Mit der Waldordnung vor 450 Jahren begann der Streit um die Waldrechte
Waldrechte zäh verteidigt

Vermischtes
Moosbach
08.09.2016
44
0

Viele Bürger des Markts Moosbach beziehen ihr Brennholz kostenlos vom Staat. Dies geht auf alte Regelungen zurück.

Dieses nach Klaftern (ein Klafter ist 3,13 Ster) bemessene Erbrechtholz, wie es die Bürger nennen, holen sie jährlich aus den Staatswäldern bei Eslarn, dem Kaar bei Gröbenstädt, im Distrikt Michlbach bei Burgtreswitz oder aus anderen Wald-Arealen. Alleine für die Moosbacher und Burgtreswitzer hat das Erbrechtholz einen Umfang 104,5 Klaftern.

Bei diesen Forstnutzungsrechten handelt es überwiegend um Brennholzrechte. Andere Regelungen wie Bauholz-, Weide- oder Streurechte existieren nur mehr in ganz seltenen Fällen. Die Geschichte der Forstnutzungsrechte ist die Geschichte eines Kampfs, der zeitweise äußerst erbittert geführt wurde. Seit 100 Jahren sind sie im Grundbuch als sogenannte Forstrechte eingetragen und damit für die Rechtler abgesichert.

Die Entstehung der Forstrechte geht ins 12. Jahrhundert zurück und steht eng im Zusammenhang mit der Grundherrschaft, auch wenn es sich damals noch um freiwillige Vergünstigungen handelte. Die Bauern erhielten für ihre Frondienste (Scharwerke) aus den herrschaftlichen Waldungen das zu ihrer "Hausnotdurft" erforderliche Bau- und Brennholz sowie Streu- oder Weiderechte. Das Streurecht beinhaltete das Recht auf Bezug von Waldstreu zum Einstreuen in die Viehställe. Die Weiderechte umfassten die Befugnis, in Waldungen Vieh weiden zu lassen.

Neue Forstordnung


Ursprünglich waren die Rechte ungemessen, das heißt, der Umfang richtete sich nach der Hausnotdurft. Im 16. Jahrhundert setzten Bestrebungen der Grundherren ein, die "Bewilligungen der Höhe nach zu begrenzen". 1565 hatte Kurfürst Friedrich III. eine neue Forstordnung erlassen. Es herrschte Holzmangel, denn in den Eisenhämmern der Oberpfalz wurde immer mehr Holz benötigt.

Die Pfleger im Schloss Burgtreswitz versuchten deshalb, die Forstrechte durch Erhöhung des Waldzinses oder Begrenzung der Holzmenge zu beschneiden. Nach langen Streitigkeiten erzielten die Moosbacher und Burgtreswitzer einen Sieg. 1587 kam es zum Vergleich mit der Regierung in Amberg.

Waren die Berechtigten vorher noch waldzinsfrei, so wurde nun zwischen waldzinsfreien und -pflichtigen Untertanen unterschieden. Die Moosbacher hatten eine jährliche Rente von 14 und die Burgtreswitzer von 7 Gulden zu entrichten. Die jährliche Rente sollte "ewiglich" gelten. Aber das Quantum des Holzbezugs wurde im Vergleich nicht festgelegt. Der Ausdruck "Notdurft" ließ einen erheblichen Spielraum zu, den die Berechtigten gehörig ausnutzten. So waren Streitigkeiten (1644, 1693/94 und 1709) vorprogrammiert.

Die Regierung erhöhte den Waldzins. Die Moosbacher wollten nicht mehr zahlen. 1714 wies die Regierung das Amt Treswitz an, nicht mehr an Brennholz abzugeben, als jeder zur Hausnotdurft benötige. Schon 1712 war den Moosbachern Brennholz auf 120 Klafter jährlich begrenzt worden, weil der Markt selbst Gemeindewaltungen besaß. 1736 kam es zu einer Waldzinserhöhung auf 20 Kreuzer pro Klafter, und der Streit entbrannte erneut. Nun verweigerten die Moosbacher die Zahlung des neuen und alten Waldzinses.

Der Förster Stefan Clauswitz beklagte sich 1748 bei der Regierung, dass die Moosbacher sich sträflich weigerten. Er habe keine Zwangsmittel und schlug deshalb vor, den Moosbachern keinen "Stecken" Holz mehr zu geben. Nun traten die Burgtreswitzer dem Streit bei. Der Förster weise ihnen Brennholz zu, das sieben oder acht Stunden entfernt sei.

Entschädigung mit Geld


1749 beendete Kurfürst Maximilian den Streit. Die Erhöhung wurde zurückgenommen, aber das Quantum des Brennholzes auf 100 Klafter festgeschrieben. 1823 erkannte der Staat die Bauholz- und Brennholzrechte der Untertanen des ehemaligen Amts Burgtreswitz an. Die Streurechte wurden schon 1809 aus Gnade auf Widerruf bewilligt. Weiderechte bestanden zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.

Zu Beginn des 19. Jahrhundert kam ein Prozess in Gang, der bis heute nicht abgeschlossen ist: die Ablösung der Forstrechte gegen Geldentschädigung. Die Geschichte der Forstrechte ist die Geschichte eines Kampfs der Obrigkeit gegen die bäuerliche Bevölkerung. Die Bürger beriefen sich auf alten Brauch und altes Herkommen. Die Forstleute versuchten, dem Gesetz Geltung zu verschaffen. Als Vertreter der Obrigkeit waren sie gewissermaßen in die Rolle des Gendarmen gedrängt. Furchtlos und zäh verteidigten aber die Leute ihre Rechte.
Weitere Beiträge zu den Themen: OnlineFirst (12892)Waldrechte (1)Erbrechtholz (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.