Moosbach vor 100 Jahren
Hartes Kriegsjahr 1916

Die 1817 gegründete Burgschleif am Tröbesbach war ein gut gehendes Schleif- und Polierwerk, das mit 96 Polierblöcken arbeitete und 16 Leute beschäftigte. Jährlich wurden 20 000 Gläser aus Böhmen verarbeitet. Im ersten Weltkrieg erlitt der Betrieb einen wirtschaftlichen Einbruch. Repro: gi
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Moosbach
04.01.2016
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Der erste Weltkrieg (1914 bis 1918) vor 100 Jahren führte Moosbach für Jahrzehnte in die Bedeutungslosigkeit. Der blühende Markt mit dem größten Viehmarkt in der nördlichen Oberpfalz mit einem Auftrieb von bis zu 1500 Stück Rindvieh sowie das Zentrum des Handwerks und der Zünfte hatte keine Anziehungskraft mehr.

Die Eisenbahn ging an Moosbach vorbei und die vielen Glaspolieren, die hunderte von Arbeitsplätze sicherten, waren in ihrer Existenz bedroht. Schon in den beiden Kriegsjahren 1914 und 1915 fielen 30 junge Söhne an der Front. Im dritten Kriegsjahr 1916 wurde die Lage noch schlimmer. In den Standesämtern Moosbach, Tröbes, Etzgersrieth und Heumaden wurden nur mehr 55 Geburten beurkundet. Vor dem Krieg lag der Jahresdurchschnitt an Geburten bei 150.

Auch die Eheschließungen lagen 1916 mit nur drei an der Zahl weit unter dem Schnitt von 60 pro Jahr vorher. Nur bei den Sterbefällen gab es Zuwächse. 1916 waren es 76. Gut 20 mehr als in der Zeit vorher, denn der Krieg forderte seinen Zoll. Die Gefallenen im Alter von 20 bis 30 Jahren ließen ihr Leben auf den Kriegsschauplätzen in Frankreich, Belgien oder auf dem Balkan. 1916 registrierte das Standesamt Moosbach den Heldentod von Georg Reh, Grub; Josef Weiß, Moosbach; Josef Gruber, Gröbenstädt; Michael Portner, Mayrschleif und Andreas Stock, Gebhardsreuth. Aus Rückersrieth fielen Georg Ach und Johann Karl, aus Heumaden Michl Maunz und Jakob Rauch. Um neun Kriegstote trauerte der Standesamtsbezirk Tröbes 1916: Baptist Lingl, Ragenwies, Josef Reitinger, Ödpielmannsberg; Josef Eger, Saubersrieth; Josef Ebnet, Gaisheim; Johann Christian Bauer, Tröbes; Josef Portner, Johann Bauer, Josef Dobmeier und Thomas Danzl (alle Tröbes).

Am 22. August 1916 brannten beim Gastwirt Forster in Moosbach (Goldener Löwe) die Scheune und die Stallung nieder. Insgesamt 140 Feuerwehrleute verhinderten ein Übergreifen der Flammen auf die Nachbaranwesen.

Fleisch unbezahlbar


Ignaz Mühlhofer schildert in seinen Aufzeichnungen die Ernährungs- und Wirtschaftssituation 1916 in Moosbach so: "Kriegsbrot, ein mit Kartoffelmehl vermischtes Roggenbrot, wird nun hergestellt. Preise für Reis, Erbsen, Mehl, Gries, Kaffee, Schokolade und Kakao steigen. Das Pfund Zucker wurde von 25 auf 35 Pfennig erhöht. Brotgetreide darf nicht mehr an das Vieh verfüttert werden. Schweinefleisch ist für den kleinen Mann unbezahlbar.

Selbstversorger bekamen keine Marken. Sie mussten bis 16. April 1916 das über den Selbstbedarf (9 Kilo pro Kopf im Monat) hinausgehende Getreide an die Sammelstelle des Kommunalverbandes abliefern. Einige Wochen später beschlagnahmte der Staat die ganze Ernte. Ein Wecken Brot mit 700 Gramm kostete 27 Pfennig und ein Laib mit 1400 Gramm 54 Pfennig. Ab 15. Mai 1916 wurde auch der Viehhandel untersagt. Hausschlachtungen bedurften der Genehmigung durch das Bezirksamt Vohenstrauß. Am 30. April 1916 wurden die Uhren ab 23 Uhr um eine Stunde zurückgestellt.

Einziger Lichtblick 1916 war die zufriedenstellende Ernte. Obwohl es an landwirtschaftlichen Arbeitern mangelte, kam alles unter Dach und Fach. Dafür mussten Kinder und Kriegsgefangene einspringen.

Bei solchen Bedingungen hatte auch der Gemeinderat mit Bürgermeister Franz Wittmann und den Ausschussmitgliedern Liegl, Rappl, Sauer, Schön und Mühlhofer nicht viel zu beschließen. 1916 fanden nur drei Sitzungen statt. In der Märzsitzung wurde der Gastwirt Johann Schön für den sich im Krieg befindlichen Jakob Ziegler in den Steuerausschuss berufen. Zum Armenrat gehörten Johann Schötz, Michael Hochreiter, Adam Ziegler, Johann Schön und Josef Graf. Einverstanden war der Gemeindeausschuss mit der Überspannung der Gemeindestraßen durch die Straßenbeleuchtung der Naabwerke. In der Maisitzung wurde Michael Bauer für den erkrankten Karl Karges als Flurwächter bestellt. Gleichzeitig wurde er mit der Aufsicht über den Wald am Tröbesbach betraut.

180 Arbeiter entlassen


1916 arbeiteten in den Spiegelglasschleifen und -polieren im Raum Moosbach insgesamt 350 Personen. Aber der Krieg hinterließ seine Spuren und in den Werken in Burgtreswitz, der Burgschleife, der Gebhardsreuther Schleife, in Gröbenstädt, in Hammermühle, der Kemnitzerschleife, in Ödpielmannsthal, dem Neubau, dem Leinschlag, der Mühlschleif, der Pingermühle, dem Strehberg, der Wirtsschleif und in Waltenrieth mussten 180 Arbeiter entlassen werden.

Seit 1908 führte Pfarrer Josef Staab ein strenges Regiment. Die Expositur Etzgersrieth versorgte Lorenz Lippert. In den Volksschulen Moosbach, Etzgersrieth, Heumaden und Tröbes wurden knapp 600 Kinder unterrichtet. Der Schule stand Oberlehrer Michael Friedrich vor. Oberlehrer Philipp Zölch und Hilfsleiter Otto Weig unterstützten ihn. In der Schule Tröbes unterrichteten Max Kölbl und Hilfslehrerin Ida Beer.
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