Niederbronner Schwestern
Abschied mit vielen Tränen

Der ehemalige Moosbacher Pfarrer Josef Zapf (links) verabschiedete 1989 die letzten beiden Niederbronner Klosterschwestern Lugenia und Wigbalda (rechts). Nicht nur die damalige Seniorenbetreuerin des Pfarrgemeinderats, Elfriede Hofmeister (Zweite von rechts), war darüber sehr traurig. Archivbild: gi
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Moosbach
03.06.2016
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Im Frühjahr 1936 waren die Niederbronner Schwestern, nach Moosbach gekommen. Sie leisteten bis zur Auflösung der Schwesternstation 1989 Krankenpflege, Lebens- und Sterbehilfe.

Die Bevölkerung hatte die Ordensfrauen schnell liebgewonnen. Was sie in dem großen Pfarreigebiet vor allem durch Hausbesuche leisteten, war unendlich wertvoll. Besonders die ländliche Bevölkerung, die nicht krankenversichert war, wusste ihre Dienste zu schätzen. Kein Wunder, dass beim Abzug der Schwestern ins Mutterhaus nach Neumarkt viele Tränen flossen.

20 Reichsmark pro Monat


Der damalige Pfarrer Georg Kiener hatte die ambulante Krankenpflegestation gegründet. Die Schwestern pflegten ihn 1953 in seinen letzten zehn Lebenstagen, so dass er in vertrauter Umgebung in seiner Pfarrei sterben konnte. Der vom Geistlichen mit dem Orden abgeschlossene Vertrag beinhaltete auch die Unterbringung der Schwestern im kircheneigenen Schulhaus. Aufwandsentschädigung für den Dienst einer Schwester waren 20 Reichsmark pro Monat bei freier Wohnung, Beleuchtung und Heizung.

Die Ordenschronistin schrieb: "Als wir unsere Küche betraten, war Feuer im Herd, und ein Topf kochender Milch stand bereit. In der Vorratskammer fand sich ein Körbchen mit Eiern, ein Topf Schmalz, Zwiebeln, alles was für einen Haushalt notwendig ist." Heimweh hatten die Schwestern nicht, denn schon am nächsten Tag wurden sie zur Krankenpflege in verschiedene Häuser gerufen.

Die Schwestern Christina und Lukana leisteten Pionierarbeit - und das in einer politisch sehr schwierigen Zeit. Denn Pfarrer Kiener hatte mit den Nazis seine liebe Not. Zu Kriegsende 1945 waren die Schwestern Armina und Ilga in Moosbach. Sie erlebten das Leid in den Familien wegen der vielen Gefallenen, den Elendszug der Flossenbürger KZ-Insassen, den Einmarsch der Amerikaner, das Flüchtlingselend und die Not der Vertriebenen sowie die Leiden und Nöte der ehemaligen Kriegsgefangenen, vor allem Russen und Polen. Dazu kam die große materielle Not der Bevölkerung.

Nette Moosbacher


Im August 1945 kamen die Schwestern Domitiana und Notgera. Pfarrer Kiener ließ die Wohnungen herrichten. Arbeit gab es genug. Die Moosbacher waren nett zu ihnen und gaben reichlich Lebensmittel, so dass die Ordensfrauen an ihr Krankenhaus in Schwandorf reichlich Kartoffeln und Getreide abgeben konnten. Wegen der großen Wohnungsnot wurden Flüchtlinge in der Schwesternwohnung aufgenommen.

1953 herrschte in Moosbach große Freude, denn in der Wohnung wurde der Kindergarten untergebracht. Dazu kam Kindergärtnerin Schwester Leonhardis. Nun gab es bereits drei Schwestern. Nach dem Tod von Kiener folgte Pfarrer Karl Ohneis. 1954 betreuten zwei Schwestern 489 Kranke. 1955 waren es sogar 532 betreute Kranke und 19, die beim Übertritt ins Jenseits begleitet wurden. 1958 trat Schwester Isolde an die Stelle von Leonhardis.

Im selben Jahr bekamen die Schwestern ein Moped. Nun musste die 69-jährige Schwester Domitiana nicht mehr zu Fuß gehen. 1962 verließ sie nach 16 Jahren als Oberin Moosbach. Für sie kam Schwester Alwina. Als 1963 Pfarrer Josef Fromm nach Moosbach kam, waren die Schwestern Alwina, Nonosa und Isolde hier tätig.

Ab 1964 hatte die Krankenpflegestation endlich ein Auto. 315 Kranke, 46 Nachtwachen und 17 Sterbebegleitungen waren zu bewältigen. 1969 kam Schwester Hieronyma. Nun war es ein Quartett. 1971 kamen für Alwina und Nonnosa die Schwestern Lauretta und Adelhelma.

1977 folgte für Lauretta Schwester Lugenie. 1976 trat Isolde in den Ruhestand. Sie blieb aber in Moosbach, kümmerte sich um die Küche und pflegte die Kirchenwäsche. 1980 verließ Hieronyma Moosbach. Für sie schickte das Mutterhaus die sich im Ruhestand befindliche Schwester Maria, die sich im Bügelzimmer und als Kirchenwächterin betätigte.

Hiobsbotschaft


Im April 1989 kam dann die Hiobsbotschaft aus Neumarkt, dass die Schwestern abgezogen werden. Massiv kämpfte die Pfarrei mit Pfarrer Josef Zapf dagegen an. Die Moosbacher entsandten eine Delegationen nach Neumarkt, um das Mutterhaus umzustimmen. Die Provinzialoberin aber gab nicht nach. Man brauchte die Schwestern andernorts, um auch dort drohende Auflösungen zu vermeiden. Zu groß war der Schwesternmangel geworden. Nun mussten auch die letzten beiden Schwestern Wigbalda und Lugenia die Gemeinde verlassen.
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