500 Jahre Schützenwesen in Moosbach
Schwein gehabt

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Moosbach
09.07.2016
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1516 hat nicht nur mit dem Bier-Reinheitsgebot, sondern auch mit dem Schützenwesen im Raum Moosbach zu tun. Denn in diesem Jahr rekrutierte der Pfleger Georg von Brand zu Burgtreswitz junge Männer aus der Umgebung, um sie für die Landesverteidigung auszubilden.

Akribisch listete er in seinem Protokoll von 1516 die Namen der Schützen und ihre Waffen auf. Da erscheinen Namen, die es heute noch in der Moosbacher Gegend gibt, wie Bader, Beck, Bernhard, Dobmayer, Feil, Fleischmann, Hagn, Hechtl, Hirmer, Hochwart, Krämer, Lederer, Reger, Schimmel, Schmid, Schuster oder Zwack.

Da ist die Rede von Waffen und Kleidern wie das Lederhäubel oder der Eisenhut als Kopfbedeckung, dem Goller (lederner Hals- und Schulterschutz, dem Krebs (eiserner Brustpanzer), dem Lederhandschuh und dem Armzeug (schützte die Arme durch Eisenschienen).

Die Bewaffnung richtete sich nach dem Besitz. Die einfachste Form war das Messer. Es gab aber gefährlichere Dinge wie das handliche Kreuzschwert oder die Hellebarde, deren Träger man die Spießbürger nannte. Die mittelalterliche Armbrust war in Moosbach schon sechs Jahre später, nämlich 1522, nur noch mit drei Exemplaren vertreten, denn die Feuerwaffen (Büchsen) waren auf dem Vormarsch. 23 Stück davon gab es in dieser Zeit schon in Moosbach.

Name für Gewerbegebiet


Streng achtete der Pfleger darauf, dass die Schützen für den Ernstfall bestens ausgerüstet und auch fit waren. In Musterungen, auch "Harnischbeschau" genannt, verschaffte er sich ein Bild über seine Truppe. Alles war bis ins letzte Detail reglementiert.

Das Ganze gipfelte in einer Schützenordnung mit ihren alles regelnden 40 Paragrafen mit Geboten und Verboten, die der Landesherr Kurfürst Maximilian Emanuel am 13. März 1681 für den kurfürstlichen Markt Moosbach erließ. Als Schieß- und Übungsplatz diente ein großes Grundstück (heute Gewerbegebiet) am Ortseingang von Moosbach aus Burgtreswitz kommend. Noch heute trägt das Gelände den Flurnamen "Schießtrath".

Ursprünglich dienten die Schützen der Landesverteidigung. Zunehmend aber nahm die gesellschaftliche Bedeutung zu und es bildeten sich Schützengilden. Nur ein Bürger konnte der Gilde angehören. Der Bürgerstolz zeigte sich im öffentlichen Auftreten als Angehöriger einer Schützenbruderschaft oder bei den glanzvollen Schützenfesten. Nach dem Vorbild der großen Städte Prag und Nürnberg feierten später auch kleinere Orte wie Eger, Sulzbach oder Amberg und schließlich Weiden (1526) und auch Moosbach (1568) Schützenfeste. 1586 holte sich der Weidener Bürger Michl Nürnberger den ersten Preis: einen Ochsen und zwei Golddukaten.

Viele Sprichwörter stammen aus dieser Zeit. Um die Freude am Schießen zu heben, wurden von der Obrigkeit "Vorteilsgelder" gegeben, die als Preise bei den Hauptschießen im Frühjahr und Herbst verteilt wurden. Der beste Schuss wurde mit einer ansehnlichen Summe prämiert. Die Staffelung ging hinab bis zu Preisen, die "keinen Schuss Pulver wert" waren. Oft wurde auch derjenige, der den schlechtesten Schuss tat, übermäßig hoch belohnt: er bekam ein Schwein. Das Schießen wurde nach strengen Regeln durchgeführt. Wer sich nicht an sie hielt, der verlor sein Gewehr. Im Allgemeinen durfte jeder 18 Schüsse abgeben. Wer "über das Ziel hinausschoss", ärgerte sich über den verschwendeten Schuss.

In den vier Schützenvereinen der Marktgemeinde werden die inzwischen 500 Jahre alten Traditionen des Moosbacher Schützenwesens auch noch heute gepflegt. Leider haben es die Schützenvereine verpasst, das 500-Jährige, gebührend zu feiern, so wie es die Nachbarn in Pleystein heuer tun.
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