Vohenstraußer an der Westfront im Ersten Weltkrieg
Sterben an der Somme

Das Kriegerdenkmal auf dem Dorfplatz in Burgtreswitz erinnert an den Tod von Franz Xaver Kleber vor 100 Jahren. Bild: gi
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Moosbach
12.10.2016
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"Er ist der größte Mann unserer Ortschaft", hieß es von Franz Xaver Kleber aus Burgtreswitz. Da bringt der Postbote vor 100 Jahren die erschütternde Nachricht vom "Heldentod des Infanteristen".

Burgtreswitz. Am 9. Oktober 1916 verstarb er nach schwerer Verwundung bei Le Barque an der Somme. Mit ihm sei der erste Krieger des Ortes "auf dem Felde der Ehre geblieben, er sei "für eine große Sache gestorben" und werde "als braver Jüngling im Jenseits den schönsten Lohn empfangen".

Ein echter Trost war dies für die Mutter nicht, steht doch auch ihr Mann "an der Somme im heißen Ringen". Der Vohenstraußer Chronist Karl Ochantel ist dem Schicksal des in Burgtreswitz (Hausnummer 3, heute Schlosshof 18 - Uhlemann) am 8. März 1895 geborenen Franz Xaver Kleber nachgegangen. Dessen Eltern waren der Schreiner Johann und Maria Kleber, geborene Forster.

Kommandeur gefangen


Seit dem 1. Juli 1916 griffen Franzosen und Briten die deutschen Stellungen beiderseits des Flusses Somme in Nordfrankreich an. An einem der vielen Großkampftage, am 25. September, wurden die Bataillone des Amberger Infanterieregiments Nr. 6 zerschlagen. An diesem Tag fielen Josef Dobmeier aus Reinhardsrieth, Josef Ebnet aus Gaisheim, Karl Jander aus Vohenstrauß, der Hammermüllner Franz Krapf aus Roggenstein und Max Rewitzer aus Pleystein.

Einer der wenigen Überlebenden des I. Bataillons, der Infanterist Josef Anzer aus Oberlind, beschrieb den Angriff: "Die Engländer fuhren mit einem Panzerauto über die Stellung hinweg und schnitten die schwache Grabenbesatzung von rückwärts ab. Der Bataillons-Kommandeur und sein Adjutant sind gefangen."

Die britische Kavallerie und Flugzeuge unterstützten die Panzerangriffe. Die bayerischen Soldaten mussten sich auf die Orte Flers und Le Barque zurückziehen. Josef Woppmann aus Altenstadt stand sieben Wochen im Feld bei den Sechsern. Das Kriegerdenkmal in Altenstadt erinnert an ihn: "Vermisst seit dem 26.9 1916."

Ende September wurden die Reste des 6. Regiments abgelöst. Aus Verdun kam die bayerische 6. Reserve-Division mit ihren vier Reserve-Regimentern (RIR). Das 20. und 21. RIR geriet bei Le Barque unter heftigsten Beschuss. Am 27. September wurde Johann Lang aus Eslarn bei Le Barque durch ein Artilleriegeschoss verschüttet, er kam in ein Lazarett nach Berlin. Sein Kamerad Georg Kick aus Eslarn fiel, eine Grabstätte ist bis heute unbekannt.

Splitter im Oberschenkel


In Gefangenschaft geriet Adam Woppmann aus Weißenstein. Wochen später meldete er sich aus einem Gefangenenlager in London. Ein Schrapnell verletzte Mathias Grötsch aus Eslarn am Rücken. Granatsplitter trafen Johann Schreier aus Waidhaus am rechten Oberarm und Oberschenkel. Johann Sollfrank aus Pleystein schrieb noch am 3. August an seine Therese: "Leider können wir uns nicht so schnell treffen, denn es ist jetzt die Zeit zu ernst." Seit 1. Oktober wurde er bei Le Barque vermisst, 1918 für tot erklärt.

In der Nacht zum 1. Oktober lag ununterbrochen starkes Artilleriefeuer auf den Stellungen. Der starke Angriff brachte mancher Kompanie bis zu siebzig Prozent Verluste. Postbotensohn Johann Hölzl aus Eslarn starb zwischen Le Barque und dem Gallwitz-Riegel. Die Verluste des 17. RIR betrugen bereits 1646 Mann, tot oder verwundet.

Mit Hitler an der Front


Das 16. RIR "Regiment List" grub sich nachts westlich des Gallwitz-Riegels ein. Sein Regimentsstab belegte einem minierten Unterstand bei Le Barque. Am 4. Oktober hatte das zusammengeschmolzene III. Bataillon den Graben durchlaufend besetzt und Anschluss zu den benachbarten Kompanien. Es explodierten Granaten, auch mit Reizgas und Giftgas. Ein Volltreffer schlägt in den Unterstand. Ein Splitter verletzte einen Gefreiten im linken Oberschenkel. Er kam ins Vereinslazarett in Beelitz nach Berlin. Sein Name: Adolf Hitler, Kriegsfreiwilliger, Gefreiter in der 3. Kompanie des 16. RIR, lediger Kunstmaler, geboren in Braunau in Oberösterreich - wie die Stammrolle im Kriegsarchiv München vermerkt.

In der Nacht zum 7. Oktober schwoll das Artilleriefeuer stark an. Gegen Mittag verstärkte sich das Feuer mehr und mehr und wurde gegen 15 Uhr zum Trommelfeuer. Die Front bestand nur noch aus Granattrichtern, die man durch Gräben zu verbinden versuchte. Am 9. Oktober begann wieder starkes feindliches Artilleriefeuer, die notdürftig hergerichteten Gräben wurden zum Teil wieder eingeebnet. Dieser Tag, an dem Franz Xaver Kleber aus Burgtreswitz starb, war eigentlich ein normaler Kampftag an der Somme. In der Fußartillerie standen der Bäcker Johann Lang aus Vohenstrauß, der Kaufmann Erwin Sadler und der Glaspolier Georg Bauer aus Böhmischbruck an den Kanonen. Johann Frischholz aus Lückenrieth verstarb nach schwerer Verwundung.

Verlustreichste Schlacht


Die deutschen Kompanien schmolzen auf 35 bis 15 Mann zusammen. Johann Poblotzki schrieb aus Verdun: "Unsere Verluste an der Somme sollen ganz enorm sein, 70 000 Mann in einer kurzen Zeit. Ich glaube indessen immer noch, es geht in diesem Jahre zu Ende." Die Schlacht an der Somme wurde am 18. November 1916 abgebrochen, ohne eine militärische Entscheidung herbeigeführt zu haben. Mit über einer Million getöteten, verwundeten und vermissten Soldaten war sie die verlustreichste Schlacht der Westfront während des Ersten Weltkriegs.
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