Hopfenzupfen in die Holledau und im Hersbrucker Land
Hopfenernte in Moosbacher Hand

Das Foto zeigt die Hopfenzupfer aus Moosbach im Jahr 1931. Dabei war auch Johann Beugler aus Grub (hinten, Zweiter von rechts). Repro: gi
Vermischtes
Moosbach
16.11.2016
79
0

Das Jubiläum "500 Jahre Reinheitsgebot" deckt auch unangenehme Geschichten auf: Es wird an die Not der vielen Frauen und Männer erinnert, die es im 19. und 20. Jahrhundert aus der Oberpfalz zum Hopfenzupfen in die Holledau oder ins Hersbrucker Land trieb.

Dort erwartete sie harte Arbeit und je nach Hopfenbauer sehr oft auch schlimme Lebensbedingungen. Die Hopfenzupfer traten immer zwischen 29. August und 10. September in den Dienst ein und zwischen 25. September und 2. Oktober wieder aus.

Dann hatten sie sich ein "kleines Vermögen" erarbeitet, dass ihnen für einige Zeit wieder weiterhalf. Je mehr "grünes Gold" (Dolden) sie in den Hopfenkorb, oder auch Metzen genannt, warfen, desto mehr Marken erhielten sie von den Hopfenbauern. Am Ende des Tages oder oft auch erst am Ende der Erntezeit wurden die Marken in Bargeld umgetauscht. Ganz fleißige Helfer erhielten als Lohn und als Anreiz Getränkefreimarken.

Die Hopfenpreise waren früher sehr großen Schwankungen unterworfen. 1893 kostete der Zentner 140 bis 300 Mark, und ein Jahr später nur mehr 30 bis 90 Mark. Das drückte die Stimmung der Bauern und folglich auf die Arbeitslöhne der Hopfenzupfer.

Anreise mit Eisenbahn


Diese reisten gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit den neuen Eisenbahnen in die Anbaugebiete. Die Moosbacher Hopfenzupfer bestiegen die Lok im drei Kilometer entfernten Lohma. Sie mussten mehrmals umsteigen, bis ihr Zug endlich in die Bahnhöfe in Geisenfeld oder Vohburg einfuhr. Dort erwartete die "Zupfianer" schon der Bauer mit seinem eisenbereiften Brückenwagen, um sie zum Hopfengarten zu bringen.

Je nach Bauer wurden die Arbeiter gut oder schlecht versorgt. Nach getaner Arbeit freuten sie sich auf das Hopfenzupfermahl, das traditionell aus Nudelsuppe und Schweinebraten bestand. Danach fielen die Hopfenzupfer müde und abgekämpft in die Betten oder ins Heu. Die schönsten Erinnerungen verbanden sie mit dem Essen am Ende der Kampagne. Davon wurde schon in den letzten Tagen gesprochen. Wenn sich die Rebenreihen mehr und mehr lichteten und schließlich nur noch eine Rebe zwischen den kahlen Stangen hing, waren alle Mühen der vergangenen Wochen vergessen.

Die lange Abreißstange des Hopfenmeisters wurde mit der letzten Rebe geschmückt. Den Mädchen wurden Hopfensträuße überreicht und Kränze aufgesetzt. Dann ging es zur Wohnstube des Bauern, der schon am Tisch saß und die von den Zupfern während der Ernte gesammelten Metzenzeichen in bare Münze umtauschte. In der Scheune feierten alle später den glückliche Abschluss der Ernte.

In den Archiven vieler Hopfengemeinden existieren keine Listen mehr, die Auskunft über die Herkunft der damaligen "Gastarbeiter" geben. Aus Unterlagen der kleinen Hopfengemeinde Hubmersberg bei Hersbruck können aber interessante Schlüsse gezogen werden, die auch repräsentativ für die anderen Hopfen-Orte sind. Dorthin kam 1889 und in den folgenden Jahren der Großteil der 94 Hopfenzupfer aus der Oberpfalz und aus böhmischen Grenzgemeinden. Die meisten Oberpfälzer, nämlich 53 Fremdarbeiter, reisten aus dem Altlandkreis Vohenstrauß an, und davon wiederum 25 aus Moosbach, 8 aus Niederland, 4 aus Gröbenstädt und 3 aus Burgtreswitz. Die dortige Hopfenernte war also fast in Moosbacher Hand. 1907 arbeiteten in Hubmersberg 65 Fremdarbeiter, davon 39 aus dem Altlandkreis Vohenstrauß. 10 aus Moosbach, 5 aus Burgtreswitz, 2 aus Niederland sowie je 1 aus Gröbenstädt, Saubersrieth und Heumaden.

Aus den Listen dieser Hopfengemeinde wird deutlich, dass sich 1908 bis 1913 Zupfer bis aus Lüttich/Belgien zum Geldverdienen nach Franken aufmachten. Aber die Technisierung ersetzte Mitte des 20. Jahrhunderts die Hopfenzupfer durch Maschinen. Schon 1895 kam die erste Hopfenbrockmaschine auf den Markt. Sie war technisch unausgereift und teuer. Ab 1960 war aber der Siegeszug der ersten deutschen befahrbaren Hopfenpflückmaschine nicht mehr aufzuhalten und die Ernte per Hand gehörte der Vergangenheit an.
Weitere Beiträge zu den Themen: Bier (117)OnlineFirst (12903)Reinheitsgebot (39)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.