Interview mit Erhard Scheuerer, Diplom-Ingenieur für Brauwesen
Hopfenstopfen fürs Jubiläum

Erhard Scheuerer sowie seine Mitarbeiterinnen Silvia Strasser und Hilde Werner (von links) gewährten bei einem kurzen Rundgang durch die Private Landbrauerei Scheuerer auch einen Einblick in die Lagerräume. Bild: tss
Wirtschaft
Moosbach
18.03.2016
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Am 23. April, dem Tag des Bieres, feiern Brauer das Jubiläum "500 Jahre Reinheitsgebot". Auch Erhard Scheuerer, Inhaber der Privaten Landbrauerei Scheuerer in Moosbach, hat sich dafür etwas besonderes einfallen lassen.

Im NT-Interview erklärt der Diplom-Ingenieur für Brauwesen unter anderem, wie wichtig das Reinheitsgebot ist. Außerdem geht Scheuerer auf die Chancen kleiner Oberpfälzer Brauereien auf dem Markt ein. Das Gespräch führte Thorsten Schreiber, Redakteur in Vohenstrauß.

Was bedeutet das Reinheitsgebot für Sie?

Scheuerer: Es ist eine der kürzesten und genauesten Vorschriften für die Herstellung von Lebensmitteln. Absolut bindend.

Einige Brauer in Deutschland würden es aber am liebsten abschaffen. Was sagen Sie dazu?

Scheuerer: Davon halte ich gar nichts, ich halte auch nichts von Biermischgetränken. Ich bin ein Purist und trinke entweder Bier oder Wasser. Das Reinheitsgebot hat uns Weltruhm verschafft, deutsches Bier ist das am meisten geachtete der Welt.

Brauen Sie zum Jubiläum ein besonderes Bier?

Scheuerer: Ja, wir brauen drei Craft-Biere, also handwerklich hergestellte, natürlich streng nach dem Reinheitsgebot. Diese Welle ist aus den USA herübergeschwappt. Diese besonderen Biere stellen wir mit dem sogenannten Hopfenstopfen-Verfahren her: In das fertige Bier wird ein Sack Hopfen gehängt, um eine andere Geschmacksnote einzubringen. Das war bis vor zwei Jahren in Deutschland verboten. Am Sonntag, 24. April, stellen wir diese Biere beim Moosbacher Gewerbetag vor.

Craft-Biere aus kleinen Brauereien sind ja sehr im Kommen. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?

Scheuerer: Das führt zu mehr Regionalität. Gerade beim Thema Glyphosat muss ich sagen: Die hiesigen Bauern kann ich kontrollieren. Wir verwenden nur einheimischen Hopfen und einheimisches Malz, nicht aus Tschechien oder Frankreich, obwohl es dort viel billiger wäre. Das Brauen ist für uns Handwerk aus Leidenschaft. Die Private Landbrauerei Scheuerer ist jetzt seit vier Generationen in Familienbesitz, die fünfte steht schon bereit.

Mit welchen Alleinstellungsmerkmalen können sich Oberpfälzer Brauereien auf dem Markt behaupten?

Scheuerer: Zunächst einmal natürlich mit Zoigl. Ich habe schon vor zwei Jahren gesagt, das großflächiger zu vermarkten. Aber die Kommunbrauer in der nördlichen Oberpfalz wollten darauf ein Patent anmelden, was das europäische Patentgericht in München allerdings abgelehnt hat. Grund: In den Verein darf keiner ein- oder austreten. Wichtig sind auch, wie gesagt, die Rohstoffe. Darüber hinaus verwenden wir ausschließlich Bügelflaschen. Ein weiterer Vorteil: Wir sind nicht anonym wie eine Großbrauerei, sondern in persönlichem Kontakt mit unseren Kunden.

Zoigl ist ja eine scheinbar unendliche Erfolgsgeschichte. Wie lange wird sie noch dauern?

Scheuerer: Ich bin da skeptisch. Woher kommt der Hype? Zuerst durch die Preise für eine Halbe und Brotzeiten. Hinzu kommen Sitzweil und Gemütlichkeit. Aber wenn sich die Preise irgendwann einmal angleichen, dann haben die Zoiglwirte ein Problem.

Welches Bier trinken Sie am liebsten?

Scheuerer: Ich wechsle durch, mag aber Helles am liebsten, ab und zu auch mal ein Weizen. Mit zunehmendem Alter schmecken mir jetzt aber auch bittere Biere immer besser.
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