Lieber Messi in der Hand als die Taube auf dem Dach
Punkte für die Stars der Wettflüge

Der Nabburger Konrad Meierhofer gehört jetzt dem sechsköpfigen Präsidium des Brieftauben-Weltverbandes FCI (Federation Colombophile Internationale) mit Sitz in Halle (Belgien) an. Unser Foto entstand vor der Verbandsfahne am Rande der ersten Sitzung in Brüssel. Bilder: hfz (2)
Freizeit
Nabburg
01.04.2016
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Seinen eigenen Taubenschlag mit etwa 150 Tieren hegt und pflegt Konrad Meierhofer in Nabburg.

Konrad Meierhofer gehört als einziger Deutscher dem Präsidium des Brieftauben-Weltverbands an. Bei der nächsten Olympiade entscheidet der Nabburger über die Medaillenvergabe mit. Doch zuvor möchte er eine Großveranstaltung in seine Wahlheimat holen.

Sie heißen Bolt, Neymar, Messi, Schumi oder wie andere Spitzensportler. Alle zwei Jahre bekommen sie die Gelegenheit, sich bei einer Olympiade zu messen. Die "Athleten" sind dort schnelle und gefiederte Tiere, die in den Schlägen ihrer Besitzer leben: Brieftauben, die sich nach den Kriterien der Leistungsfähigkeit bei Wettflügen und der Schönheit messen lassen. Konrad Meierhofer, weiß worauf es da ankommt. Der 56-Jährige ist seit 2014 Preisrichter mit internationalem Ausweis, der einzige in Bayern, einer von nur acht in Deutschland.

Große Ehre in Brüssel


In dieser Eigenschaft gilt er auch als gefragter Experte im benachbarten Ausland. Bei der Schweizer Nationalausstellung durfte er zum Beispiel schon als Gastrichter fungieren. Solche Kontakte verhalfen ihm in Züchter- wie Funktionärskreisen zu Renommee - und zu einer unerwarteten Berufung. Der Brieftauben-Weltverband FCI (Federation Colombique Internationale) wählte ihn vor wenigen Wochen in Halle bei Brüssel (Belgien) in sein Präsidium. Neben jeweils einem Portugiesen, Italiener, Schweizer, Holländer und Spanier ist er dort der einzige Deutsche. "So was kann man nicht planen, so eine Chance bekommt man entweder, oder man bekommt sie nicht", weiß Konrad Meierhofer.

Dieser Verband richtet auch die Tauben-Olympiade aus. 2013 war sie in Polen, 2015 in Ungarn. Beide Male wählte der Nabburger jene zehn Alttiere - fünf Vögel und fünf Weibchen - aus, die für Deutschland an den Start gehen durften. Bei der nächsten Olympiade in Brüssel kommt ihm eine neue Rolle zu. Der Nabburger sitzt in der Jury, die nach definierten Standards darüber befindet, wer in den einzelnen Kategorien Gold, Silber oder Bronze bekommt. Etwa 1200 Tiere gilt es da insgesamt zu begutachten.

Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind ungeheuer wertvoll! Eine Olympia-Taube wechselt in der Regel nur für mindestens fünfstellige Euro-Beträge den Besitzer. Die teuerste, die Konrad Meierhofer als Preisrichter schon selber in der Hand gehalten hat, stammte aus Belgien und machte ihren Züchter um satte 100 000 Euro reicher. Es geht auch noch höher. Für 310 000 Euro kam mal eine unter den Hammer, berichtet Meierhofer: "Die Preise machen da die Chinesen, die kaufen die Sieger-Tiere vom Markt weg und sind bereit, hohe Summen zu bezahlen." Das führt dazu, dass besonders erfolgreiche Züchter ihr Hobby zum Beruf umwandeln, weil sie da einfach viel mehr Geld verdienen. Meierhofer weiß zum Beispiel, dass der aktuelle belgische Meister das so gemacht hat.

Als Bayern-Fan im Ruhrpott


Im Vorfeld der nächsten "Olympischen Spiele" möchte Konrad Meierhofer eine ungewöhnlich große Taubenschau in Nabburg auf die Beine stellen. Die bayerische Brieftauben-Ausstellung mit Olympia-Sichtung steht heuer noch an. Der Bankkaufmann aus Nabburg brachte das Schützenheim als Veranstaltungsort ins Gespräch. Er hofft in Kooperation mit dem örtlichen Verein "05192 Über Berg und Tal" auf eine Zusage, dann könnten dort etwa 500 schöne, leistungsstarke Tiere zu sehen sein.

Damit will der Nabburger einen Beitrag leisten, sein Hobby im Freistaat noch beliebter zu machen. "Bisher ist es ja eine absolute Ruhrgebietsdomäne", schmunzelt Konrad Meierhofer, der in der 96-jährigen Geschichte der Deutschen Preisrichtervereinigung als erster Bayer in deren Vorstand kam. Der passionierte FC-Bayern-Anhänger, selber Mitglied im Fußball-Fanclub Nabburg/Oberpfalz mit seinem Präsidenten Bernd Hofmann, scheut sich da nicht, ins Revier der schärfsten Bayern-Konkurrenten vorzudringen. Denn die nationalen Tauben-Großveranstaltungen finden schwerpunktmäßig im Signal-Iduna-Park in Dortmund statt. "Die Westfalenhalle ist schon fast so was wie mein Wohnzimmer geworden", lacht er und freut sich angesichts der anhaltenden Bayern-Dominanz im Fußball auf weitere Fahrten dorthin, zum Beispiel zur nächsten Deutschen Brieftauben-Ausstellung mit weltgrößter Tauben-Messe. "Das war aber auch in Zeiten so, als der BVB Deutscher Fußball-Meister war", betont er, sich mit den Hobby-Genossen im Ruhrpott gut zu verstehen.
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