Rückersriether stimmen für Rückgabe
Kössinger Glocke kommt heim

Die Rückersriether waren sich einig, die Glocke nach 70 Jahren wieder an Kößing zurückzugeben. Darüber freuten sich Bürgermeister Andreas Wutzlhofer, Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat Böhmischbruck, die Kössinger sowie Zeitzeuge Hans Mehler (Dritter von rechts). Bild: gi
Vermischtes
Moosbach
19.04.2016
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Der Irrweg der Kössinger Kirchenglocke ist beendet. Nazis hatten sie 1940 beschlagnahmt. Über Umwege gelangte das Stück nach Rückersrieth.

Rückersrieth. In einer Dorfversammlung im Gasthaus Bodensteiner stimmten die Bewohner für die Rückgabe. An dieser historischen Sitzung nahm neben der Dorfbevölkerung auch die Bürgermeister Hermann Ach und Andreas Wutzlhofer sowie die Kirchenverwaltung Böhmischbruck und Bewohner von Kößing teil.

Vom Turm geworfen


Zur Vorgeschichte: Als die Nazis sich mitten im Krieg der Kirchenglocken bemächtigten, muckten viele Gläubige auf dem Lande leise auf. Durch Anordnung des Beauftragten für den Vierjahresplan vom 15. März 1940 wurden die Bronzeglocken im Reich beschlagnahmt. Die Kreishandwerkerschaften hatten den Auftrag, sie auszubauen.

Kirchenverwaltungen, die keine Freistellungsbescheinigung erteilt bekamen, mussten sich mit der Einschmelzung ihrer zum Teil schon jahrhundertealten Glocken abfinden. Um die Beschlagnahme zu verhindern, wurden diese oft von den eigenen Leuten gestohlen und in Sicherheit gebracht. Dies war ein schlimmes Vergehen, das die Reichsstelle gnadenlos bestrafte.

Am 30. März 1942 erging ein Schreiben über die Ankündigung der Abnahme der beiden Kirchenglocken in Kößing. Mit äußerster Brutalität wurden beiden Glocken vom Turm geworfen. Heute noch erkennt man die Aufprallstellen im Pflaster der Kapelle. Einige Tage später wurde sogar noch der eiserne Klöppel beschlagnahmt und zur Sammelstelle nach Weiden gebracht. Wie durch ein Wunder aber blieb eine der beschlagnahmten Glocken von der Einschmelzung verschont. Lag es daran, dass das schöne kleine Glöcklein die Aufschrift "Mathes Dives, Fudit Egrae (Eger), 1777" trug und sie einer der Schmelzer beiseite schaffte?

Jedenfalls kam die Glocke bei den ganzen Wirren nach Ende des Krieges nicht mehr nach Kößing, sondern nach Rückersrieth. Dies kann seinen Grund darin haben, dass sowohl Kößing wie auch Rückersrieth damals zum Pfarramt Böhmischbruck gehörten.

Lange lag die in Eger gegossene Glocke auf dem Dachboden der alten Kapelle in Rückersrieth. In den siebziger Jahren baute der Markt Moosbach in Zusammenarbeit mit den Rückersriethern eine neue Kapelle. Das alte Glöcklein mit einem Durchmesser von 40 Zentimeter war für die neue Kapelle zu klein und außerdem fehlte der "Originalschwenkel", wie der damalige Ortssprecher im Rathaus meldete.

Kein Rückersriether konnte den rechtmäßigen Eigentümer erahnen. Als die Kössinger aber auch ihre Dorfkapelle sanierten, stellten der damalige Prälat Johann Ascherl und Stadtpfarrer Franz Winkelmann Nachforschungen über den Verbleib der Glocke an. Sie wurden fündig, denn ihre Spur führte nach Rückersrieth.

Beweis vorgelegt


Als Beweis legten sie dem Moosbacher Bürgermeister Hans Roßmann den Band "Kunstdenkmäler von Bayern, Bezirksamt Vohenstrauß, 1907/1982" vor. Auf Seite 30 wird darin die 1777 in Eger/Sudetenland gegossene Glocke unmissverständlich der Kirche "St. Peter und Paul" in Kößing zugeordnet. Dem Moosbacher Marktrat blieb deshalb im August 2002 nichts anderes übrig, als einer Rückführung der Glocke nach Kößing zuzustimmen. Dazu kam es aber aus verschiedenen Gründen nicht.

Als sich die Kössinger vor einiger Zeit erneut an den Bürgermeister von Moosbach wendeten, rief dieser zu einer Dorfversammlung ein. Einstimmig erklärten sich alle anwesenden Rückersriether bereit, die Glocke an Kößing zurückzugeben. Zeitzeuge Hans Mehler konnte sich noch erinnern, wie die Glocke vom Turm in Kößing herunter geworfen wurde. Er freute sich riesig, dass das Glöcklein, das in Kößing als Sterbeglocke verwendet wurde, nun wieder nach Hause kommt. Auch Johann Scheuerer aus Rückersrieth war glücklich, dass die Kössinger wieder "ihr Sach'" zurückbekommen. 2002 sei dafür noch nicht die richtige Zeit gewesen.

Die Übergabe sollte gebührend gefeiert werden. Mehler dankte der Moosbacher Seite: "Wir holen die Glocke in feierlichem Rahmen ab, und laden zu gegebener Zeit zum Feiern nach Kößing ein." Bürgermeister Wutzlhofer dankte dafür, dass sich alle einig sind, die Glocke nach 70 Jahren an ihrem ursprünglichen Platz zurückzuführen.
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