Moosbacher Kommunbrauwesen
Brauen für Pfarrer kostenlos

Das 1857 errichtete Brauhaus wurde 1905 von Grund auf modernisiert. Es war ein stattlicher Bau in der Bachgasse in Moosbach. Repro: gi
Vermischtes
Moosbach
24.06.2016
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Die Ursprünge des Moosbacher Kommunbrauwesens gehen ins frühe 16. Jahrhundert zurück. Immer wieder kam es in dieser Zeit zu Streitigkeiten zwischen Pflegeamt, Gemeinde und Wirten.

Nach einer Aufstellung von Bürgermeister Ferdinand Kleber besaßen 1842 insgesamt 84 Bürger das Braurecht. 9 Rechtler hatten zudem das Privileg, sich an der Eslarner Straße (Eingang zum heutigen Kurpark) tiefe und kühle Bierkeller zu graben.

Vehemente Gegenwehr


1599 wurden im Brauhaus Moosbach 24 Sud mit 842 Eimern Bier gebraut. Dafür klingelten 110 Gulden Un- und Kesselgelder in der Pflegamts- und der Gemeindekasse. Immer wieder kam es zu Streitigkeiten, denn für Biere, die nicht in Moosbach eingebraut wurden, wollten die Wirte kesselgeldfrei sein. Oft drehte der Pfleger in Treswitz an der "Bier-Steuerschraube", deshalb kam es zu vehementer Gegenwehr der Märkte Tännesberg und Moosbach.

1616 brannte das Mulzhaus, das im Volksmund "der hohe Zorn" genannt wurde. 1712 scheitere der Wunsch des Markts, ein Brauhaus für "Weißes Bier" errichten zu dürfen, am Einspruch des Rats zu Neunburg vorm Wald. 1766 wurden 46 Sud Bier eingebraut, die über 1200 Gulden in die Pflegamts-, Markt- und Brauhauskasse spülten. Pfarrer- und Geistlichkeit dagegen konnten abgabefrei brauen, sie mussten jedoch als Gegenleistung das Schauer-, Florian- und Wendelinamt halten.

Gebraut wurde vom 1. November bis 30. April. 1784 wurde erstmals ein Braumeister namens Georg Drexler erwähnt. Zwei Jahre später war er Bürgermeister. Beim großen Brand 1848 (von 98 Häusern blieben nur 4 verschont) erlitt auch das Kommunbrauhaus schwere Schäden, die erst 1850 beseitigt waren. 1857 erfolgte ein kompletter Neubau.

Qualität schwankte


1888 hatten alle Hausbesitzer mit Ausnahme der kirchlichen Anwesen das Braurecht im Gemeindebrauhaus. Das Kesselgeld betrug 8 Mark und 75 Pfennig. Das gebraute Bier durfte nur im eigenen Haus ausgeschenkt werden. 1892 wurde dem Markt die Erhebung eines Lokalmalzaufschlags genehmigt. Er betrug 1 Mark vom Hektoliter verwendeten Malzes und 60 Pfennig pro Hektoliter eingeführten Gerstensafts. Bei Ausfuhr von Bier, das im Markt gebraut wurde, konnte die Rückzahlung des Aufschlags verlangt werden. Das Brauhaus wurde 1905 mit 11 500 Mark modernisiert. 1910 hatte Moosbach 750 Einwohner. 84 Brau- sowie Ausschankberechtigte brauten und verkauften 1398 Hektoliter Bier. Die Qualität des Kommunbiers schwankte je nach Jahreszeit und verwendetem Material. Es verdarb aber meistens im Sommer. Die Ertragslage der Schänken litt darunter, und auch die Rendite der Kommunbrauerei wurde immer kleiner. 1924 beschlossen die Brauberechtigten, die Restschulden der Brauhausrenovierung von 1905 durch eine Umlage auf alle Rechtler zu tilgen. In der Versammlung wurden bereits erste Stimmen laut, das Gebäude zu verkaufen. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs musste der Braubetrieb wegen Rohstoffmangels eingestellt werden. 1945 wurde er aber wieder aufgenommen.

Viele AnekdotenUm das Kommunbrauwesen in Moosbach ranken sich viele lustige Begebenheiten. So die Geschichte zweier Moosbacher Gastwirte: "Gemeinsam konstruierten sie einen neuen Bierfilter, jedoch bauten sie in der Durchflussleitung eine Dichtung ohne Durchlass ein.

Die Filtration begann, und man wunderte sich schon, dass am Auslauf kein Bier herauskam. Auf einmal tat es einen furchtbaren Knall, der Filter zerbarst in lauter Einzelteile. Zu hoher Druck hatte sich im Gerät wegen der fehlerhaften Konstruktion aufgebaut."

Als in den 1950er Jahren die Brauhausdefizite und die behördlichen Auflagen für die Bierherstellung immer schlimmer wurden, beschlossen Gemeinderat und die Brauberechtigen die Auflösung des Kommunalbrauhauses und den Verkauf des Gebäudes an die Familie Hanauer aus Gaisheim. Lorenz Scheuerer übernahm mit seiner Privatbrauerei die Belieferung aller Kunden. (gi)
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