500 Jahre Reinheitsgebot
Schwerstarbeit für kühles Bier

1900 wurden die Brauerei, das Wohnhaus und das Gastzimmer erneuert. Das stattliche Bodensteiner-Haus war auf dem Dorfplatz dominant, denn die Ortskirche stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Repro gi
Vermischtes
Moosbach
09.06.2016
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Bis 1556 gehen die ersten Aufzeichnungen über das Bierbrauen im Moosbacher Land zurück. Da war das Reinheitsgebot gerade 40 Jahre alt. Insgesamt gab es sieben Braustätten.

Tröbes. 1867 kam der ehemalige "Schmuckerhof", Hausnummer 22, mitsamt Bierausschankrecht in den Besitz des Johann Bodensteiner und seiner Ehefrau Barbara. Schon 1843 betrieb Franz Preßl und 1765 ein gewisser Schmucker in dem Anwesen eine Gastwirtschaft. 1886 gründete Johann Bodensteiner eine Brauerei. Laut Protokoll eines Zollbeamten soll es die kleinste und modernste in der Oberpfalz gewesen sein.

Pro Sud 24 Hektoliter


Pro Sud wurden 24 Hektoliter Bier hergestellt. Kunden waren die Wirtschaften in Etzgersrieth, Rückersrieth und Gaisheim. Beliefert wurden auch die Arbeiter der Schleif- und Polierwerke entlang des Tröbesbachs. Tröbes mit Waltenrieth hatte damals mehr als doppelt soviel Einwohner wie heute. Der Gerstensaft kam in Holzfässer und Ein-Liter-Flaschen. Wenn abgefüllt wurde, mussten junge, kräftige Burschen die große Luftpumpe drehen, die den nötigen Fülldruck erzeugte. Der Lohn der harten Arbeit war nicht Geld, sondern flüssiges Brot: das Bier.

1900 wurden Wohn-, Gast- und Brauhaus umgebaut. Wo sich heute der große Saal befindet, waren damals Brauhaus, Backofen und Fleischgewölbe untergebracht. Auf der gegenüberliegenden Seite waren das Gastzimmer und die Küche. Im ersten Stockwerk befanden sich ein Tanzsaal, weitere Brauhausräume und Zimmer.

Der Brauerei mit Gasthof waren auch ein Schlachthaus und sogar eine Bäckerei angegliedert. Bezeichnungen für die damaligen Räumlichkeiten wie "Backstubn" und "Fleischbank" sind bei der älteren Generation auch heute noch gebräuchlich. 1904 erhielt die Brauerei einen neuen Eiskeller. Das Eis wurde im Winter aus dem Hammerweiher Waltenrieth gewonnen. Die Eisblöcke wurden in Schwerstarbeit zum Bierkühlen in den Untergrund gebracht. Dadurch konnte nun auch im Sommer Bier hergestellt werden.

1968 abgerissen


Die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg hinterließen in Tröbes tiefe Spuren. Zwangswirtschaft, Energie- und Rohstoffmangel führten trotz guter Absatzlage dazu, dass am 15. November 1944 der letzte Sud gebraut wurde. 1968 wurde das noch gut erhaltene Brauhaus abgerissen. An seine Stelle kamen ein Saal und Fremdenzimmer.
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