damit habe ich am Tag Zeit für den Hof") arbeiten können. "Und wann schlafen Sie dann?", ist Brunner beeindruckt.

Sich auf mehrere Standbeine zu stellen, sehe er als zukunftsweisend, denn dadurch würden Nischen bedient. Dazu passe auch die Vermarktung der eigenen Produkte. "Wir haben uns mit dem Roten Höhenvieh für etwas ganz besonders entschieden. Diese Tiere gehören schon immer zu unserer Region. Wir vermarkten ein Kulturgut zum Aufessen", rührt Erika Sauer sogleich die Werbetrommel. Um aber weiter sehr gute Qualität anbieten zu können, sei es nötig sich weiterzuentwickeln. Daher weist die Bäuerin bei der Besichtigung des neuen Weideunterstands darauf hin, dass der Wolf immer näher komme. Daher müssten unbedingt die Zäune höher werden. Und dafür sei eine entsprechende Förderung nötig.

Im Schlachthaus der Bäuerlichen Schlachtgemeinschaft Moosbach-Waidhaus angekommen, zeigt Sauer ein weiteres Problem auf. Grundsätzlich sollte alles von der Nase bis zum Schwanz verarbeitet werden. Allerdings sei momentan keine hundertprozentige Verwertung möglich, da eine Schlachtgemeinschaft nicht in einen Zerlegebetrieb liefern darf. "Das wäre für uns aber lebensnotwendig." Diesen Fall verspricht Brunner, auf Arbeitsebene in den Ministerien bearbeiten zu lassen.

Wie regionale Vermarktung funktioniert, erfährt Brunner im Landhotel "Zum Goldenen Kreuz" in Saubersrieth. Dort kommen die Produkte der Familie Sauer auf den Tisch. Bei der Abschlussdiskussion bittet Erika Sauer den Minister, dass er sie mit ihren Nöten nicht vergessen solle. Offenbar hat die Burgtreswitzerin den CSU-Politiker aber schwer beeindruckt. "Das ist bei Ihnen bestimmt nicht der Fall", versichert er ihr.

Wann schlafen Sie dann?Minister Helmut Brunner zum Arbeitspensum der Familie Sauer


Auf mehrere Standbeine stellen


"Nicht nur Pandas, Nashörner oder Tiger sind vom Aussterben bedroht. Auch die Vielfalt bei den Rinderrassen ist ein Aspekt der Biodiversität, und alte Rinderrassen wie das Rote Höhenvieh sind ein erhaltenswertes Kulturgut", zieht Landwirtschaftsminister Helmut Brunner nach der Besichtigungstour des Betriebs der Familie Sauer ein Fazit. Bayern fördere daher den Erhalt von sechs Rinderrassen, und es gebe auch schon erste Erfolge. So sei beim Roten Höhenvieh die Zahl der Rinder von 329 (2007) auf 985 und die Zahl der Kühe von 137 auf etwa 374 Stück gestiegen.

Einen wichtigen Beitrag würden die Züchter und Mutterkuhhalter leisten. "Mein Ziel ist es, dass diese besondere Form der Rinderhaltung auch dauerhaft die verdiente höhere Wertschätzung erfährt", erklärt Brunner. Landwirtschaftliche Zukunftsbetriebe seien für ihn auch jene, die sich auf mehrere Standbeine stellen. Dazu gehöre auch die Vermarktung. Als natürliche Partner sieht der Minister die Hotellerie und die Gastronomie als Schaufenster regionaler Produkte. Beide Seiten könnten voneinander profitieren.


Es kommt nicht nur auf die Größe an


Das Thema Milchviehhaltung bringt Josef Fütterer, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, beim Besuch des Landwirtschaftsministers kurz auf die Tagesordnung. Konventionelle Betriebe hätten es schwer, sich ein zweites Standbein aufzubauen. Denn dies sei arbeitstechnisch einfach nicht zu leisten.

Helmut Brunner stellt klar, dass sich nicht alle Höfe erneuern müssten, aber "unternehmerische Flexibilität ist gefragt". Dies müssten auch die Fachschulen vermitteln. Es reiche nicht mehr aus, nur immer weiter zu vergrößern. "Größe stellt nicht die Antwort auf alle Probleme dar." Junglandwirte müssen nicht nur das Produzieren, sondern auch die Vermarktung vermittelt werden. "Wir, aber auch die Milchbetriebe müssen uns dem Markt anpassen. Ich kann nicht immer so weitermachen wie immer. Das Landwirtschaftsministerium bestimmt nicht den Milchpreis", plädiert Erika Sauer für Veränderungen.
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