Geschichte der Schlossbrauerei in Burgtreswitz
Nur der Hopfenanbau floppt

Die Aufnahme (etwa 1920) zeigt den südöstlichen Flügel des Schlosses Burgtreswitz, in dem sich die Brauerei befand. Die beiden Fabrikschlöte sind schon lange verschwunden. Repro gi
Vermischtes
Moosbach
18.08.2016
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In der Gemeinde Moosbach gab es früher die Brauereien Scheuerer in Gaisheim, Bodensteiner in Tröbes, Bock in Heumaden, die Kommunbrauerei Moosbach und die Schlossbrauerei in Burgtreswitz. Letztere war die größte dieser fünf. Sie versorgte ein Gebiet mit einem Kundenkreis von 60 Gastwirten.

Burgtreswitz. Die Schlossbrauerei bot außerdem das weithin am besten gekühlte Bier an. Denn mit dem Bierkeller im Schloss und dem 30 Meter langen Bierkeller in Haus Nummer 57 (unterhalb TV-Dirscherl) hatte man immer ideale Lager-Temperaturen.

Der kleine Ort Burgtreswitz hatte früher ein eigenes, jedoch sehr beengtes Brauhaus. Mit der Verlegung des Landgerichts von Burgtreswitz nach Vohenstrauß zu Beginn des 19. Jahrhunderts änderte sich die Situation schlagartig, denn das Königreich Bayern verkaufte das Schloss.

Braurecht übertragen


Über Umwege wurde der Schmied und Gastwirt Adam Ulrich Teileigentümer. Er kaufte kurze Zeit später das Burgtreswitzer Kommunbrauhaus mit der kompletten Ausstattung an Braupfannen, Maischekesseln, Kühleinrichtungen und brachte diese ins Schloss. 1817 ließ sich Ulrich seine Braurechte auf das Schloss übertragen und eröffnete dort eine Brauerei mit Gastwirtschaft.

Doch schon nach einigen Monaten trat er die Liegenschaft für 3500 Gulden an den Nachbarn Georg Bodensteiner ab. Dieser verkaufte sie am 4. August 1819 für 6700 Gulden weiter an den Braumeister Wolfgang Schön aus Biberach. Dieser war mit seiner Tochter verheiratet.

Wolfgang Schön war bis 1864 Eigentümer der Brauerei und Ökonomie. Seit der Übernahme des Anwesens aus der Hand seines Schwiegervaters hatte er sein Vermögen erheblich erweitert. 1854 wurde er auch noch Schleifwerkbesitzer und betrieb mit einem Geschäftspartner eine Glashütte.

Bei einer Kontrolle stellte aber das Landgericht Vohenstrauß 1854 fest, dass Schön die Schlossbrauerei seit 1819 betrieb, ohne eine behördliche Konzession zu besitzen. Er konnte aber nachweisen, 1836 in Roding als Braumeister zugelassen worden zu sein. Nach 35 Betriebsjahren in Burgtreswitz erhielt er schließlich nachträglich die Konzession.

1861 geriet Schön nochmals in Bedrängnis, als ihm das Landgericht die "hohe Genehmigung" für die Erzeugung und Weitergabe von "weißem Gerstenbier" nicht erteilen wollte. Da stand ihm die "Landgemeinde-Verwaltung Burgtreswitz" mit einem Zeugnis vom 19. Juli 1861 zur Seite.

"In Burgtreswitz und Umgebung befinden sich viele Fabrikarbeiter in den Glaspolieren an Pfreimd, Zott und Tröbesbach", erklärte darin Bürgermeister Bayer. Er bestätigte dem Landgericht: "... denn vielmehr ist es etwas Gutes für die vielen Fabrikarbeiter, welche sich in hiesiger Gemeinde und auch in der Umgebung befinden, bei den hohen Lebenshaltungskosten, sich Bier nicht kaufen zu können. Durch das wesentlich billigere weiße Gerstenbier, das sie eher kaufen können, würde sich ihr Lebensunterhalt verbessern." Die Erteilung der Genehmigung zur Erzeugung von weißem Gerstenbier an Braumeister Schön sei deshalb ein wirklich dringliches Bedürfnis und diene dem Wohl der vielen Fabrikarbeiter und der armen Klasse. Schön erhielt daraufhin die Genehmigung.

Im Dezember 1864 übergab Wolfgang Schön sein Anwesen und den Betrieb an seinen Sohn Michael Schön für 8000 Gulden. Michael Schön war durch und durch Geschäftsmann. Er modernisierte die Brauerei und Schlossgastwirtschaft und erweiterte den Kundenkreis. Immer wieder suchte er nach neuen Lager- beziehungsweise Kellerräumen für sein Bier.

Tanzhalle und Kegelbahn


Zur Reduzierung der Betriebskosten versuchte er den Anbau von Hopfen an der Straße von Burgtreswitz nach Altentreswitz. Erfolge stellten sich aber nicht ein. Ohne fränkischen Hopfen ging es auch in der Schlossbrauerei nicht. Heute noch wächst in den Straßengräben zwischen Burgtreswitz und Altentreswitz "wilder Hopfen" aus dieser Zeit auf die daneben stehenden großen Bäume.

1902 errichtete Michael Schön eine neue Bierhalle mit Remise auf dem Anwesen Haus Nummer 2 nördlich des Schlosses. 1907 übernahm Sohn Johann Schön, der ebenfalls Braumeister war, die Brauerei und Ökonomie. 1911 richtete dieser im Schloss eine Mälzerei, Kühlschiffe und Maischbottiche ein. 1918 legte er einen Eiskeller im Südflügel unterhalb der früheren Schlosskapelle an.

1925 wurden im Schlossgarten eine Tanzhalle und Kegelbahn errichtet. Burgtreswitz war an den Wochenenden ein gern besuchter Gastronomiebetrieb. 1928 überschreibt Johann Schön den ganzen Besitz seiner Tochter Adelheid, die den Bauernsohn Georg Kick aus Pischeldorf geheiratet hatte.

Die Verhältnisse im Schloss wurden für den Betrieb von Brauerei und Ökonomie nun immer schwieriger. Die Unterhaltungskosten des Schlosses waren nicht mehr aufzubringen. Das Schloss verfiel immer mehr. Deshalb überließen Adelheid und Georg Kick ihren Eltern beziehungsweise Schwiegereltern Mathilde und Johann Schön im November 1937 die Gebäude und zogen 1939 in den neuerbauten Aussiedlerhof an der Vohenstraußer Straße um. Als Johann Schön, der in der dritten Generation den Schlossbetrieb führte, im Juni 1938 starb ging das seit 1817 bestehende Braugewerbe im Schloss Burgtreswitz zu Ende.

Foyer statt BrauereiBei den seit 30 Jahren laufenden Sanierungsarbeiten durch die Gemeinde Moosbach und dem Förderverein Schloss Burgtreswitz waren auch die Räume der früheren Brauerei betroffen. Heute befinden sich der neue Saal, das Foyer und der Personenaufzug dort, wo sich früher die Brauerei befand. Der Förderverein hat sich aber zur Aufgabe gemacht, in diesem Bereich durch Bilder und Gegenstände an die 120-jährige Brauereizeit zu erinnern. (gi)
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